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Wermelskirchen: Ortspolitiker äußern sich zur neuen Personalie Lindner

Ortspolitiker zum neuen Amt des Wermelskircheners : Die Personalie Lindner

Die Verhandlungen der neuen Regierung sind abgeschlossen. Designierter Finanzminister ist FDP-Bundesvorsitzender Christian Lindner aus Wermelskirchen. Was erwarten Ortspolitiker von dem 42-Jährigen in seinem neuen Amt?

Christian Lindner ist in Wermelskirchen aufgewachsen und zur Schule gegangen. Heute ist er der Bundesvorsitzende der FDP und angehender Finanzminister Deutschlands. Der 42-Jährige ist häufig in seiner Heimat, zuletzt besuchte er die Stadt im öffentlichen Rahmen bei einem Wahlkampfauftritt im September. Einige Ortspolitiker kennen ihn noch persönlich. Was halten sie von der Personalie Lindner?

Heinz Jürgen Manderla sieht die Entscheidung, Christian Lindner als Finanzminister auszuwählen, als logische Konsequenz an. „Ich sehe ehrlich gesagt keine Alternative in der aktuellen Regierung, die das Amt besser bekleiden würde“, sagt der ehemalige Fraktionsvorsitzende der FDP. Er kann sich gut vorstellen, dass die freien Demokraten den Posten des Finanzministers in den Verhandlungen als unumgängliche Entscheidung dargestellt haben und die Koalition nicht eingegangen wären, wenn sie den Finanzminister nicht hätten stellen dürfen. „Ich erwarte jetzt von ihm, dass er keine neuen Schulden macht ohne die Steuern zu erhöhen“, sagt Manderla. Lindner solle das einhalten, was er versprochen hat.

 Jürgen Manderla.
Jürgen Manderla. Foto: Theresa Demski
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Marco Frommenkord wünscht seinem Parteikollegen viel Erfolg in seinem neuen Amt. „Ich finde die Personalie sehr gut. Es ist ein gutes Zeichen und ich traue ihm die Aufgaben definitiv zu“, sagt der Fraktionsvorsitzende der FDP in Wermelskirchen. Er erwartet, dass das Land nach so einer schweren Zeit wieder auf Kurs gebracht wird. „Auf kommunaler Ebene, wünsche ich mir, dass die Altschuldenregelung angegangen wird. Ebenso erachte ich weitere Investitionsgelder für Kommunen als sinnvoll“, sagt Frommenkord.

Norbert Galonska gönnt Christian Lindner den Posten als Finanzminister. „Herr Lindner ist ein blendender Redner. Seine Qualität in dem Job muss man jetzt beobachten“, sagt der SPD-Politiker. „Ich persönlich hätte gerne einen Anstieg des Spitzensteuersatzes und damit eine Absenkung des Niedrigsteuersatzes“, so Galonska. Das scheine mit Lindner als Finanzminister jedoch eher unwahrscheinlich. Galonska will nun erst einmal abwarten und beobachten, wie Lindner sich in seiner neuen Rolle schlägt.

 Stefan Leßenich.
Stefan Leßenich. Foto: Andi Jäckle

Stefan ­­Janosi hätte sich jemand anderes als Finanzminister gewünscht. „Der Posten des Finanzministers ist einer der wichtigsten überhaupt. Ich kann mir vorstellen, dass dieser zum Knackpunkt wird“, sagt der Wermelskirchener Fraktionssprecher der Grünen. In seinen Augen wäre der Bundesvorsitzende der Grünen, Robert Habeck, besser für diesen einflussreichen Posten geeignet gewesen. „Ich hoffe, dass Lindner im Sinne der Ampel handelt und ich erwarte, dass er die vereinbarten Dinge aus dem Koalitionsvertrag in die Wege leitet“, sagt Janosi.

Stefan Leßenich ist froh, dass ein FDP-Politiker das Amt bekommen hat. „Grundsätzlich freue ich mich, dass ein Wermelskirchener in der Regierung vertreten ist. Ebenfalls bin ich froh, dass es ein Politiker der FDP geworden ist und nicht der SPD oder Grünen“, sagt der CDU-Politiker. Er traue Lindner das Amt des Bundesfinanzministers zu und hofft, dass er seinen Regierungspartnern „auf die Finger klopft“, wenn es um finanzielle Fragen geht.

Henning Rehse ist mit Christian Lindner nach eigenen Angaben seit den 90er-Jahren freundschaftlich verbunden. „Als er bei den Julis hier vor Ort begann, haben wir uns dann und wann auf eine Pizza oder ein Bier getroffen. Dieser Kontakt ist nie abgerissen“, erzählt Rehse. Er schätze auch heute noch an Lindner, dass dieser persönlich auf Nachrichten antworte, „sich also mit Dingen ernsthaft beschäftigt, die ihm vom Bürger angetragen werden“. Politisch teile der WNKUWG-Fraktionschef viele Sichtweisen mit Lindner. Rehse wäre nach eigenen Angaben zwar jede Regierung, an der die Grünen nicht teilhätten, lieber gewesen. „Aber der Wähler hat so entschieden und ich denke, Christian und die FDP haben das Beste daraus gemacht,“ sagt Rehse. Er sei nicht nur froh, dass der FDP-Bundesvorsitzende das Finanzministerium übernommen habe, sondern auch, dass Justiz und Verkehr und Digitales wie auch Bildung an die FDP gegangen seien. „Ich hoffe, dass so nicht nur über die Finanzen sondern auch in den übrigen Ressorts die Freiheit und Normalität durch die FDP aber auch SPD vor grünen Spinnereien verteidigt werden“, sagt Rehse.

Marion Lück freut sich für Christian Lindner. „Natürlich verfolgt man den Werdegang eines Politikers, der aus Wermelskirchen kommt. Allerdings – wie alle anderen Menschen auch – aus der Ferne“, sagt Lück. Sie kenne Christian Lindner nur sehr flüchtig. „Wir sind früher beide auf das städtische Gymnasium in Wermelskirchen gegangen und später habe ich ihn nochmal auf einer Karnevalsveranstaltung in Köln gesehen“, so die Bürgermeisterin. Das sei allerdings auch einige Jahre her. Für seine Amtszeit wünscht Lück Christian Lindner einen „kühlen Kopf für alle Entscheidungen und dass er bei diesen nicht die kleinen Kommunen vergisst“.