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Wermelskirchen: Real- und Gesamtschule sind laut Umfrage Eltern-Favoriten

Schulentwicklung in Wermelskirchen : Real- und Gesamtschule sind Eltern-Favoriten

Im Auftrag der Stadt Wermelskirchen hat das „Biregio“-Büro eine Befragung unter den Eltern der Wermelskirchener Grundschulkinder durchgeführt.

Für Verwaltung und Kommunalpolitik ist es ein kluger Schachzug: Die Elternbefragung zu den schulischen Entwicklungen in Wermelskirchen liefert zum einen aufschlussreiche Ergebnisse über Wünsche der Eltern und ist damit neben rechtlichen Vorgaben und Daten zur Bevölkerungsentwicklung eine Grundlage für den neuen Schulentwicklungsplan. Zum anderen gehen die Verantwortlichen mit der Befragung gleich dem Vorwurf aus dem Weg, den Elternwillen nicht zu berücksichtigen.

Letzterer sendet deutliche Signale: Auf eine Zukunft an der Sekundarschule in Wermelskirchen setzen die Eltern für ihre derzeitigen Grundschulkinder kaum. Nur 8,3 Prozent würden ihr Kind dort anmelden, 18,2 Prozent vielleicht. Bei einer Gesamtschule, sofern es diese in Wermelskirchen gäbe, sehe es ganz anders aus. 35,2 Prozent der Eltern würden ihr Kind dort anmelden, 43,9 Prozent vielleicht.

Während die Experten von „Biregio“, die auch die Elternbefragung im Auftrag der Stadt durchführten, dem Gymnasium mit beständiger Fünfzügigkeit eine gesicherte Existenz prognostizieren, rangieren Real- und Gesamtschule in der Beliebtheit der Erziehungsberechtigten nahezu Kopf an Kopf.

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Die Befragung der Eltern aller Kinder in den ersten bis vierten Klassen der Wermelskirchener Grundschulen erfolgte im September vergangenen Jahres, die Auswertung erfolgte bis Ende 2021 – „Biregio“ attestierte der Befragung bei der Schulausschusssitzung Ende Dezember einen „validen Rücklauf“. Dabei standen im Kern zwei Fragestellungen im Fokus: Zum einen „Wäre eine der genannten Schulformen grundsätzlich für Ihr Kind interessant?“ und zum anderen „Würden Sie Ihr Kind an einer der Schulen in Wermelskirchen anmelden beziehungsweise an einer der Schulen anmelden, wenn es sie in Wermelskichen gäbe?“ Die Ergebnisse fallen prozentual unterschiedlich aus, die Zahlen auf die konkrete Frage sind meist geringer (siehe Grafik).

Die Ergebnisse der Befragung spielen nicht ausschließlich für die anstehende Entscheidung eine Rolle, welche Schulform neben dem Gymnasium im Bereich der weiterführenden Schulen existieren soll.


Gymnasium Nur neun Prozent der Eltern bevorzugen ein achtjähriges Gymnasium. Eine neunjährige Gymnasiumzeit wünschen sich 91 Prozent. „Damit sind die Eltern bei dieser Frage überaus eindeutig aufgestellt und die Rückkehr zu G9 scheint die richtige und vor allem akzeptierte Entscheidung zu sein“, werten die „Biregio“-Fachleute die Ergebnisse der Umfrage.


Sekundarschule Mit Blick auf die derzeit bestehende Schulform wünschen sich die Elterngruppen für ihr eigenes Kind mit einem Anteil von acht Prozent die Sekundarschule („ja“). 23 Prozent wünschen sich die Sekundarschule eventuell („ja, vielleicht“). Für ein „eher nicht“ machen 27 Prozent der Eltern ihr Kreuzchen und für ein klares „Nein“ zur Sekundarschule entscheiden sich 41 Prozent.


Gesamtschule 33 Prozent der Eltern bewerten eine Gesamtschule als für ihr Kind interessant („ja“), 44 Prozent können sich diese Schulform grundsätzlich vorstellen („ja, vielleicht“). Für ein „eher nicht“ entscheiden sich 14 und für ein klares „Nein“ neun Prozent. „Damit ist festzuhalten: Wenn 312 Eltern bzw. Elternpaare der Erst- bis Viertklässler in der Stadt Wermelskirchen für ihr Kind Interesse an einer solchen Schule anmelden („ja“, 33 Prozent), sind dies 3,1 Züge á 25 Kinder pro Jahrgang. Hinzu kommen die Eltern, die für ihr eigenes Kind „vielleicht“ Interesse an einer solchen Schule anmelden“, bilanziert „Biregio“. Addiert ergäben das laut dem Fazit der Experten rechnerisch 4,1 Klassen mit je 25 Kindern pro Jahrgang in einer zukünftigen Gesamtschule.

Die Fachleute geben der Stadt als Schulträger, der sich für eine weiterführende Schulform entscheiden muss, zusätzlich mahnende Worte mit auf den Weg: „Zudem wäre, eine politische Grundsatzentscheidung vorausgesetzt, die Absicht der Änderung einer Schulform nicht gleichbedeutend mit dem Gelingen dieses Vorhabens, da viele Einflussfaktoren, speziell auch schulrechtlicher Art, in den weiteren Prozess einzubeziehen sind.“


Hauptschule:Diese Schulform spielt beim Interesse der Eltern eine verschwindend geringe Rolle.


Realschule Eine Realschule für Wermelskirchen steht im Elternwillen hoch im Kurs. Die Wiedereinführung dieser Schulform zöge jedoch Probleme für den Schulträger nach sich: Einerseits müsste sie auch einen Bildungsweg für Schüler mit Hauptschul-Eignung anbieten (wenn nicht parallel auch eine Hauptschule existiert oder eine Beschulungsvereinbarung mit einem anderen öffentlichen Träger getroffen wird, was einen Schülertransport erfordern würde), andererseits hätte sie per Landesrecht im Vergleich zur Gesamtschule einen weniger gut aufgestellten Personalschlüssel und könnte gar untersagt werden, wenn sich eine Bestandsgefährdung der Hückeswagener Realschule abzeichnet. 32 Prozent der Wermelskirchener Eltern von derzeitigen Grundschulkinder halten eine Realschule für interessant („ja“), 48 Prozent können sich diese Schulform grundsätzlich vorstellen („ja, vielleicht“). Auf „Eher nicht“ und „Nein“ entfallen jeweils lediglich zehn Prozent.


Ganztagsgrundschule Vor dem Hintergrund des Rechtsanspruchs auf eine Ganztagsbetreuung an den Grundschulen ab 2026 müssen alle Kommunen handeln – entsprechende Strukturen geplant und aufgebaut werden sowie bauliche Veränderungen und unter Umständen Vergrößerungen vorgenommen werden. Die klassische Halbtagsgrundschule entspricht noch dem Wunsch von 22 Prozent der befragten Eltern, die Halbtagsschule mit Mittagessen von 17 Prozent. Mehrheitliche 47 Prozent wollen die Grundschule als offene Ganztagsschule mit Angeboten am Nachmittag. Weitere vier Prozent streben für ihr Kind die Grundschule als gebundene Ganztagsschule mit verpflichtenden Angeboten am Nachmittag an. Für lediglich zehn Prozent spielt der Ganztag oder eine Betreuung über den Halbtag hinaus keine Rolle.

In ihrem Fazit stellen die „Biregio“-Analysten „relevante“ Unterschiede zwischen den einzelnen Grundschulstandorten fest: „So sind beispielsweise die Eltern der Verbundschule Dhünntal in Dabringhausen deutlich weniger an einem Ganztagsangebot interessiert als die Verbundschule Am Haiderbach am Teilstandort Hünger sowie die Grundschule Schwanen.“


Ganztag an weiterführenden Schulen Bei den weiterführenden Schulen rückt der „althergebrachte“ Halbtag für eine Mehrheit der Eltern aus dem Blickfeld. Fast die Hälfte (48 Prozent) wünscht sich eine Ganztagsschule (vor allem in offener Form: 43 Prozent) während ein Fünftel (20 Prozent) eine Halbtags- und 21 Prozent eine Halbtagsschule mit Mittagessen bevorzugen.