Wermelskirchen: Sabine Ballsieper Interview über Spendenbereitschaft

Montagsinterview Sabine Ballsieper : „Die Wermelskirchener sind sehr spendabel“

Sabine Ballsieper ist seit fünf Jahren Leiterin des Arbeitskreises Blutspende im DRK-Ortsverein. Im BM-Interview spricht sie über die Spendenbereitschaft der Wermelskirchener und die Bedeutung jeder Einzelspende.

Frau Ballsieper, wie ist die Situation in Sachen Blutspende in Wermelskirchen?

Sabine Ballsieper Im Moment sieht es in der Stadt recht gut aus. Bei den jüngsten zwei Blutspendeterminen haben wir viele Menschen erreichen können. Vor allem auch Erstspender, darauf sind wir auch ein bisschen stolz. Viele Spender in Wermelskirchen bringen zu den Terminen auch ihre Familie mit, das ist durchaus ein Merkmal und Zeichen des familiären Umgangs beim Blutspenden.

Wie steht die Stadt im Kreisvergleich da?

Ballsieper Wir sind immer einer der größeren Termine im Rheinisch-Bergischen Kreis. Das sagt zumindest Birgit Baust, die beim Blutspendendienst im Deutschen Roten Kreis für unseren Kreis zuständig ist. So ist unser Termin im Bürgerzentrum einer der wichtigsten für sie, weil da in der Regel um die 200 Spender kommen – Ende Juni waren es sogar 235 Spender. Die Wermelskirchener sind sehr spendabel.

Wie oft sind Sie in der Stadt präsent?

Ballsieper Wir sind im Jahr 2019 insgesamt an elf Terminen an unterschiedlichen Standorten in Wermelskirchen präsent. Einmal am Platz am Weihnachtsbaum, viermal im Bürgerzentrum, viermal in der Mehrzweckhalle in Dabringhausen und zweimal im Berufskolleg. Wir könnten durchaus noch mehr Blut gebrauchen, aber unsere Kapazitäten sind einfach irgendwann erschöpft, so dass wir nicht noch mehr Termine anbieten können. Birgit Baust legt die Termine auch immer im Abstand von ungefähr 56 Tagen – die ja mindestens zwischen zwei Spenden liegen müssen.

Haben Sie viele neue Spender oder sind es meist die gleichen?

Ballsieper Es gibt viele, die wirklich regelmäßig kommen. Das ist auch gut und wichtig. Wir bräuchten aber durchaus noch ein paar mehr Neuspender. Ich glaube, es ist einfach nicht so ganz in den Köpfen der Menschen drin. Oft helfen ja eigene Erfahrungen oder welche im Bekanntenkreis. Meine Mutter brauchte beispielsweise selbst mal Blut – und dann hat sie gesagt, wenn sie gesund wird, wird sie auch Blutspenderin. Das hat sie dann auch getan. Wenn man selbst mit dem Thema in Berührung kommt, wird die Bereitschaft geweckt, mitzumachen. Da ist noch nicht so das Denken da: Das macht ja jeder! Manche haben auch Angst davor, weil sie gar nicht wissen, was beim Blutspenden eigentlich passiert.

Wie läuft eine Blutspende eigentlich ab, was kommt auf den Erstspender zu?

Ballsieper Zunächst ist die Voraussetzung, am Spendentag gut gegessen und getrunken zu haben. Nach der Anmeldung muss ein medizinischer Fragenkatalog beantwortet werden. Es werden dann per Pieks am Ohr der Hämoglobinwert und die Temperatur gemessen. Beide müssen im Normbereich liegen, sonst kann man nicht spenden. Etwa dann, wenn es draußen hochsommerlich warm ist, kann es sein, dass die Körpertemperatur zu hoch ist. Nach dem Arztgespräch geht es dann in den Spendenraum, und das Blut, ein halber Liter, wird abgenommen. Nach der Spende gibt es eine Stärkung, dafür sorgt dann das DRK-Team vor Ort.

Wie versuchen Sie, neue Blutspender zu gewinnen?

Ballsieper Der einfachste und beste Weg ist über die Familie, wenn Spender eben Familienangehörige mitbringen. Am Tag eines Blutspendetermins sprechen wir aber auch Leute gezielt an, manchmal übernimmt das eine DRK-Promoterin. Sie ist dann in der Stadt unterwegs und informiert die Leute. Da können auch direkt viele Fragen geklärt werden. Jenseits der Termine ist Werbung aber nicht ganz so einfach. Wir versuchen das etwa über „Lockangebote“ – wer einen zweiten zur Spende mitbringt, bekommt ein kleines Geschenk. Wichtig ist eben, junge Spender zu gewinnen. Man kann sagen, dass für einen älteren Spender, der wegbricht, zwei neue junge Spender gebraucht würden. Das hat damit zu tun, dass die jungen Menschen zeitlich sehr stark eingebunden sind und nicht zu jedem Termin kommen können.

Warum ist Blutspenden so wichtig?

Ballsieper Weil man mit einer Blutspende nicht nur einem Menschen helfen kann – was ja schon sehr gut ist –, sondern gleich mehreren. Die Spende wird in verschiedene Bestandteile aufgeteilt, die dann unterschiedlichen Zwecken zukommen. Ohne Blutspende würde etwa die Versorgung von Leukämie-Patienten nicht so gehen, wie das jetzt der Fall ist. Wichtig ist auch, dass eine Blutspende, auch wenn sie dann aufgeteilt ist, lückenlos zu einem Spender zurückzuverfolgen ist – man weiß also immer bei allen Bestandteilen den Ursprung.

Wie oft kann man zur Blutspende gehen?

Ballsieper Grundsätzlich gilt: Männer können öfter gehen als Frauen. Es müssen immer mindestens 56 Tage zwischen zwei Spenden liegen.

Gibt es Ausschlusskriterien für potentielle Spender?

Ballsieper Man sollte sich zunächst einmal einfach gesund fühlen, das ist eine Grundvoraussetzung. Dann spielt das Alter eine Rolle – erstmals spenden können Menschen zwischen 18 und 65 Jahren. Wer etwa gerade operiert wurde, darf nicht spenden, bestimmte Medikamente oder frische Tätowierungen sind Ausschlusskriterien. Auch wer bestimmte Krankheiten hat, Hepatitis oder eine HIV-Infektion, oder gerade aus bestimmten Gegenden der Welt zurück nach Deutschland gekommen ist, darf nicht unbedingt spenden. Das muss man dann im Einzelfall und mit dem Arzt vor Ort beim Termin abklären.

Was passiert mit einer einzelnen Spende?

Ballsieper Das Blut wird aufgeteilt. Die Spende kommt in eine Zentrifuge und wird bei bis zu 3000 Umdrehungen in der Minute in seine Bestandteile zerlegt. Danach hat man Blutplasma, Blutplättchen, sowie rote und weiße Blutzellen. Diese werden für verschiedene Zwecke genutzt – statistisch gesehen wird das meiste Blut zur Behandlung von Krebspatienten benötigt. Dazu kommen Herz-, Magen- und Darmerkrankungen sowie Unfälle.

Wer sind denn die Hauptabnehmer von Blutspenden?

Ballsieper Praktisch alle Spenden landen in Krankenhäusern. Es ist aber nicht so, dass in Wermelskirchen gespendetes Blut auch dort im Krankenhaus landen muss. Das meiste Blut hier kommt nach Breitscheid, dort ist eine Art Verteilzentrum.

Wie groß ist denn Ihr Team in Wermelskirchen?

Ballsieper Im Blutspendenmobil sind wir zu acht, bei den großen Terminen sind wir um die 15 Helfer. Es gibt verschiedene Teams, die verschiedene Aufgaben übernehmen – von der Anmeldung bis zum Vorbereiten der Stärkung. Wir versuchen, immer wieder ein paar neue Mitglieder und Helfer zu gewinnen. Das klappt auch ganz gut gerade. Manche sagen ja: „Ich kann kein Blut sehen!“ Den Helfern sage ich immer: Das macht ja nichts. Zum Broteschmieren muss man auch kein Blut sehen.

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