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Wermelskirchen: Schlaganfallbüro bezieht alte Bank-Filiale

Selbsthilfearbeit in Wermelskirchen : Schlaganfallbüro bezieht alte Bank-Filiale

Das neue Domizil an der Eich schafft viele neue Möglichkeiten, um Menschen nach dem Schlaganfall zu unterstützen.

Brigitte Hallenberg und Ute Baehr stehen in den neuen Räumen an der Eich. Das Erstaunen ist den beiden immer noch ins Gesicht geschrieben. „Das verändert einfach alles“, sagt die Vorsitzende der Selbsthilfegruppe Schlaganfall dann und deutet auf die 167 Quadratmeter, auf die breite Fensterfront und die kleinen Büroräume im Hintergrund. Kurz vor Weihnachten hat der Vorstand der Selbsthilfegruppe mit Unterstützung der Mitglieder an der Remscheider Straße seine Sachen gepackt – und ist umgezogen. Statt des kleinen Büros am Rande der Innenstadt agieren die Ehrenamtlichen nun aus der ehemaligen Filiale der Volksbank an der unteren Eich. Die Fläche vervierfacht sich – die Möglichkeiten auch.

„Eigentlich war das eine Entscheidung aus der Not heraus“, erinnert sich Brigitte Hallenberg an den Anruf des Vermieters an der Remscheider Straße im Sommer. Er habe das Haus verkauft, kündigte der Vermieter an. Er wisse nicht, welche Pläne der neue Besitzer habe. Im Oktober stellte sich heraus: Der neue Besitzer hatte auch die Nachbarhäuser gekauft. „Er hat uns dann auf Nachfrage mitgeteilt, dass er alle Häuser abreißen wolle, um neuen Wohnraum zu schaffen“, erzählt Brigitte Hallenberg. Für die Selbsthilfegruppe ein Schock. Preisgünstig hatten die Ehrenamtlichen in ihrem Büro seit 2018 Menschen nach dem Schlaganfall beraten. „Seit dem finden noch mehr Menschen den Weg zu uns“, sagt die zweite Vorsitzende Ute Baehr.

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Mit der Kündigung des Mietvertrags stand die Gruppe nun vor einer wichtigen Entscheidung: „Mir war klar, wenn wir keinen erschwinglichen Raum finden würden, müssten wir das Beratungsangebot einstellen und uns wieder ausschließlich auf die Gruppen konzentrieren“, erzählt die Vorsitzende. Eine Rückkehr des Angebots in ihr Wohnzimmer schloss sie aus. Zu groß sei der Verein inzwischen geworden, zu umfangreich die Anfragen, als einen Schritt zurückgehen zu können. Also suchten Brigitte Hallenberg und Ute Baehr ein neues Zuhause für die Selbsthilfegruppe und das Büro. Die Suche entpuppte sich als schwierig. Entweder die Räume waren ungeeignet oder die Kosten zu hoch. Dann schrieb Brigitte Hallenberg an die Bürgermeisterin und rief um Hilfe. „Wir bekamen schnell das Signal, dass es der Stadt wichtig sei, unsere Gruppe in Wermelskirchen zu halten“, sagt Brigitte Hallenberg.

Dann kam der Anruf von Florian Leßke aus dem Amt für Stadtentwicklung. Er habe eine Idee, sagte er und lud den Vorstand zum Termin an der Eich ein. Barrierefrei, groß und nicht billig. „Aber er brachte ein Förderprogramm ins Spiel, das Leerstände in Innenstädten verhindern soll“, sagt Brigitte Hallenberg. Und dann standen die beiden Vorstandsdamen zum ersten Mal in der alten Bank-Filiale. „Boa“, sagt Brigitte Hallenberg, „mehr konnten wir damals nicht sagen.“ Alles schien perfekt. Also wurden Anträge gestellt, die Selbsthilfegruppe prüfte die Restfinanzierung. Mit Erfolg: 80 Prozent der Kaltmiete wird für zwei Jahre aus dem Fördertopf bezahlt. „Den Rest schaffen wir aus Rücklagen, Spenden- und Fördergeldern“, sagt Brigitte Hallenberg. Um das neue Büro auch nach den zwei Jahren bezahlen zu können und vielleicht auch erstmals Berater für ihren Einsatz bezahlen zu können, hat der Verein jetzt schon die Vorbereitungen für Förderanträge getroffen – und ist optimistisch.

Am Montag vor Weihnachten hat die Selbsthilfegruppe nun das neue Büro bezogen. Eine Eröffnung planen sie im Februar, dann wollen sie auch die neuen Öffnungszeiten bekannt geben. Die Stadtsparkasse hat Geld für höhenverstellbare Schreibtische spendiert. Die Volksbank hat die Wandschränke da gelassen. Die großflächigen Bilder von Rainer Groß-Hardt haben bereits einen Platz an den Wänden gefunden. „Wir haben jetzt so viele Möglichkeiten“, sagt Brigitte Hallenberg. Es gibt ein Musikzimmer für die neue Gruppe, die mit ersten Musikaufnahmen gestartet ist. In der großen Küche könnten Kochkurse stattfinden, die Betroffenen nach dem Schlaganfall helfen sollen, mit einer Hand zu kochen.

In den hinteren Büroräumen bleibt Platz für die Verwaltungsarbeit, während vorne am Empfang beraten wird. In dem großen Empfangsraum sollen auch Vorträge stattfinden und es soll Raum zur Begegnung und zum Klönen entstehen. Noch sucht der Verein nach einem Spender, der die Anschaffung zusätzlicher Stühle möglich macht. „Was wir mit dem alten Tresor anfangen, wissen wir noch nicht“, erzählen die beiden Frauen lachend und deuten auf die Spuren der Bankgeschichte.

Auch um die Räume möglichst flexibel zu halten, finden die Gruppentreffen weiterhin in den Räumen am Krankenhaus statt. „Wenn wir uns hier umschauen“, sagt Brigitte Hallenberg, „dann können wir nicht fassen, welche rasante Entwicklung wir in 15 Jahren mitgemacht haben.“ Damals war die Selbsthilfegruppe mit 16 Interessierten und einem monatlichen Treffen angetreten.