Holocaust-Gedenktag in Wermelskirchen Schüler erinnern sich an Fahrt nach Auschwitz

Wermelskirchen · Zum Holocaust-Gedenktag am Freitag hatten Marie-Louise Lichtenberg, der Bergische Geschichtsverein Wermelskirchen und die Kulturinitiative Wermelskirchen zu einer Veranstaltung ins Haus Eifgen eingeladen.

Marie-Louise Lichtenberg (l.) berichtete über die Studienfahrt zur Gedenkstätte Auschwitz, die sie 2008 Schülern unternommen hat.

Marie-Louise Lichtenberg (l.) berichtete über die Studienfahrt zur Gedenkstätte Auschwitz, die sie 2008 Schülern unternommen hat.

Foto: Wolfgang Weitzdörfer

Der 27. Januar ist seit 1996 der Internationale Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust. Und nicht nur, weil die Wissenslücken bei jungen Menschen über dieses Menschheitsverbrechen größer werden – wie gerade eine Studie der Jewish Claims Conference in den Niederlanden gezeigt hat –, ist es von außerordentlich großer Bedeutung, die Erinnerung am Leben zu erhalten. Auch hierzulande gibt es diesbezüglich bedenkliche Entwicklungen.

Im Haus Eifgen war die Ausstellung „Die Geschichte ist kaum zu ertragen“ zu sehen. Diese Ausstellung ist 2008 in Folge der Studienfahrt der zehnten Klassen der damaligen Städtischen Hauptschule zusammen mit ihrer Lehrerin Marie-Louise Lichtenberg und ihren Kollegen Christian Keller und Johannes de Giorgi zur Gedenkstätte Auschwitz in Polen entstanden. 15 Jahre später sind vier der damaligen Schüler – Karolin Röser, Alexander Schuster, Remigiusz Butza und Manuel Wiemann, alle heute Anfang 30 – bei der Feierstunde im Haus Eifgen dabei, die zusammen mit der Kulturinitiative Wermelskirchen und dem Bergischen Geschichtsverein Wermelskirchen organisiert wurde.

Neben einer Podiumsdiskussion, in der die vier Erwachsenen ihre Erlebnisse und Erinnerungen von vor 15 Jahren zusammen mit Moderator Thomas Wintgen von der Kulturinitiative reflektierten, haben die Schüler die Ausstellung von 2008 wieder aufgebaut. Damals wurde sie schon im Rathaus präsentiert.

„Die Idee zur Fahrt ist von uns ausgegangen“, sagt Karolin Röser. Im Verlauf des Geschichtsunterrichts sei der Wunsch aufgekommen, diesen Ort des Holocaust-Verbrechens selbst zu sehen. „Ich finde, dass es von extremer Bedeutung ist, sich heute damit zu beschäftigen und die Erinnerung am Leben zu erhalten, damit es wirklich zu einem ‚Nie wieder!‘ wird“, sagt sie.

Die rund 50 Besucher im Haus Eifgen hatten Zeit und Gelegenheit, sich die Ausstellung anzusehen, die auf mehreren Stellwänden aufgebaut war. „Da sind sehr viele Erinnerungen an unsere Studienfahrt hochgekommen“, sagt Manuel Wiemann. Sein ehemaliger Mitschüler Remigiusz Butza ergänzt: „Die Erlebnisse auf der Fahrt haben uns als Schüler damals auf jeden Fall näher zusammengebracht. Das war schon im Bus spürbar.“ Es ist sehr still, als zuerst Alexander Schuster den zweiteiligen Text vorliest, den die Schüler als Bericht über die Fahrt verfasst haben. Dazwischen werden Gedichte verlesen, ebenfalls von den Schülern, ebenfalls von vor 15 Jahren. „Nun standen sie alle an der Wand/Nebeneinander Hand in Hand/Plötzlich ein Schuss, da ein Schrei/Ihr Leben, das war jetzt vorbei“, liest etwa Remigiusz Butza aus dem Gedicht „Die schwarze Wand“, das er damals geschrieben hat.

Volker Ernst, der Vorsitzende der Wermelskirchener Abteilung des Bergischen Geschichtsvereins, sieht es als Teil der älteren Generation als seine Pflicht, die Erinnerung an die jungen Menschen weiterzugeben. Wenn nicht, „dann machen wir uns schuldig, nicht rechtzeitig gewarnt zu haben“. Das sieht auch Michael Dierks im Namen der Kulturinitiative so. „Freie und unabhängige Initiativen und Begegnungsorte sind heute wichtiger denn je. Um endlich die Putins, Trumps, Bolsonaros, Erdogans und die neuen kleinen Hitlers zu verhindern“, sagt er.

15 Jahre nach der Studienfahrt, ihrer eigenen Aussage nach „die größte Herausforderung“ ihrer Berufstätigkeit, zieht Marie-Louise Lichtenberg am Freitagabend ein schönes Fazit: „Ihr habt damals und bis heute bewiesen, dass die Entscheidung richtig war, mit euch diese Fahrt zu unternehmen“, sagt sie an ihre ehemaligen Schüler gerichtet.

Sehr emotional wird die Veranstaltung, als die heute erwachsenen Schüler mit ihr durch die Ausstellung gehen und ihre damaligen Eindrücke vorlesen, die dort auf Karteikarten angepinnt sind. Darin wird ebenfalls deutlich, dass die jungen Menschen schon damals über eine große Reflexionsfähigkeit und viel Empathie verfügt haben. Und man glaubt sofort, dass diese besondere Studienfahrt sie für ihr späteres Leben geprägt hat.

Und dann liest Alexander Schuster einen Satz vor, den damals eine Mitschülerin stellvertretend geäußert hat: „Ich empfinde Trauer, Fassungslosigkeit und Wut.“

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