Wermelskirchen Posaunenklang in der vollen Stadtkirche

Posaunenchor der Evangelischen Kirchengemeinde Wermelskirchen : Posaunenklang in der vollen Stadtkirche

Zu seinem 137. Geburtstag spielte der Posaunenchor der Ev. Kirchengemeinde zu einem weihnachtlichen Konzert auf.

Manchmal kommen einem die Melodien so ungewöhnlich vertraut vor, wenn der Posaunenchor die Töne durch die Stadtkirche schickt. Dann beginnen Zuhörer leise mitzusummen, um dem Klang auf die Spur zu kommen. Und dann entdecken sie hinter den berührenden, starken Trompetensoli, hinter Schlagzeugrhythmus und Posaunenklang eine traditionelle Melodie. Süßer die Glocken nie klingen, zum Beispiel. Oder: Kommet, ihr Hirten. Der Posaunenchor der Evangelischen Kirchengemeinde kleidet diese Stücke aber in ein so schmuckvolles, musikalisches Gewand, das sie zuweilen eben erst bei genauem Hinhören zu entdecken sind – das macht einen musikalischen Reiz aus, der das Publikum auch am Sonntagabend in der Stadtkirche begeistert.

Zum 137. Jahresfest spielt der Posaunenchor auf – und hat ein buntes Potpourri an Melodien im Gepäck. Den Auftakt machen die Jungbläser. Und sie verstehen die Kunst des musikalische Verkleidens schon fast ebenso gekonnt wie die alten Hasen des Orchesters. Das beweisen sie nicht erst mit dem Stück „Christmas Spirituals“ von Luigi di Ghisallo, bei dem das Publikum Swing, Rock, plötzlich ganz feierliche Klänge und zwischendurch immer mal wieder die vertrauten Töne von „Go, Tell It On The Mountain“ entdeckt. Als dann das komplette Orchester übernimmt, dürfen die Zuhörer direkt mitsingen – lehnen sich anschließend aber auch gerne wieder in den vollen Kirchenbänken zurück. Dann nämlich malen die Musiker so eindrucksvoll die Reise der drei Weisen aus dem Morgenland nach, das manch ein Zuhörer die Karawane mit Hufschlag und Reiselust vor dem geistigen Auge ausmachen kann. Es sind auch diese musikalischen Bilder, die ganz unverhofft schon ein bisschen Weihnachten werden lassen. Das gilt auch für die Melodien der Böhmischen Weihnacht – gleich acht weniger bekannte, tschechische Weihnachtslieder hat Komponist Josef Jiskra in seinem Werk verarbeitet. Das bringt die Blasmusiker sogar kurzzeitig zum Singen, sorgt für kraftvolle Paukenschläge. Und mittendrin erklingt plötzlich die Querflöte mit der vertrauten Melodie des Stücks „Kommet, ihr Hirten“.

Einen leiser Bravo-Ruf entlockt der Posaunenchor einem Zuhörer in den ersten Reihen dann mit Bilses Winterflocken-Galopp – ein kräftiger, flotter Schneesturm, dem vertraute amerikanische Weihnachtsmelodien folgen. Sie markieren auch das große Finale, das mit Schnipsen garniert, mit Trompetensolo gekrönt und unglaublichem Tempo gespickt wird. Das Publikum erklatscht sich eine Zugabe, was auch Les Searle erfreuen dürfte. Denn zum Abschluss erklingt seine Bergische Weihnacht.

Das Konzert klingt nicht nur musikalisch nach. 1220 Euro sammeln die Musiker nach dem Konzert beim Publikum ein – und spenden es für den Freundeskreis Suchtkrankenhilfe.