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Wermelskirchen: NRW-Landesregierung stellt Konzept zur Waldbrandbekämpfung vor

NRW-Landesregierung stellt Konzept in Wermelskirchen vor : Waldbrandbekämpfung – Löschteiche sollen Wasservorrat sichern

Für die Zukunft des NRW-Waldes wird Wermelskirchen „zum Nabel der Welt“. Die Minister Silke Gorißen und Herbert Reul präsentieren das landesweite Konzept zur Waldbrandbekämpfung und -vorsorge.

Dort, wo vor wenigen Tagen die Freiwillige Feuerwehr mit den Löschgruppen Dhünn, Halzenberg und Eipringhausen die Errichtung einer Wasserversorgung zur Waldbrandbekämpfung aus der Dhünn trainierte und ein wegen der Trockenheit nicht ausreichendes Rinnsal vorfand (Kostenpflichtiger Inhalt wir berichteten), herrschte nun „großer Bahnhof“. Auf dem Wanderparkplatz Neumühle stellten NRW-Innenminister Herbert Reul, NRW-Landwirtschaftsministerin Silke Gorißen sowie der Leiter des Landesbetriebes Wald und Holz, Thomas Kämmerling, das Konzept zur Waldbrandvorsorge und -bekämpfung in Nordrhein-Westfalen vor.

Rund 50 Journalisten und Interessierte waren gekommen, um sich in Wermelskirchen über die Zukunft des NRW-Waldes zu informieren. Das von Feuerwehrfachleuten und Forstexperten entwickelte 60-seitige Konzept soll sowohl Brandbekämpfern als auch Förstern als Handlungsgrundlage dienen und die beiden Akteure bei der Waldbrandvorbeugung und -bekämpfung enger vernetzen.

Elemente der Ausarbeitung benannte Ministerin Silke Gorißen: Waldbrandschutzstreifen mit weniger entflammbaren Laubbäumen vor allem in Nadelwäldern oder ebenso 30 Meter breite Waldbrandschneisen völlig frei von Bewuchs gehören dazu. Was zuletzt auch Thema in Wermelskirchen war, griff die Ministerin für Landwirtschaft und Verbraucherschutz genauso auf: „Die Zugänglichkeit der Wälder für Einsatzfahrzeuge muss gewährleistet sein.“

 Bürgermeisterin Marion Lück und der stellvertretende Feuerwehrchef Ingo Mueller (2.v.r.) folgen den Vorträgen aufmerksam.
Bürgermeisterin Marion Lück und der stellvertretende Feuerwehrchef Ingo Mueller (2.v.r.) folgen den Vorträgen aufmerksam. Foto: Peter Meuter
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Gleiches galt für die auch von der Wermelskirchener Feuerwehr registrierte Wasserknappheit im Wald. Dazu erinnerte Silke Gorißen: „Bis in die 1970er-Jahre wurde die Einrichtung und Unterhaltung von Löschteichen gefördert. Das soll nun über die Extremwetterrichtlinie wieder eine Förderung bekommen.“

Diese Aussage nahm Wermelskirchens Bürgermeisterin Marion Lück, die mit dem stellvertretenden Feuerwehrchef Ingo Mueller gekommen war, interessiert auf: „Wir müssen in Wermelskirchen die Einrichtung von Löschteichen in den Fokus nehmen, denn die Wasserversorgung ist eine Frage, der wir uns widmen. Wir werden eine Arbeitsgruppe einsetzen, die sinnvolle Plätze für solche Teiche auf dem Stadtgebiet ermitteln soll.“ Dem pflichtete Ingo Mueller bei: „Es muss ein Plan dafür her. Nur punktweise agieren bringt nichts.“ Die Feuerwehr in Wermelskirchen habe längst erkannt, dass der Wald, den wir vor zehn Jahren kannten, nicht mehr der Wald von heute sei, betonte Ingo Mueller: „Wir sind nicht bei Null. Wir haben Fahrzeuge mit spezieller Ausrüstung für die Waldbrandbekämpfung.“ Dass gar der Brandschutzbedarfsplan für Wermelskirchen angesichts des neuen NRW-Konzepts erweitert werden muss, sieht Ingo Mueller nicht: „Auch spezielle Schutzausrüstung für die Einsatzkräfte bei Waldbränden haben wir – wir sind da auf einem guten Weg.“

 Mit rund 50 Journalisten und Zuhörern herrscht bei der Präsentation „großer Bahnhof“ in Neumühle.
Mit rund 50 Journalisten und Zuhörern herrscht bei der Präsentation „großer Bahnhof“ in Neumühle. Foto: Peter Meuter

Bürgermeisterin Marion Lück gesteht ein, dass „ordentlich nachgearbeitet“ werden müsse, denn die Feuerwehr sei in der Vergangenheit vernachlässigt worden: „Ohne Investitionen geht es nicht. Da haben wir in jüngster Zeit schon viel geleistet und nachgeholt.“ Das erfolge nicht zuletzt mit der Wermelskirchener Firma Dönges als Ausrüstungshersteller. „Und Wermelskirchen hat im Vergleich zu anderen Regionen schon einen hohen Mischwaldanteil, was das Waldbrandrisiko senkt“, ergänzte die Bürgermeisterin.

Bezugnehmend auf das NRW-Konzept, dass ein demnächst startendes Pilotprojekt mit optischen Sensoren zur frühzeitigen Erkennung von Waldbränden am Niederrhein vorsieht, bemerkte Marion Lück: „Nicht alles lässt sich übertragen. Die Ergebnisse bleiben abzuwarten. Denn wir haben im Bergischen eine ganz andere Topografie als in den Ebenen des Niederrheins.“

Die heimischen Waldbesitzer haben ein Interesse an Waldbrandvorsorge, jedoch genauso die Kostenseite im Blick. Sie dürfte freuen, was der Leiter des Landesbetriebes Wald und Holz, Thomas Kämmerling, ankündigte: „Wir wollen der Konzeptumsetzung über Förderinstrumente Nachdruck verleihen.“ Denn: Es werde mit der NRW-Waldbrandvorsorge und -bekämpfung nicht „reinregiert“, sondern zu überzeugen versucht, sagte Innenminister Herbert Reul: „Auf Basis dieses Konzepts kann jede Kommune für sich eine Gefahrenanalyse unter Mitwirkung aller Beteiligten erstellen und entsprechende Maßnahmen entwickeln.“ Landwirtschaftsministerin Silke Gorißen betonte: „Das Konzept zeigt Handlungsempfehlungen auf, aber keine Vorgaben oder Fristen.“