Wermelskirchen: Qualifizierungskurs beginnt im September

Qualifizierungskurs beginnt im September : Tagesmütter gesucht – VHS bildet aus

Stellen in der Tagespflege werden vor allem für Kinder unter drei Jahren benötigt, um den Betreuungsbedarf zu decken. Zurzeit gibt es 25 Tagesmütter in Wermelskirchen. Ein neuer Kurs beginnt Anfang September.

Ein Herz für Kinder und eine gewisse Belastbarkeit sollte man haben, eine pädagogische Vorbildung wird allerdings nicht vorausgesetzt: Die Stadt sucht neue Tagesmütter oder auch Tagesväter und bietet daher ab September in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule eine Grundqualifizierung an. Im ersten Teil lernen die Teilnehmer in 160 Unterrichtsstunden und 100 Selbstlerneinheiten, was sie für die spätere Selbstständigkeit in der Tagespflege wissen und können müssen. Denn anders als Erzieher, sind sie nicht bei der Stadt oder einem Kita-Träger angestellt. Sie arbeiten nicht für das Jugendamt, das zwar Betreuungsplätze vermittelt und auch das Entgelt an die Tageseltern zahlt. Aber sie haben den Status der Selbstständigkeit. Beratend und vermittelnd steht die Behörde den Tagesmüttern jedoch immer zur Seite.

„Eine gute Qualifikation ist das beste Mittel gegen eine spätere Aufgabe der Tagespflegestelle, weil man sich überfordert fühlt“, sagt Viktoria Boddenberg-Funke, die im Amt für Jugend, Bildung und Sport Fachberaterin für Kindertagespflege ist, in einem Pressegespräch. Die Behörde wirbt jetzt mit Plakaten für den neuen Lehrgang. Denn mindestens sechs Teilnehmer müssen sich melden, damit der Kurs zustandekommt. Mehr als zwölf werden nicht zugelassen. Auch Interessenten aus den Nachbarstädten dürfen teilnehmen.

Ein theoretischer Teil vermittelt das nötige Basiswissen, um mit Kindern umgehen und eine Tagespflegestelle leiten zu können. Vermittelt werde, wie ein Businessplan und ein eigenes pädagogisches Konzept der Tagespflege erstellt werden, welche Rechte und Pflichten auf Tageseltern zukommen. Das reicht aber nicht als Vorbereitung auf die spätere Aufgabe. Daher gibt es während der Qualifizierung zusätzlich ein breit angelegtes Praktikum: 40 Stunden in einer Kita, weitere 40 Stunden in einer Kindertagespflege-Stelle. Wer in den Alltag einer Kita reinschnuppert, erfährt nicht nur viel über den Arbeitsalltag und Möglichkeiten der Kinderbetreuung, sondern kann auch Kontakte zum Kita-Personal knüpfen, die für einen späteren Austausch als Tagesmutter wichtig sind. „Wobei natürlich auch Tagesväter willkommen sind, Männer sind derzeit völlig unterrepräsentiert“, stellt Barbara Frank, pädagogische Jugendamtsleiterin, fest.

Die VHS verfügt über einen Pool an Kitas und Tagespflegestellen, die Praktikanten aufnehmen, „wir vermitteln die Praktikumsplätze“, berichtete Martina Schankin, Abteilungsleiterin Eltern- und Familienbildung bei der VHS Bergisch Land. Nach erfolgreich bestandener Eignungsprüfung als Tagesmutter oder Tagesvater erteilt die Stadt die Pflegeerlaubnis. Diese ist auf fünf Jahre befristet, danach kann ein Neuantrag gestellt werden.

Welche Voraussetzungen sollten Bewerber erfüllen? Wer sich für diese Arbeit und verantwortungsvolle Aufgabe der Kinderbetreuung interessiert, sollte älter als 21 Jahre sein, Freude am Umgang mit Kindern haben, körperlich und geistig belastbar sein und muss über kindgerechte Räumlichkeiten verfügen. „Das müssen nicht Extraräume sein, das kann auch die eigene Wohnung oder das Haus sein“, sagt Boddenberg-Funke. Sie schaue sich auf Wunsch vor einer Teilnahme am Qualifizierungskurs die Räume an. Eine Tagesmutter betreut maximal fünf Kinder, sie darf bis zu acht Betreuungsverträge parallel haben, denn die meisten Eltern lassen ihre Kleinkinder nur 20 Wochenstunden betreuen. Nur bei einer Großtagespflegestelle sind die Auflagen an Räume und Ausstattung höher. Eine dritte, eher seltene Variante in der Tagespflege ist, dass die Tagesmutter für die Betreuung ins Haus der Eltern kommt.

Als „Einzelkämpfer“ ist für Tagespflegeeltern ein Austausch von großer Bedeutung. Daher gibt es regelmäßige Netzwerktreffen für Tagesmütter, bei denen Schwerpunktthemen behandelt werden und danach ein offener Austausch erfolge, berichtet Viktoria Boddenberg-Funke.

Derzeit gibt es in Wermelskirchen 25 Tagesmütter, deren Standorte sich gut auf die einzelnen Stadtteile verteilen, kein Bezirk sei unterversorgt. „Wir würden uns aber über mehr Plätze im U3-Bereich freuen“, betont Barabara Funke. Und für Eltern wäre es gut, wenn sie noch mehr Auswahl hätten, weil jede Tagespflege ein eigenes Konzept hat und auch die Chemie zwischen Eltern und Tagesmutter stimmen sollte.

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