Kindertheater in Wermelskirchen Rabe Socke freut sich über lautstarkes Publikum

Wermelskirchen · Insgesamt 400 Kinder kamen am Mittwoch ins Bürgerzentrum zur Aufführung des Wittener Kinder- und Jugendtheaters, um den Raben Socke zu sehen.

 Die Aufführung „Rabe Socke – immer brav sein kann jeder“ des Wittener Kinder- und Jugendtheaters im Bürgerzentrum begeisterte das Publikum.

Die Aufführung „Rabe Socke – immer brav sein kann jeder“ des Wittener Kinder- und Jugendtheaters im Bürgerzentrum begeisterte das Publikum.

Foto: Jürgen Moll

Sie rufen und jubeln, sie machen lautstark ihrem Ärger Luft und wenn es ihnen zu langweilig wird, dann beginnen sie zu gähnen, zu tuscheln und zu kippeln: Kaum ein Theaterzuschauer ist so ehrlich wie ein Kind. Das kann Schauspielern zum Verhängnis werden – oder zum großen Vergnügen. Das Wittener Kinder- und Jugendtheater, das am Mittwoch nicht zum ersten Mal im Bürgerzentrum zu Gast ist, trifft vom ersten Augenblick auf ungeteilte Aufmerksam, rege Wortbeiträge und am Ende auf großen Jubel.

Im Gepäck haben die Schauspieler eine Geschichte vom Kleinen Rabe Socke. Den frechen Raben kennen die meisten Kita- und Grundschulkinder schon aus dem Bilderbuch. Als er auf Einladung des Kulturvereins erst am Mittwochmorgen und später noch mal am Nachmittag mit Rollschuhen und großer Klappe – in Gestalt von Cynthia Oblas – auf die Bühne rollt, schallt durch den Theatersaal im Bürgerzentrum ein Lachkanon. Und selbst manch ein Erwachsener kichert fröhlich vor sich hin – dank eines fantastischen Ensembles.

Temperamentvoll klopft der Rabe an Nester, Höhlen und Tierhäuser auf der Bühne. Ohne Reaktion. „Wo sind denn alle?“ fragt er ratlos. Und aus dem Publikum recken sich der Schauspielerin hunderte kleine Arme entgegen und der eindeutige Ruf: „Hier sind wir!“ Die jungen Theaterbesucher beteiligen sich eine Stunde lang, wann immer sie sich angesprochen fühlen. Manchmal recken sich kleine Finger von Grundschülern in die Luft, manchmal rufen Kita-Kinder ihre Ratschläge einfach frei heraus. Und die kann der Rabe auch gut gebrauchen. Denn er hat seinen Freunden im Wald das Spielzeug geklaut: einen Teddy und das Skateboard, eine Spieluhr und einen Turnreifen. Und nun hat er es auf die goldene Kette der Eule abgesehen.

„Nicht schon wieder klauen“, ruft ein Mädchen aus der ersten Reihe dem Raben zu, als er sich der Eule nähert. Und auch viele andere Kinder machen ihrem Unmut Luft. Aber der Rabe lässt sich nicht abhalten, sichert sein Nest ab und legt sich nach und nach mit allen Bewohnern des Waldes an – bis Mama Dachs ihm ankündigt, die Geburtstagsparty für den Raben falle aus. Er sei nicht brav genug. „Und jetzt?“, fragt der Rabe ins Publikum. Und wieder haben die jungen Besucher viele Tipps auf Lager: „Du musst netter sein“, ruft ein Junge. Und ein anderer steuert noch eine Idee bei: „Du musst üben, üben, üben.“ Und genau das hat der Rabe vor: Er übt, brav zu sein.

Aber nun passiert etwas, das jenseits erhobener Zeigefinger und mit viel Charme die Kinder- und auch die Erwachsenenherzen berührt: Der Rabe bleibt sich und seinem Ton treu, aber er lernt den Wert von Freundschaft schätzen. Statt sich in seinem Nest zu verbarrikadieren, bittet er den Hasen um Hilfe. Von „brav“ ist der Rabe immer noch meilenweit entfernt – aber er wird freundlicher und offener. Und am Ende steigt dann doch die große Geburtstagsparty. Ein Motto hat sich der Rabe dafür auch schon ausgedacht: „Der Nichts-ist-verboten-Geburtstag.“ Und er bekommt ihn – weil Bravsein am Ende eben doch nicht alles ist.

Als die Schauspieler schließlich auf den Tischen stehen, singen und tanzen und sich Geburtstagstorte ins Gesicht schmieren, da jubeln die Kinder – nach mehr als einer Stunde Theaterprogramm. „Das Beste war das Ende“, sagt dann auch Milo. Und der siebenjährige Jon stellt fest: „Erst mochte ich den Raben nicht, als er geklaut hat. Aber am Ende war er doch noch nett.“