1. NRW
  2. Städte
  3. Wermelskirchen

Wermelskirchen: Präses feiert Weihnachten in Flutkirche in Unterburg

Heiligabend in der Flutkirche Unterburg : Präses feiert Weihnachten in Burg

Die Flutkirche in Unterburg wurde an Heiligabend zu einem Ort der Hoffnung. Thorsten Latzel, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, hielt die Festpredigt.

Den Putz haben sie schulterhoch abgeschlagen, um der Feuchtigkeit Herr zu werden. Die Bibel auf dem Altar trägt noch die Spuren des Schlamms, ein heller Holzboden wurde provisorisch eingezogen. „Was wir nicht für möglich gehalten haben, wird heute wahr: Wir feiern Weihnachten in der Burger Kirche“, sagt Pfarrerin Anke Schäfer am Heiligabend in der Christvesper.

Ein großer Baum steht neben dem Altar, Küsterin Christine Jacobi hat ihn mit Äpfeln und Strohsternen geschmückt. Ein gelber Stern strahlt über dem Altar. Und rund 70 Menschen feiern am Heiligabend mit. Viele Menschen aus Unterburg und Gäste aus dem Kirchenkreis.

Pünktlich zur Christvesper haben sich Superintendentin Antje Menn und auch Dr. Thorsten Latzel, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, angesagt. Der Präses hatte bereits im Sommer die Flutkirche besucht. An Heiligabend kehrt er zurück – mit seiner Familie und als Festprediger. Die Kirchenvertreter, die Burger und die Presbyter erinnern während des stimmungsvollen Gottesdienstes an jene Nacht im Juli, als das Wasser der Wupper die Kirche und den Ort flutete.

  • Mit dieser Foto-Montage wirbt Schloss Burg
    Ungewöhnliche Veranstaltung in Solingen : Schloss Burg feiert am Mai-Wochenende Weihnachten
  • Hier soll der Kreisverkehr auf der
    Anschlusstelle Wermelskirchen / Schloss Burg : Arbeiten an A1-Brücke starten im März
  • Blechblasklänge treffen auf elektronische Musik: Christopher
    Kultur in der Kirche in Unterburg : Zweimal ausverkauftes Haus zur Premiere

Das Hochwasser sei immer noch präsent und lasse die Seelen der Menschen nicht los, sagt eine Anwohnerin. Und gleichzeitig rückt das große Miteinander der Menschen nach der Flut in den Fokus: Die Unterburger begrüßen Bernd Blachetta im Gottesdienst, der mit einer Baufreizeit aus Halle in der Kirche den Holzboden legte, gleich auch noch Stühle spendierte und nun an Heiligabend mit seiner Familie an diesem besonderen Ort sein Weihnachten feiert.

Kreiskantor Johannes Geßner und Sopranistin Hae Min Geßner haben weihnachtliche Melodien mitgebracht. „Und sie haben uns fast vergessen lassen, dass die Orgel nicht da ist“, sagt Pfarrerin Schäfer später und erinnert an das große Instrument, das zum Schutz vor der Luftfeuchtigkeit ausquartiert wurde. Weihnachtlich wird es also trotzdem.

„Diese Kirche ist zu einem Hoffnungsort geworden“, stellt Präses Thorsten Latzel fest und wendet sich dann an die Gemeinde: „Sie haben den Chaosmächten getrotzt und den Glauben an unseren Gott, der auch im Schlamm bei uns ist, lebendig gehalten.“ Er erinnert an die vielen helfenden Hände, die nach der Flut einander unterstützten und auch den Putz von den Wänden schlugen und der Flutkirche eine Zukunft gaben. „Das verstehe ich unter Christsein: Einander zu Hirten werden“, sagt Latzel, „einander trösten, stärken und der Erschöpfung nicht das letzte Wort lassen.“ Als die Musik in der Kirche langsam ausklingt und Christine Jacobi die ersten Kerzen löscht, wendet sich eine Dame draußen an Pfarrerin Schäfer, die seit Jahren zum Gottesdienst nach Unterburg einlädt: „Gut, dass sie wieder da sind“, sagt die Dame.