Wermelskirchen: „Panik hilft eben nicht, sondern Taten!“

Montagsinterview Silas Pleuse und Tim von der Dellen : „Panik hilft eben nicht, sondern Taten!“

Die Gymnasiasten aus der Q1 sprechen über ihre Überzeugungen und was notwendig ist, das Klima zu schützen.

Herr von der Dellen, Herr Pleuser, wann haben Sie erstmals von Fridays For Future gehört?

Tim von der Dellen Zu der Zeit, als das Thema getrendet ist. Als viele Jugendliche eingeladen wurden, sich daran zu beteiligen. Ich wurde dann auch eingeladen, mit nach Köln auf eine Demo zu kommen. Das habe ich dann aber nicht getan.
Silas Pleuser Ich bin darauf gestoßen, während ich mich in meiner Freizeit mit Politik beschäftigte. Da habe ich mitbekommen, dass sich Jugendliche fürs Klima einsetzen und regelmäßig protestieren. Ich bin aber auch nicht in Köln auf einer Demo gewesen.

Seit wann ist das Thema Klimaschutz in Wermelskirchen denn aktuell?

Von der Dellen Ich bin schon sehr lange an Umwelt interessiert. Mein Vater ist auch im Umweltschutz aktiv – wir haben zu Hause etwa eine Solaranlage auf dem Dach und eine Regenwasserzisterne im Garten. Die Umwelt macht einen Großteil unseres Lebens aus, deswegen habe ich mich immer schon damit beschäftigt. An unserer Schule kann man die Lehrer zudem außerhalb des Unterrichts sehr schnell in Gespräche zu diesem Thema verwickeln, sie sind da sehr offen.
Pleuser In der Schule trifft man zwangsläufig auf das Thema. Denn es ist ein wissenschaftliches Thema, und diese werden natürlich im Unterricht behandelt.

Gibt es die Bewegung Fridays For Future auch am Gymnasium?

Pleuser Offiziell nicht. Wenn, dann wird von den Schülern diesbezüglich etwas organisiert. Es wurde Werbung dafür gemacht, ein paar Mitschüler sind auch zu den Demos gegangen, der Großteil aber nicht.
Von der Dellen Die Neuntklässler sind im vergangenen Schuljahr nach Köln gefahren. Ich fand aber, dass das vielleicht auch ein Stück dem Trend gefolgt war. Die Fünftklässler haben in Wermelskirchen demonstriert. Inwieweit das ernsthaft war, weiß ich nicht.

Warum ist die Schülerbewegung so erfolgreich?

Pleuser Die Schüler zeigen, dass ihnen die Umwelt sehr wichtig ist. Das ist ja wie ein Streik. Wie wenn man die Arbeit niederlegt. So zeigt man, dass man es ernst meint. Dazu kommt, dass es eine große Zahl von Schülern ist – dadurch bekommt das ein ganz anderes Gewicht.
Von der Dellen Es werden ja auch immer mehr Jugendliche, dazu kommen auch ältere Leute. Man merkt auch an den Diskussionen der Politiker, dass das Thema Umweltschutz bei ihnen etwas mehr angekommen ist. Mich hat aber erschüttert, dass die Waldbrände im Amazonas so spät erst thematisiert wurden. Das hätte viel früher sein müssen.
Pleuser Zudem stehen viele Wissenschaftler hinter den Forderungen der Schüler. Es ist auch wirklich schade, dass wir Schüler jetzt auf die Straße gehen müssen und nicht auf die Expertenmeinungen gehört wird. Klima- und Umweltschutz sind ja keine neuen Themen, dass etwas getan werden muss, ist doch seit über 50 Jahren bekannt!

Wird die weltweite Klimademo am 20. September im Freundeskreis diskutiert?

Pleuser Ich würde sagen, dass das bei mir eher im Familienkreis diskutiert wird. Nicht nur, aber auch. Im Freundeskreis hingegen eher weniger.
Von der Dellen Ja, das ist bei mir ganz ähnlich.
Pleuser Wir sind aber nur zwei Schüler von rund 1000 Schülern an der Schule, wie das bei den anderen ist, wissen wir natürlich nicht.

Werden Sie an der Demo teilnehmen?

Pleuser Nein, da ist im Moment nichts geplant von Schülerseite.

Erleben Sie im Alltag auch Klimawandelleugner?

Pleuser Traurigerweise passiert mir das gerade bei Erwachsenen. Da ist oft auch Misstrauen gegenüber der Medienlandschaft mit im Spiel, glaube ich. Das ist tatsächlich ein Problem. Denn sie müssten sich einfach nur mal kundig machen, dann würden sie sehen, dass es ein großes Problem ist und nicht nur von irgendwelchen Journalisten aufgebauscht wird. Neben den Leugnern gibt es aber auch viele, die den Ernst der Lage nicht wirklich begreifen möchten. Unter Mitschülern ist mir noch kein Zweifler aufgefallen.
Von der Dellen Der berühmteste Leugner ist ja wohl Donald Trump. Ich finde es sehr schrecklich, dass da einfach die vorhandenen Fakten ignoriert werden und abgelehnt wird, dass der Klimawandel uns allen auch weiterhin schaden wird. Andererseits muss man auch bedenken, dass auf den Klimademos mitunter viel Müll anfällt und hinterlassen wird. Wenn man sich fürs Klima und die Umwelt einsetzt, sollte man eben auch darauf achten, dass man nachhaltig lebt.

Was entgegnet man Klimawandelleugnern?

Von der Dellen Mit Fakten. Es wurden schon lange Prognosen aufgestellt, wie sich das Klima entwickeln wird…
Pleuser … und die Prognosen stimmen mit der Realität, wie sie bisher eingetreten ist, überein.

Macht einem jungen Menschen der Klimawandel Angst?

Pleuser Es ist ein ernstes Thema. Ich bin mir sicher, dass bei fortschreitendem Klimawandel massive Flüchtlingsströme auf uns zukommen werden, einfach weil viele Gegenden der Welt unbewohnbar werden. Am besten lassen wir es nicht dazu kommen. Wir haben da große Herausforderungen vor uns – die aber zu bewältigen sind. Panik hilft eben nicht, sondern Taten!
Von der Dellen Ich finde, dass wir uns Sorgen machen sollten. Die Sorgen sind berechtigt – aber sie kommen viel zu spät. Das sind die Sorgen von Menschen, die sie sich vor 50 Jahren hätten machen müssen. Die Sorgen sind jetzt unangebracht, weil jetzt schnelle Entscheidungen getroffen werden müssen. Wir müssen uns jetzt dafür einsetzen, wir müssen jetzt Entscheidungen treffen. Denn die Folgen sind ja jetzt schon an verschiedenen Orten sichtbar. Es muss schnell ein Wandel passieren. Sonst hat die Menschheit ein großes Problem.
Pleuser Es herrscht Misstrauen gegenüber der Politik, weil der Eindruck bei vielen Schülern da ist, dass Politiker das Thema nicht ernst genug nehmen.

Wird man da auf die Generation vorher wütend?

Von der Dellen Emotionen sind kein guter Ratgeber. Wir müssen schnelle und rationale Entscheidungen treffen, die helfen, die Erderwärmung zu stoppen. Wenn wir es geschafft haben sollten, dann können wir emotional darüber reden.
Pleuser Es hilft nichts, einen Schuldigen zu suchen. Wir müssen das Problem lösen! Und wenn wir einen Schuldigen hätten, wäre die Welt immer noch in Gefahr.

Was kann der Einzelne tun?

Fridays for Future-Demonstration vor dem Kanzleramt. Foto: dpa/Jörg Carstensen

Pleuser Jede kleine Änderung im alltäglichen Verhalten bringt auch eine Veränderung im Großen. Entscheidungen für große Änderungen müssen aber von der Politik kommen und bitte umgesetzt werden.
Von der Dellen Mal Fahrrad fahren, statt mit dem Auto fahren. Leider geht es den mächtigen Menschen oft mehr darum, Geld und Macht zu bekommen und zu erhalten, anstatt als Menschheit voran zu kommen.

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