Wermelskirchen: Quartett aus Australien serviert ein exquisites Jazz-Menü

Wermelskirchener Musikfreunde wussten Qualität zu schätzen : Quartett serviert exquisites Jazz-Menü

Die Band „The Vampires“ aus Australien bot den Zuhörern im Haus Eifgen nicht nur technische Kabinett-Stückchen.

Weil zwei unterschiedliche Anfangszeiten zum Jazz-Konzert des australischen Quartetts The Vampires am Freitagabend im Haus Eifgen kursierten – einmal 20 Uhr und einmal 21 Uhr – einigte man sich salomonisch auf die Mitte. Und so betraten Saxophonist Jeremy Rose, Trompeter Nick Garbett, Kontrabassist Alex Boneham und Schlagzeuger Alex Masso pünktlich um 20.30 Uhr die Bühne. Knapp 50 Jazzfreunde waren gekommen, um dieses Sahnestückchen des modernen Jazz erleben zu können.

Obwohl die Bandmitglieder sich ursprünglich im Dunstkreis der Universität von Sidney kennengelernt hatten, waren die vier nun aus ganz unterschiedlichen Ecken der Welt ins beschauliche Bergische Land gekommen: Trompeter Garbett lebt derzeit in Sizilien, Kontrabassist Boneham hatte es nach Los Angeles verschlagen, nur die beiden anderen waren aus Australien angereist, um gemeinsam ihre Musik nach Europa zu bringen. Bevor das Konzert losging, lief vom Band die aktuelle CD der Hückeswagener Jazz-Brüder Julian und Roman Wasserfuhr – was eine ganz hervorragende Einstimmung auf den stimmungsvollen und anspruchsvollen Jazz war, den The Vampires präsentierten.

Im Mittelpunkt standen die beiden Bläser, die sich zwischen inspirierten und virtuosen Solo-Parts und zweistimmigen Unisono-Läufen abwechselten, wie etwa im ruhigen, beinahe bedächtigen Opener „Little Mountain“, den Saxophonist Rose für seine kleine Tochter geschrieben hatte. Die Musik des Quartetts war modern, fraglos. Aber sie berührte mit ungewöhnlichen Rhythmen, die gekoppelt waren mit simplen, beinahe stoischen Bass-Lines auch die Herzen dem Jazz eher nicht so zugewandter Zuhörer.

Von denen waren aber natürlich keine im Publikum. Denn ganz offensichtlich wusste man es sehr zu schätzen, was da an technischen Kabinett-Stückchen präsentiert wurde. Was sich am dankbaren Szenenapplaus nach praktisch jedem Solo genauso zeigte, wie am begeisterten Jubel inklusive Pfiffen und lauten Rufen nach Stücken wie dem sich furios steigernden „Mandala“ mit seinen ekstatisch-quietschenden Saxophon-Soli.

Das Quartett wirkte während der Songs wie in Trance, tief in sich oder der ganz eigenen Jazz-Welt versunken. Nach dem jeweils letzten Ton aber waren die jungen Musiker die Freundlichkeit in Person, bedankten sich artig und mit herrlich eigentümlichem Aussie-Akzent für den freundlichen Applaus, ehe sie sich in die nächste überlange Komposition mit zahllosen verschachtelten Parts und Rhythmen verabschiedeten.

Rein qualitativ hätten diese vier Ausnahmemusiker auf jeden Fall ein volles, ein volleres, Haus verdient, keine Frage. Aber, so unschön das für die Künstler natürlich wäre – manchmal wünschte man sich in solchen Fällen dann aber tatsächlich nicht mehr Publikum im Saal, sondern eine kleinere Location. Denn es gibt Musik, die funktioniert im kleinen, intimen Rahmen am allerbesten. Jene der so irreführend „The Vampires“ benannten Band –  wer würde bei diesem Bandnamen wohl erst an Jazz und nicht viel eher an Glam-Punk denken? – gehörte definitiv in diese Kategorie. Und so musste man sich den engen Jazz-Keller eben im Kopfkino vorstellen, während einem Songs wie „Annica“ oder die Al-Green-Hommage „Green Green Green“ eine dicke Gänsehaut auf den Rücken zauberten.

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