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Wermelskirchen: Radforscher suchen Weg zur Balkantrasse

Radverkehr-Sommerradtour macht in Wermelskirchen Station : Radforscher suchen Weg zur Balkantrasse

Die Sommerradtour macht auf einen neuen Master-Studiengang Radverkehr aufmerksam und auf die Radfreundlichkeit von Städten im Bergischen.

An der Stadtgrenze zu Köln haben Mitglieder des ADFC und des Fördervereins Balkantrasse am Freitag Vertreter mehrerer Hochschulen in Empfang genommen und entlang der B 8 weiter begleitet zur Balkantrasse. Mit Zwischenstopp am Pattscheider Bahnhof ging es weiter bis nach Burscheid und Wermelskirchen. Dort wurden sie von Sabine Krämer_Kox, der ADFC-Vorsitzenden für Wermelskrichen/Burscheid, und Frank Schopphoff begleitet. Auf zwei Rädern hatten sich die Verantwortlichen der Universitäten auf den Weg quer durch die Republik gemacht. In sieben Etappen führt die Sommertour, die am 6. August in Karlsruhe startete, nach Berlin. Dort wollen sie in der 40. Kalenderwoche den symbolischen Staffelstab, der unterwegs weitergereicht wurde, beim Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) abgeben.

In das hohle Edelstahlrohr passt eine lange Liste mit Ideen, Verbesserungsvorschlägen und Kritik in Sachen Mobilitätsmanagement. Viele Punkte, die unterwegs gesammelt wurden. Direkt vor Ort bei den Menschen, die gerne häufiger vom Auto aufs Rad umsteigen wollen, dabei aber mit so manchem Hindernis zu kämpfen haben. Das ist weit mehr als nur die Anlage von genügend breiten Radwegen. Davon gibt es eine ganze Menge, auch auf dem Stadtgebiet von Leverkusen. Aber meist handelt es sich um partielle Strecken, die nicht miteinander verbunden sind. Die beste Radverbindung von Wiesdorf nach Opladen zum Beispiel oder den Zuweg von dort auf die Balkantrasse, hätte sie alleine wohl nicht gefunden, gesteht Kristine Brosch, Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Fachzentrum Verkehr in Wuppertal.

 Sabine Krämer-Kox (2.v.r.) erläutert Teilnehmern der Sommertour auf der Balkantrassen-Brücke über die K 18 die aktuelle Entwicklung dieser Kreisstraße.
Sabine Krämer-Kox (2.v.r.) erläutert Teilnehmern der Sommertour auf der Balkantrassen-Brücke über die K 18 die aktuelle Entwicklung dieser Kreisstraße. Foto: Frank Schopphoff

Brosch hatte genügend Ortskundige der hiesigen Vereine dabei. Hätte sie die Anschlüsse nach Schildern suchen müssen, wäre sie aufgeschmissen gewesen. Die Leverkusener Grünen haben jüngst einen Antrag auf bessere Beschilderung gestellt. Das Problem mit der Beschilderung kennen auch die ortsansässigen Radfahrverbände, die sich für bessere Verbindungen zwischen den Abschnitten einsetzen. Etwa die geplante durchgehende Verbindung der Balkantrasse bis zur Rheinschiene. „Andererseits haben wir eine Schilderhäufung“, erläutert Gerald Völker vom Förderverein Balkantrasse, dass man sich auf der ehemaligen Bahnstrecke für die Regelung rechts vor links entschieden habe. Was nicht wirklich von allen Radlern beachtet werde – ein Sicherheitsrisiko. Was Brosch und ihr Tross überall erfahren haben, ist die Tatsache, dass man gut in die Städte hinein- aber ziemlich schlecht wieder hinausgeleitet wird. Beim Wochenendtrip, der sie Samstag und Sonntag in die Niederlande führt, will sie mit Studierenden einen der modernsten und eine der ältesten Radschnellwege testen.

In Burscheid und Wermelskirchen machte sich der Tross – unter anderem zwei „Fahrrad-Professoren“ (In Wuppertal ist die Professur noch nicht vergeben) ein Bild von dem Mobilitätsgedanken im Rheinisch-Bergischen Kreis. So an den E-Bike-Leihstationen Hilgen und Bahnhof Wermelskirchen. Dieses flächendeckende Angebot in einem Landkreis ist derzeit einzigartig. Frank Schopphoff machte die Teilnehmer der Tour auf der Brücke über die Kreisstraße 18 auch aufmerksam auf die aktuelle Entwicklung dieser Verbindungsstraße, den Geschwindigkeitsbeschränkungen und den langfristigen Planungen einer Fahrradstraße. Hier besonders unter dem Gesichtspunkt einer möglichen Studie im Rahmen einer wissenschaftlichen Master-Arbeit. Denn Fahrradstraße gibt es eigentlich nur in Städten, nicht auf dem Land.

Interessant für die Tour-Teilnehmer war auch die Vernetzung am Wermelskirchener Busbahnhof mit Verleihstation, Fahrradgarage und Ladestation für Busfahrer, die dann aufs Rad umsteigen oder umgekehrt.  Auch der Freizeitpark wurde vorgestellt – nicht als Radweg, sondern dass hier auch Angebote für Radfahrer (Rastplatz) geschaffen werden.

Dass die Ausschilderung in der Innenstadt noch ausbaufähig ist, merkten die Teilnehmer laut Schopphoff an. Denn Krämer-Kox und der Wermelskirchener ließen die erfahrenen Radfahrer vorfahren – auf der Eich stockte es, denn sie hatten Probleme, wie die Balkantrasse dann weitergeführt wird.

Die Sommerradtour war zugleich eine PR-Aktion für einen neuen Master-Studiengang, der ab Sommersemester 2021 in Wuppertal und an sechs weiteren Hochschulen angeboten wird.