Wermelskirchen: Pariser Flair sorgte im Haus Eifgen für ungewöhnliche Klänge

Haus Eifgen : Savoir-vivre mit Pariser Flair und Chansons im Haus Eifgen

Das Haus Eifgen ist doch immer wieder für eine musikalische Überraschung gut. So erklangen dort am Donnerstagabend ganz ungewöhnliche Klänge. Das Trio Pariser Flair war mit seinem Programm „Blessur d‘amour“ zu Gast und verwandelten die Genossenschaft in den wohl östlichsten Außenposten von La Grande Nation.

Pariser Flair bestand aus der bezaubernden Sängerin Marie Giroux, dem Gitarristen Gunnar Seitz und der Pianistin Jenny Schäuffelen. Das Trio brachte mit Chansons und Savoir-vivre mehr als nur einen Hauch Frankreich ins Bergische und ließ sich auch durch ein zwischendurch defektes Kabel oder sich zu laut unterhaltendes Publikum nicht aus der Ruhe bringen.

Das Trio hatte sich nichts Geringeres auf die Fahnen seines Programms geschrieben, als der Liebe ihre Geheimnisse zu entlocken. Fraglos ein Unterfangen, an dem man nur scheitern konnte. Denn was war geheimnisvoller als jenes Gefühl, das schon seit Menschengedenken von Dichtern, Sängern und Philosophen besungen, aber doch nie ergründet wurde. Aber, wenn schon scheitern, dann doch mit grandioser musikalischer Untermalung.

Und welche Musik würde sich da besser eignen als das Chanson? Und das präsentierten die drei wunderbar harmonisierenden Musiker sehr hochwertig. Geradezu erdend waren dann die verbalen Exkurse, die das Trio humorvoll und stets augenzwinkernd zwischen den einzelnen Stücken der Liebe widmete. Jeder der drei Musiker war ein Meister seines Fachs. Sei es Heiko Michels, der seiner akustischen Gitarre sowohl furiose Flamenco-Klänge zu entlocken wusste, aber auch mit gefühlvoll gezupften Harmonien begeisterte. Oder Jenny Schäuffelen, die völlig selbstverständlich zwischen Klavier, Akkordeon und Perkussion hin- und herwechselte. Oder natürlich Marie Giroux, die mit einer unglaublichen Strahlkraft in der Stimme für Begeisterung im Publikum sorgte.

Auch die Stücke, die Pariser Flair im Gepäck hatten, wussten zu begeistern. Man brauchte sie gar nicht zu kennen, um sich in sie zu verlieben. Was natürlich durch die leicht rauchige und hocherotische Stimme von Madame Giroux ebenso bedingt wurde, wie durch die mal sanfte, mal energische Begleitung an den Instrumenten. Wobei das Akkordeon fast noch hinreißender, weil irgendwie französischer, klang als das Klavier, etwa beim modernen „J‘ t‘emmène au vent“ von Louise Attaque. Wobei auch das große Tasteninstrument seinen ganz eigenen Reiz entwickelte, etwa bei „Avec le temps“ von Léo Ferré, dem tieftraurigen „Je Suis Malade“ von Lara Fabian oder dem herrlichen „Je vais t‘aimer“ von Louane. Letztlich spielten die Namen der Stücke keine Rolle. Aber wenn man dann doch ein Stück benennen wollte, um das in passende Worte zu fassen, was präsentiert wurde, so fiele einem jenes des belgischen Hip-Hop-Künstlers Stromae ein, das von Pariser Flair in der ganz ureigenen Art und Weise interpretiert wurde: „Formidable“.

In einer vorigen Version dieses Artikel wurde ein falscher Gitarristenname genannt. Nicht Heiko Michels, sondern Gunnar Seitz spielte die akustische Gitarre.

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