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Wermelskirchen: Reaktionen auf das kleine Wörtchen „Örtchen“

Dabringhausen : Reaktionen auf das kleine Wörtchen „Örtchen“

Dabringhausen solle nicht mehr als „Örtchen“ bezeichnet werden. Wir haben nachgefragt, was andere Leser dazu meinen.

Ein kleines Wörtchen hatte für große Diskussionen im Dorf gesorgt: Dabringhausen dürfe man nicht als „Örtchen“ bezeichnen. Dieser Meinung war ein BM-Leser, der die durchaus liebevoll gemeinte Bezeichnung dann doch als „respektlos“ empfunden hatte. Natürlich war das nicht unsere Absicht, und deshalb haben wir in dem größten Stadtteil von Wermelskirchen nachgefragt, ob das Wörtchen „Örtchen“ unangebracht sei.

Einhellige Meinung aller Befragten: „Wir sind ein Dorf, und wir sind stolz darauf.“ Und wir haben uns über die Zuschriften gefreut, die Sie uns zu der Frage geschickt haben: „Darf man Dabringhausen Örtchen nennen?“


Bernd Luchtenberg (Emminghausen) – „Natürlich handelt es sich beim konkreten Vorgang um eine Lappalie, die kein Futter für einen „Shitstorm“ liefert; Gemütsmenschen belustigen sich sogar. Wenn man allerdings das Werbematerial der Kommunalwahl einer großen Lokalpartei dazu nimmt, dann fällt auf, dass Dabringhausen und Dhünn dort immer noch als „Außenortschaften“ auftauchen. Diesen Begriff finde ich nach so vielen Jahren der Gebietsreform unpassend, denn Dabringhausen hatte seinerzeit 5000 Einwohner, Dhünn auch so um die 2000.

Passender wäre da doch wohl – gerade für die Politik – die Begegnung auf Augenhöhe, etwa mit der Benennung der beiden D‘s als „Stadtteile“ im Dreigestirn mit Wermelskirchen-Mitte. Erst damit kann der Anspruch „Politik für unsere Stadt“ glaubhaft gemacht werden. Natürlich besteht Wermelskirchen – und auch jeder Stadtteil – neben dem Kern auch aus vielen Hofschaften, aber da geht es wirklich um einige Dutzend Bewohner. Dort wird Örtchen dann sicher gerne gehört und richtig verstanden.“


Wolfgang Müllenmeister (Wermelskirchen) – „Ohne den Sachverhalt zum Diskussionsthema „Örtchen“ näher zu kennen: Willkommen im Zeitalter der Empörung. Jeder empört sich gegen jeden und alles. Vor allem in den asozialen Netzwerken und den Foren ist es üblich, auf Stichworte hin reflexartig verbal zuzuschlagen. Was den Menschen auch vom Tier unterscheidet ist, dass er ein Reiz-Pause-Reaktions-Wesen ist. Heißt, er kann nach einem Reiz eine Pause einlegen, sich besinnen und über Situation und Reaktion reflektieren.

Statt der Pause tritt heutzutage zunehmend die Empörung ein. Exemplarisch erlebt beim ersten Fernsehduell Biden-Trump. So lässt man die andere, fremdartige Meinung nicht mehr stehen, sondern stattdessen den anderen. Abends droht den empörten Wortklaubern und selbsternannten Richtern dann eine Empörungserschöpfung. Ich habe zunehmend den Eindruck, wir bewegen uns zurück in die piefigen 1950er Jahre, wo man fürs falsche Wort eine Backpfeife erhielt. Demokratie braucht unter anderem Großherzigkeit. Ja, und auch Weisheit, um zwischen derselben und falscher Toleranz unterscheiden zu können.“

(kel)