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Wermelskirchen: Sarah Kannemann feierte in der Stadtkirche ihre Ordination

Ordination in der Evangelischen Kirchengemeinde Wermelskirchen : Für eine mutige Kirche der Zukunft

Zwei Jahre lang hat Sarah Kannemann als Vikarin in der Evangelischen Kirchengemeinde gelernt. Am Sonntag feierte die 33-Jährige in der Stadtkirche ihre Ordination – bevor sie als Pfarrerin nach Remscheid geht.

Sie hatte gerade entschieden, den Schreibtisch gegen das Gemeindeleben einzutauschen. Und ihr Studium mit der praktischen Ausbildung des Vikariats zu krönen, da bekam sie die Einladung des Ausbildungsleiters im Landeskirchenamt in Düsseldorf. Was sie sich für eine Gemeinde für ihr Vikariat wünsche, fragt er. Und Sarah Kannemann antwortete: „Vielseitig soll sie sein. Und ich würde mich über Partnerschaftsarbeit und Kirchenmusik freuen.“

Der Ausbildungsleiter schickte sie nach Wermelskirchen. Nachdem sie ihre Sachen an der Uni in Mainz gepackt und auf der Landkarte nach dem kleinen bergischen Örtchen gesucht hatte, stand sie im strömenden Regen zum ersten Mal auf dem Kirchhof vor der Stadtkirche. „Mir hat dieser Ort sofort gefallen“, sagt sie und deutet auf die alten Steine mit langer Geschichte, den geschützten Kirchhof und auch auf ihre Wohnung schräg gegenüber, in die sie später mit Ehemann David einzog. „Ich kam damals mit großer Neugier nach Wermelskirchen“, sagt Sarah Kannemann.

Zwei Jahre später ist Sarah Kannemann ein Teil dieser Gemeinde geworden. Am gestrigen Sonntag feierte sie in der Stadtkirche mit Wegbegleitern, Freunden, Familie und vielen Gemeindegliedern ihre Ordination – und damit auch das offizielle Ende ihrer theologischen Ausbildung. Noch bis Ende Dezember wird sie Pfarrer Volker Lubinetzki vertreten, der sich nach dem Mentorat im Sonderurlaub befindet. Dann zieht sie weiter nach Remscheid, in die Clarenbach-Gemeinde. Der nächste Schritt auf einem ereignisreichen Weg mit Glaube und Religion, der 1988 in Chemnitz begann. „Mein Opa war Pfarrer in der DDR“, erzählt Sarah Kannemann und erinnert sich an das große Pfarrhaus, das sie einst als Kinderparadies empfand. Sie erinnert sich an die Lieder, Verse und Gebete ihrer Kindheit. „Kirche und Glaube waren schon immer ein Teil von mir“, erzählt sie. 1989 verließ ihre Familie Ostdeutschland Richtung Rheinland. Als sie in der Schule kurz vor dem Abitur einer Religionslehrerin begegnete, die ihren Schülern Lust machte, zu hinterfragen und sich kritisch mit biblischen Texte auseinanderzusetzen, schnupperte sie zum ersten Mal den Reiz der theologischen Wissenschaften. Glauben und Denken. Eine persönliche Beziehung zu Gott und trotzdem eine theologische Auseinandersetzung. Sie wollte beides. Nach einem Jahr in Südafrika kehrte sie nach Deutschland zurück – und schrieb sich als Theologiestudentin ein, erst in Mainz und dann in Tübingen.

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„Es ging mir damals nicht darum, unbedingt Pfarrerin zu werden, sondern Theologie zu studieren“, erinnert sich die heute 33-Jährige und erzählt von engagierten Diskussionen unter Studenten und von Begegnungen mit großen Namen der Theologie. Nach dem ersten kirchlichen Examen entschied sie sich also erstmal gegen das Vikariat und blieb an der Uni – sie begann mit ihrer Doktorarbeit und begleitete Studenten auf ihrem Weg zum Examen. Mit ihrem Mann, damals ebenfalls Theologiestudent und heute Vikar in Remscheid, zog sie nach Wuppertal. „Und dann wurde es Zeit für die Praxis“, sagt sie heute, „ich wollte in das Vikariat und dann mein zweites kirchliches Examen machen.“

Dass dieser praktische Part ihrer Ausbildung nun größtenteils ausgerechnet in die Corona-Pandemie fällt, konnte sie nicht ahnen. „Vieles hat nicht stattfinden können, wie geplant“, sagt sie. Am Ende stellte die Pandemie sogar die Abschlussprüfungen im Sommer auf den Kopf – aus praktischen Prüfungen wurden theoretische. „Und trotzdem habe ich im Vikariat viel gelernt“, sagt sie und erzählt von der Konfirmandenarbeit, die in den vergangenen zwei Jahren auf neue Beine gestellt wurde. Sie berichtet von Zoom-Treffen, von alternativen Möglichkeiten, Gemeindeleben zu gestalten, von Tütengottesdiensten, einem Projekt mit dem Kunstverein, Krabbelgottesdiensten und Ausschussarbeit, von Beerdigungen und zahlreichen Begegnungen. „Ich habe diese Gemeinde mit ihren Bezirken als sehr vielfältig erlebt“, sagt sie, „und ich bin sehr zuverlässigen Menschen begegnet.“ Ein bisschen begleitet sie die Gemeinde nun noch, bevor sie im Januar als Pfarrerin nach Remscheid wechselt – mit 50 Prozent Gemeindedienst und 50 Prozent Seelsorgearbeit im Kirchenkreis. Was sie sich für die Zukunft wünsche? „Eine vielfältige Kirche, die Mut hat sich zu verändern“, sagt Sarah Kannemann, „die offen für alle Menschen ist und an verschiedenen Orten verschiedene Angebote macht.“