Wermelskirchen: Pohlhausener organisierten ihren ersten Garagentrödel

Nützliches an den Mann gebracht : Viele Begegnungen beim Garagentrödel in Pohlhausen

Sonja Kassem befestigt die letzten Kleiderbügel am Garagentor. Kleider und Ohrringe, ein Kaffeeservice – gemeinsam mit ihrer Mutter hat sie ausrangiert.

„Ich finde es schön, wenn sich noch jemand anders an den Dingen freut“, sagt sie. Deswegen war es für sie keine Frage, als die Einladung zum Garagentrödel im Briefkasten ihrer Eltern lag, auch teilzunehmen – zumal sie auch als Verkäuferin schon Trödelerfahrung hat. „Keine Standgebühr. Wenn man etwas vergessen hat, kann man schnell mal reinlaufen. Und wenn keine Besucher mehr kommen, macht man das Garagentor eben zu“, sagt Sonja Kassem, „eine prima Sache.“ Gegenüber hat Nachbar Karl-Heinz Wilke aussortierte Bücher und Musik auf einem Verkaufstisch vor dem Haus aufgebaut. „Wir haben alles vom Dachboden geholt, was wir nicht mehr brauchen“, erzählt er und plaudert dann fröhlich mit seiner Nachbarin.

Genauso haben sich die Pohlhausener ihren ersten Nachbarschafts-Trödel vorgestellt: Wer mag, kann die Garage öffnen und alte Schätzchen verkaufen. Wer genau die Idee dazu hatte, kann am Ende keiner mehr sagen. Irgendwann hätten die Einladungen im Briefkasten gelegen, über eine Mailadresse habe man sich anmelden können: Das Prinzip funktioniert. Schon zum Startschuss am Samstagmorgen kommen die Besucher nach Pohlhausen, sehen sich in Garagen und in Vorgärten um, stöbern, handeln und machen sich mit Teppichen und Legosteinen, mit Schallplatten und Büchern wieder auf den Heimweg.

„Hier in Pohlhausen hat sich in den vergangenen Jahren viel verändert“, erzählt Marlies Reuter. Viele Menschen seien weggezogen, neue dazugekommen. „Man kennt sich gar nicht mehr“, sagt sie. Deswegen freut sie sich über das Nachbarschaftsfest der besonderen Art – und macht natürlich mit. „Und tatsächlich hat sich dank dieser Aktion eine Art Netzwerk gegründet“, sagt auch Nachbarin Dorothee Nemitz. Die Menschen lernen sich wieder kennen, haben Gelegenheit zum Plaudern. Auch in einer WhatsApp-Gruppe habe sich die Nachbarschaft inzwischen organisiert und sei wieder in Kontakt getreten. „Eine neue Gemeinschaft entsteht hier“, erzählt Dorothee Nemitz, dann steigt sie mit einem Kunden in Verhandlungen ein, der beim Stöbern fündig geworden ist.

Ein Stück weiter freuen sich Anja Groß und ihre Kinder Lina und Finja ebenfalls über Kundschaft. Wegen einer Hausauflösung ist das Angebot riesig. Bilder, Teppiche, allerhand Nützliches: Wer sich hier ein bisschen Zeit nimmt, findet kleine Schätze – und macht Kindern eine Freude. Die Hälfte des Erlöses dürfen Lina und Finja einstreichen, die andere Hälfte spenden sie an afrikanische Kinder in Not. Und so zieht der fröhliche Trödelmarkt rund um die Paulusstraße schließlich weite Kreise

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