1. NRW
  2. Städte
  3. Wermelskirchen

Wermelskirchen: Petra Motte hat aus der Not eine Tugend gemacht

Buchautorin aus Wermelskirchen : Aus der Not eine Tugend gemacht

Petra Motte wurde durch die Corona-Pandemie in ihrer Arbeit ausgebremst. Weil die Beraterin keine Präsenzseminare mehr abhalten konnte, hat sie sich auf den Online-Bereich verlegt – und jetzt ein Buch dazu geschrieben.

Die Entstehungsgeschichte von Petra Mottes Buch „Online moderieren & virtuell gestalten“, das parallel zur Frankfurter Buchmesse erscheint, ist eigentlich eine Geschichte der Auswirkungen der Corona-Pandemie. „Es war – bezeichnenderweise – ein Freitag, der 13. Im März des vergangenen Jahres. Als Corona auch Deutschland überrollte. „An diesem Tag habe ich mein bis dahin letztes Präsenzseminar wegen der Pandemie absagen müssen“, sagt die Wermelskirchenerin, die seit rund 30 Jahren als Beraterin und Trainerin für nationale und internationale Unternehmen tätig ist. Insofern sei das ein großer Einschnitt gewesen, denn der Umstieg auf Online und PC sei für sie relativ neu gewesen.

„Online ist für mich die Begrenzung der Empathie – außerdem musste ich mich erst einmal mit der Technik auseinandersetzen“, sagt Petra Motte. Sie habe sich, wie sie lachend sagt, gefühlt wie ein „Skiprofi, der sich plötzlich auf dem Tennisplatz wiederfindet“. Um zu steuern, wie sie in der Online-Situation rüberkomme, habe sie Schauspielunterricht genommen. „Ich hatte anfangs richtige Selbstzweifel, ob ich das könnte“, sagt sie. Ein Kollege habe sie dann aber mental ein wenig zurechtgerückt, wie sie sagt. „Er meinte, das ich nach wie vor Skiprofi sei, der jetzt aber ein neues Paar Skier bekommen hat – um einmal in diesem Bild zu bleiben“, sagt sie.

  • Auch auf der neuen Außenterrasse unterm
    Rheinisch-Bergischer Kreis : Das sind die Corona-Regeln in Wermelskirchen
  • Der Influencer Johannes Laschet beim Eröffnungsabend
    „Welt des Gentleman“ : Joe Laschet will Buch über Herrenmode veröffentlichen
  • Pandemie in Remscheid : Corona-Inzidenz steigt auf über 600

Es sei ein Umdenken gewesen, zu dem auch gehört habe, zu akzeptieren, dass niemand von ihr erwartet habe, von Anfang an perfekt zu sein. „Ich habe das angenommen – und mich dann gefragt: was hindert mich daran, auch virtuell die Bude zu rocken?“ Doch bevor es soweit gewesen sei, habe sie einen weiteren Lernprozess durchlaufen müssen – der dann auch letztlich mit in ihr Buch eingeflossen sei. „Online Coachings zu machen, das ist etwas ganz anderes. Ich habe viele Trainings gemacht, habe verschiedene Software-Programme ausprobiert“, sagt Petra Motte. Irgendwann habe sie dann festgestellt, dass die Menschen gar nicht mehr Technik brauchten, sondern sich auch im Digitalen analog abgeholt fühlen wollten. „Da ich auch internationale Kunden habe, war eine weitere Herausforderung, mit deren unterschiedlichen Kulturen auch in der Online-Situation klarzukommen.“ Interkulturelle Missverständnisse, digital verstärkt, sozusagen.

Bei Online-Vorlesungen an der Universität Stuttgart habe sie zudem positives Feedback für ihre neu erlernte Herangehensweise festgestellt. „Die Studenten haben gesagt, dass sie keine Lust auf ‚Folienduschen‘ in den Vorlesungen hätten.“ Aus den rund 200 Online-Trainings, die sie bis zum Herbst des Vorjahres absolviert habe – und an deren Ende sie als „Online-Trainerin“ bezeichnet worden sei – habe sie zahlreiche Wünsche, Tipps, Anregungen und Ideen der Teilnehmer gesammelt. „Und das ist alles in das Buch eingeflossen“, sagt Petra Motte.

Dabei gehe es etwa um Didaktik und Lernpsychologie. Aber vor allem auch das Wissen, dass hinter jedem virtuellen Meeting eine Moderation stehe, die gut vorbereitet und ausgearbeitet sein müsse, um den Freiheiten im virtuellen Raum eine Struktur zu geben. „Empathie, kulturelles Verständnis und die Lust am Improvisieren sind wichtig“, sagt die Wermelskirchenerin.

Apropos Struktur. Für den Schreibprozess habe sie sich nicht nur eine fixe Deadline gesetzt – „den 21. Februar, da das der Geburtstag meines Sohnes ist“ -, sondern sich auch in ein Ferienhaus zurückgezogen und ganz konzentriert den ganzen Tag geschrieben. „Ich habe von November bis Februar an dem Buch gearbeitet. Bis es dann erschienen ist, hat es noch einmal ein rundes halbes Jahr gedauert“, sagt Petra Motte. Ihr Buch werde nun zur Frankfurter Buchmesse erscheinen, die derzeit stattfindet. „Der Verlag hat es ausgewählt, um es dort vorzustellen – es trifft den Nerv der Zeit“, sagt die Autorin.