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Wermelskirchen: Ralf Becker ist nach wie vor das Gesicht von Jokebox

Jokebox-Sänger Ralf Becker : Ohne „Sexy“ ging es nicht

Ende 2018 trat Wermelskirchens bekannteste Cover-Band mit drei Abschiedskonzerten nach 27 Jahren von der Bühne ab. Der Sänger, Gründer und die treibende Kraft der Formation, Ralf Becker, feilt jetzt an eigenen Kompositionen und kann sich damit eine Rückkehr auf die Bühne in „kleinem Rahmen“ vorstellen.

Ob es unvergessliche Auftritte bei der Wermelskirchener Herbstkirmes sind, die Unplugged-Konzerte mit großen Aufwand im MTV-Format in der Kattwinkelschen Fabrik, die Konzerte beim Dabringhausener Dorffest oder beim Pohlhausener Open-Air – die Liste der Jokebox-Gastspiele in heimischen Gefilden ist scheinbar endlos lang. Dazu kommen die regelmäßigen Auftritte in Leichlingen oder Heiligenhaus oder auch im Rahmen der Kieler Woche. Unter dem Strich summieren sich über 800 Auftritte, die die Coverband Jokebox in den gut 27 Jahren ihres Bestehens absolvierte und zum Vorreiter ihres Metiers in der Region machte. „Als wir 1990 anfingen, wollten wir unseren Idolen Tribut zollen – wollten Lieder spielen, die wir selber gerne hören“, erinnert sich Ralf Becker an die Motivation zur Gründung von Jokebox: „Dieses Konzept war damals neu, es gab ansonsten lediglich Oldie- oder Tanz-Tee-Bands. Es galt zuerst gar als verpönt, Pop- oder Rock-Stücke nachzuspielen – später sind viele dann drauf gesprungen.“

Als Sänger, Gründer und treibende Kraft gilt Ralf Becker nach wie vor als Gesicht von Jokebox. Die Entscheidung der Musiker, sich mit einem fulminanten Reigen aus drei Konzerten an drei aufeinander folgenden Tagen in der Katt im November 2018 zu verabschieden, bereut der 63-Jährige auch nach eineinhalb Jahren nicht: „Es war eine tolle Zeit. Wir haben einen Super-Zeitpunkt zum Aufhören erwischt, weil die Leute ‚Warum‘ gefragt und nicht ‚Endlich‘ gesagt haben.“ Aus heutiger Sicht könne gar von einem Glücksfall sprechen, denn im Sommer 2019 sei er erkrankt gewesen und aktuell hätte Corona jegliche Konzerttermine zunichte gemacht, beschreibt Ralf Becker, der beruflich als kaufmännischer Angestellter im Außendienst arbeitet, verheiratet und Vater zweier erwachsener Kinder ist: „Zwischen Mai und September ist jährlich stets die Hoch-Zeit von Jokebox gewesen.“

Natürlich habe er nach wie vor Kontakt zu Jokebox-Mitstreitern sowie zur Szene und würde auch Konzerte wie beim Remscheider „Löwen-Festival“ im vergangenen Jahr besuchen: „Aber in den Fingern kribbelt es mir dabei nicht.“ Musik macht Becker aktuell zu Hause, wo er sich ein Studio eingerichtet hat: „Bei Jokebox war ich immer der Sänger. Ich spiele aber Keyboard und Gitarre und habe vor Jokebox mit der Band Brickyard fast nur eigene Musik gespielt.“ Letzteres reize ihn wieder: „Irgendwann lade ich Musiker ein und trete mit ihnen auf – mit meinen eigenen Kompositionen. Dann nicht mehr auf Stadtfesten, sondern im kleineren Rahmen.“

Im Rückblick auf die Jokebox-Ära ist Ralf Becker stolz, mit sehr guten Musikern gespielt zu haben. „Wenn mal ein Wechsel aus beruflichen oder privaten Gründen anstand, hatten wir nie Probleme, gleichwertigen oder gar besseren Ersatz zu finden, denn wir hatten immer gebuchte Auftritte im Kalender“, erinnert Ralf Becker und nennt Sängerin Ji-In Cho, die mit der Symphonic-Metal-Band Krypteria weltweite Bekanntheit erlangte, als Beispiel: „Ich wollte das ähnlich wie bei Fleetwood Mac haben. Bei Jokebox gab es einen Sänger und zwei Sängerinnen, die sich abgewechselt haben – das passte stimmlich zu den ausgewählten Songs, und dem Publikum wurde es nie langweilig.“ Dazu trug genauso das Programm bei, das Jokebox für die Konzerttermine stets auffrischte: „Wir haben jährlich mindestens zehn bis zwölf neue Songs in die Setlist aufgenommen. Das war nie ein Problem, weil alle Musiker immer gerne Neues spielen wollten. Manchmal war das Herausstreichen von Stücken eher schwierig, denn ohne Westernhagens ‚Sexy‘ ging es nicht – das wollte das Publikum so.“

Bis heute mache es ihn „ehrfürchtig“, dass die Leute in Scharen zu Jokebox-Konzerten gekommen seien: „Mit einem Hobby so viele Menschen zu erreichen, ist der Wahnsinn.“ Dennoch müssten Arbeit und das häusliche Müll-Herausbringen sein: „Familie und Beruf haben mich immer geerdet.“ Jokebox sei als eigenständige Band anerkannt gewesen: „Mit dem kleinen Talent habe ich mehr erreicht, als anfangs gedacht.“

Wenn Ralf Becker in Erinnerungen schwelgen will, kann er das: „Von den letzten Jokebox-Auftritten gibt es Video-Aufnahmen mit guter Tonqualität.“ Und die „berühmt-berüchtigte“ Jokebox-Kiste, die bei Auftritten stets auf der Bühne stand und in der Requisiten wie Hüte, Wunderkerzen oder Krone und Umhang, die Ralf Becker zu Rio Reisers „König von Deutschland“ trug, hat er noch zu Hause.