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Wermelskirchen: Nitrat ist kein Problem im Bergischen

In Wermelskirchen : Nitrat ist kein Problem in der Region

Das Düngen muss sein, damit die Pflanzen wachsen. Ein Risiko ist eine hohe Bodenbelastung, wenn zu viel Gülle ausgebracht wird.

Ortslandwirt Torsten Mühlinghaus ist gegen allgemeine Bestrafung aller für die Fehler einzelner. Das bringt den Wermelskirchener Milchbauern auf die Palme. Ein Beispiel dafür ist das Thema Gülle. Deren Ausbringung auf den Feldern ist nötig, damit Mais, Weizen und Co. gut wachsen. Allerdings sorgt der Dünger, wenn er zu konzentriert ausgebracht wird, auch für eine zu hohe Belastung des Bodens – und in der Konsequenz davon auch des Grundwassers – mit dem Stoff Nitrat. Das Problem von Nitrat ist, dass es im menschlichen Körper in das giftige Nitrit umgewandelt werden kann. Das ist vor allem für Säuglinge schädlich, da sie das Enzym, das die negativen Auswirkungen des Nitrits im Kreislauf rückgängig machen kann, noch nicht ausreichend produzieren.

Seit dem 1. Februar dürfen Landwirte wieder Gülle ausbringen – insgesamt rund 45.000 Liter pro Jahr und pro Hektar Fläche. Was zunächst einmal nach sehr viel klingt, relativiert sich indes sehr schnell wieder, wie Mühlinghaus erklärt. „Diese 45.000 Liter pro Hektar sind 4,5 bis 5 Liter pro Quadratmeter – also eine halbe Gießkanne voll“, sagt der Ortslandwirt. 15.000 bis 20.000 Liter werden im Frühjahr ausgebracht, mithin also etwa zwei Liter pro Quadratmeter. „Am vergangenen Wochenende kamen zwei Liter pro Quadratmeter Regen runter – das bekommt man nicht wirklich mit“, sagt Mühlinghaus und ergänzt: „Das relativiert die Zahlen ein wenig.“

Allerdings gebe es Regionen in Deutschland und anderen EU-Ländern, in denen durchaus zu viel Gülle ausgebracht worden sei, sagt der Ortslandwirt weiter. „Das ist eine völlig berechtigte Kritik, da muss auch reglementiert werden. Aber hier im Bergischen Land haben wir Werte von zehn Milligramm Nitrat im Boden – das ist auch nicht mehr, als man im ganz normalen Waldboden findet.“ Es sei einfach nicht fair, wenn auch Landwirte in Regionen, die sich vollkommen richtig verhielten, für das Fehlverhalten in anderen Regionen zur Rechenschaft gezogen würden. „Es kann nicht sein, dass die ganze Klasse für ein paar Deppen bestraft wird“, betont der Ortslandwirt.

Die Landwirte seien absolut nicht gegen den Umweltschutz, ganz im Gegenteil, sagt Mühlinghaus. So würde die bodennahe Ausbringung der Gülle schon umgesetzt, wodurch die Gülle nicht mehr wie früher großflächig in der Höhe versprüht werde. „Das soll ab 2024 auch für Grünflächen gelten, im Moment gilt das nur für Äcker. Der Nachteil ist, dass Hanglagen auf diese Weise nicht so gut bedüngt werden“, sagt Mühlinghaus. Er betont weiter, dass im Bergischen Land grundsätzlich ein guter Austausch zwischen Landwirten und Umweltschützern bestehe. „Aber natürlich gibt es auch ideologisch verbohrte Leute, mit denen man einfach nicht reden kann“, sagt der Ortslandwirt. Gerade aber mit der Biologischen Station Rhein-Berg bestehe ein sehr guter und reger Austausch. „Wir arbeiten zusammen, setzen gemeinsame Projekte um – etwa wenn es um Grünflächen geht, die nur zweimal gemäht werden, statt drei- oder viermal“, sagt Mühlinghaus. Auch mit den Mitarbeitern des Wupperverbands, der die Große Dhünntalsperre betreibt, sei man in ständigem Austausch, etwa bezüglich der Uferzonen. „Im Bergischen gibt es ein gutes Miteinander, da können wir einfach froh sein. Denn das ist beileibe nicht in allen Regionen so“, sagt der Ortslandwirt.