Schulleben in Wermelskirchen Schüler sprayen Graffiti zum Stadtjubiläum

Wermelskirchen · Gemeinsam mit Künstler Marcel Veneman von „Sprühliebe“ haben die Schüler der Verbundschule Nord ein Zeichen gesetzt: Auf der grauen Betonmauer auf dem Schulhof begeistert jetzt ein Schriftzug zum Geburtstag der Stadt.

 Kunst auf der Betonwand an der Verbundschule in Wermelskirchen: Künstler Marcel Veneman (l.) und die Schüler gestalteten zum Stadtjubiläum einen Schriftzug in großen grünen Buchstaben.

Kunst auf der Betonwand an der Verbundschule in Wermelskirchen: Künstler Marcel Veneman (l.) und die Schüler gestalteten zum Stadtjubiläum einen Schriftzug in großen grünen Buchstaben.

Foto: Theresa Demski

„Ich habe zum ersten Mal eine Spraydose in der Hand“, sagt Immanuel und schüttelt die Dose mit grüner Farbe. Hinter ihm auf der Betonwand auf dem Schulhof haben die bunten Farben bereits die graue Tristesse abgelöst. „Am Anfang hatte ich schon ein bisschen Respekt“, sagt der 15-Jährige, „aber wir haben das zusammen hinbekommen.“ Lucas beugt sich über den großen Karton mit Farben und nickt. „Wir wissen jetzt auch: Fehler sind nicht endgültig und manchmal können wir sie nutzen, um das Bild so noch besser zu machen“, sagt er. Und dann machen sich die Jungs wieder an die Arbeit. Schließlich steht noch die „Outline“ an – der letzte Schliff rund um die Schrift. Auch Jana und Eleni haben sich eine Dose geschnappt, um ihr Werk zu vollenden. „Das ist echt ein schöner Morgen“, meint Jana. Und obwohl sie ihn ausnahmsweise mal nicht im Klassenraum verbracht hätten, sei der Lerneffekt groß. „Wir haben auch viel über Plastikmüll und Wiederverwertungsmöglichkeiten gelernt“, sagt Jana und deutet auf den schwarzen Ring, der eigentlich die Spraydose sichert. „Er funktioniert auch als Einkaufschip oder Schmuck“, weiß Eleni. Und dann beenden die Schüler gut gelaunt die kleine Fragerunde auf dem Schulhof – um sich dem Bild zu widmen.

Pünktlich zum Stadtjubiläum hat die Verbundschule Nord das Graffiti-Projekt auf ihren Schulhof geholt – und sich auch im Motiv an dem historischen Moment für die Stadt orientiert. „Wir haben schon länger die Idee gehabt, die große graue Wand auf dem Schulhof zu gestalten“, erklärt Schulsozialarbeiterin Lisa Eckert. Die Suche nach einem Künstler gestaltete sich schwierig, bis ein Schüler auf den Graffiti-Künstler Marcel Veneman aus Menden aufmerksam machte. Der hat sich nicht nur mit beeindruckenden Werken auf Fassaden einen Namen gemacht, sondern auch mit Workshops. Und er sagte zu. Die Kosten wurden durch das Förderprogramm „Heimatscheck NRW“ aufgefangen. Und so machte sich Eckert in der Oberstufe der Förderschule auf die Suche nach kreativen Köpfen. „Wir haben viele Schüler, die sehr kreativ sind“, sagt sie. Es fanden sich schnell zehn Leute, die eilnehmen wollten: Luke Heinrich, Manuel Drabik, Lucas Wilms, Felix Bäcker, Eleni Marci, Immanuel Nikolic, Justin Jocher, Philip Heilig und Jana Bohlius.

Das Design bereitete Marcel Veneman vor und stimmte es mit der Schule ab. „Am Ende wurden aus Pink und Blau dann doch Grüntöne“, sagt er und deutet auf die Schulfassade in ähnlichen Farben. Es sei ihm wichtig gewesen, ein Motiv zu wählen, an dem viele Schüler mitarbeiten konnten. „Also wurde es ein Schriftzug“, sagt er und zeigt auf die großen, schnörkeligen Buchstaben an der Wand: „150 Jahre Stadtrechte Wermelskirchen“. „Es ist ein richtiges Gemeinschaftswerk“, schwärmt Eckert bei der Präsentation am Mittwochmittag. Und es fördere auch die Identifikation mit Schule und Stadt.

Auch Veneman schwärmt von einer entspannten Zusammenarbeit mit den Schülern: „Selbst wenn es am Anfang manchmal Diskrepanzen gibt, am Ende denkt da keiner mehr dran“, sagt er. Stattdessen sind die Schüler in ihr Projekt vertieft. „Kunst verbindet eben“, so Veneman. Hinter dem Graffiti stecke aber noch mehr, ergänzt er dann. „Ich lasse etwas von mir auf dieser Welt zurück“, erklärt er die Magie der Kunst auf großen Wänden. Dieses Gefühl habe er selbst beim Sprayen. Und dieses Gefühl habe er an diesem Morgen auf dem Schulhof auch bei den Schülern wahrgenommen.

Nachdem die Jugendlichen die riesigen Skizzen des Künstlers mit Farbe aus den Spraydosen gefüllt haben, machen sie sich mit großen Farbrollen an die Arbeit, um den Rest der Mauer schwarz zu streichen. Lucas beschließt, auch die Ränder der Mauer fein säuberlich mit schwarzer Farbe anzustreichen. Und am Ende treten die Schüler ein Stück zurück und blicken auf ihr Kunstwerk – und die großen, grünen Buchstaben, die dank des schwarzen Hintergrunds nun noch deutlicher leuchten.