Wermelskirchen: Polizei stoppt falschen Streifenwagen und findet Waffen

Einhandmesser, Schreckschusspistole, falsches Maschinengewehr : Polizei stoppt falschen Streifenwagen und findet jede Menge Waffen

Der 27-jährige Fahrer hatte seinen Mercedes mit verbotenen Reflektorstreifen, einer Dachleuchte und Lichtleiste ausgestattet. Im Kofferraum fand die Polizei ein kleines Waffenarsenal.

Von Solveig Pudelski

Das waren keine Kollegen, sondern ein junger Mann mit einem gefakten Streifenwagen, der der Polizei bei einer allgemeinen Verkehrskontrolle am Dienstagnachmittag ins Netz ging. Dem Mercedes-Fahrer aus Radevormwald wurde die Weiterfahrt untersagt. Im Kofferraum hatte er ein „kleines Waffenarsenal“– die Polizei stellte die diversen Waffen und Gegenstände sicher.

Diese Waffen fanden Polizisten in einem falschen Streifenwagen. Foto: Polizei Rheinisch-Bergischer Kreis

Der Streifenwagen-Besatzung fiel gegen 16.30 Uhr ein schwarzer Mercedes mit Streifen in Blau und Neongelb auf der Burger Straße auf, der ähnlich wie ein echter Streifenwagen foliert war. „Solche Streifen sind heutzutage keine Seltenheit mehr und generell nicht verboten“, sagte Richard Barz, Sprecher der Kreispolizeibehörde. Aber auf dem Dach des Wagens war auch noch eine Leuchte montiert, offensichtlich, um optisch den „Streifenwagen-Effekt“ noch zu verstärken. Die Beamten vor Ort nahmen das Fahrzeug daher etwas genauer unter die Lupe.

Bei der verkehrsrechtlichen Überprüfung fielen gleich mehrere Mängel auf. So handelte es sich bei den Folien auf der Karosserie um sogenannte retroreflektierende Folien. Barz: „Die dürfen auf Privat-Pkws nicht aufgeklebt werden, sie sind Einsatzfahrzeugen und Schwerlasttransportern vorbehalten.“ Solche Spezialfolien strahlen wie eine Lichtquelle, wenn zum Beispiel ein Autoscheinwerfer darauf gerichtet ist. „Das war dem pfiffigen Kollegen bei der Kontrolle gleich aufgefallen.“

Für die Dachleuchte lag keine Betriebserlaubnis vor. Auf der Kofferraumabdeckung war eine Lichtleiste installiert, deren Farbgebung mittels einer Konsole neben dem Fahrersitz angesteuert werden konnte. Mit dieser „Zusatzausstattung“ im Mercedes durfte der Mann nicht weiterfahren. Die Polizei fertigte einen Kontrollbericht für das Straßenverkehrsamt. Der Fahrer war der Polizei schon in der Vergangenheit aufgefallen, aber eher nur bei kleineren Delikten in Erscheinung getreten.

Bei der Kontrolle trug der 27-jährige Fahrer am Gürtel unzulässigerweise ein sogenanntes Einhandmesser. Im Kofferraum lagen ein Maschinengewehr G36 und eine Pistole P99 – allerdings handelte es sich um sogenannte Anscheinswaffen, also um Softair-Nachbauten. Im Handschuhfach lag eine weitere Walther P99 mit gefülltem Magazin – in diesem Fall handelte es sich jedoch um eine PTB-Waffe, eine Gasdruckpistole. Diese sei nicht ungefährlich. Wenn Schüsse aus kurzer Distanz auf einen Menschen abgegeben werden, könne dies zu schweren Verletzungen führen, so Barz. Nach dem derzeitigen Ermittlungsstand besitzt der 27-Jährige für diese Waffe keinen kleinen Waffenschein. Das Führen einer Waffe mit gefülltem Magazin sei ohnehin verboten, Munition, Magazin und Waffe müssen beim Transport zerlegt sein.

Bei der Kontrolle war der Mann „verbal aufgebracht“, tätlich wurde er aber nicht. Den Mercedes-Fahrer erwartet nun neben den verkehrsrechtlichen Verstößen auch noch ein Ermittlungsverfahren nach dem Waffengesetz. Das Auto muss er nun „zurückbauen“. Sollte er nochmals mit der Polizei-Tarnung auffallen, heißt es „Siegel ab“ – dann wird der Wagen stillgelegt.

Immer mehr Privatleute, aber auch Firmen nutzen das Überraschungsmoment, das ein Fahrzeug in Polizei-Optik hervorruft, für eigene Werbezwecke. Im vergangenen Jahr entpuppte sich ein vermeintlicher Streifenwagen, der auf die Beamten bei einer Verkehrskontrolle zufuhr, auf den zweiten Blick als „Spaßmobil“: Statt des gewohnten Schriftzugs stand nämlich der Buchstabendreher „Pozilei“ auf beiden Türen des Fahrzeugs. Das Fahrzeug des 27-Jährigen Radevormwalder ist also nicht der einzige Fall von „Etikettenschwindel“. Die zunehmende Verwendung von Farben und Symbolen der Ordnungshüter in anderen Zusammenhängen löste bereits im vergangenen Jahr in Regierungskreisen einiges Kopfschütteln aus, berichtete diese Zeitung. NRW-Innenminister Herbert Reul räumte in diesem Zusammenhang ein, dass man keine Handhabe gegen als Streifenwagen getarnte Autos habe.

(ham)
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