Wermelskirchen: Niederländer schwärmen vom bergischen Fahrradland

Unterwegs auf dem Panoramaradweg : „Super fietspad“ – Niederländer entdecken das Bergische Land

Entlang der bergischen Radwege lassen sich nur zögerlich „Bett und Bike“-Betriebe zertifizieren. Aber immer mehr Hotels stellen sich auch in der Region auf eine neue Zielgruppe ein: die Radfahrer.

Neulich machten sich Marjolein van Rotterdam und John van Helvert auf den Weg ins Bergische Land. Die beiden Niederländer hatten von dem Panoramaradweg gehört und wollten es nun selbst wissen: Taugt das Bergische Land zum Radfahren ?

Sie hatten ihre Radtaschen gepackt. Und weil John van Helvert für den Tourismusverband Aufnahmen machen wollte, gehörten zu seinem Gepäck auch 30 Kilogramm Foto-Ausrüstung. Etwas unerwartet stellte ihnen der Fahrradverleih in Olpe E-Bikes zur Verfügung, die sich bewähren sollten. Und dann begann die Tour für die Urlauber, die von Zuhause kaum eine Steigung auf den Radwegen kennen.

133 Kilometer hatten sie sich vorgenommen – die komplette Strecke von Olpe nach Hattingen. In fünf Tagen, mit vier Übernachtungen. Über ihre Erlebnisse auf dem Panorama-Radweg berichteten sie schließlich im Magazin „Reiz&“ des niederländischen Touristenverbandes – mit einer Auflage von rund 26.000 Exemplaren und etwa 137.000 Lesern. Schon im ersten Absatz stellten die erfahrenen Radler fest: „Het is een super fietspad. Das ist ein super Fahrradweg.“ Die Wege seien asphaltiert, dank der ehemaligen Bahnstrecken und Tunnel seien Steigungen überschaubar. „Das Bergische wel voor fietsen gemaakt. Das Bergische scheint für Radfahrer geschaffen zu sein“, schlossen die beiden.

Die Gastgeber entlang der Trasse haben von der Begeisterung der Niederländer Wind bekommen. „Im vorigen Jahr haben wir eine Pressereise angeboten, um unsere Radwege in den BeNeLux-Ländern noch bekannter zu machen“, erzählt David Bosbach vom Tourismusportal „Das Bergische“. Die Begeisterung sei spürbar gewesen. Das Thema Radtourismus habe Fahrt aufgenommen. Aber: „Es wäre wünschenswert, wenn sich entlang der Strecke noch mehr Betriebe auf die neue Zielgruppe einstellen würden und die Radfahrer für sich entdecken“, sagt Bosbach.

Zahlen über Radfahrer, die im Bergischen auch über Nacht bleiben, gebe es nicht, weil in den Hotels keine Statistiken geführt werden über Gäste mit und ohne Fahrrad. Fest steht: 2018 waren 180.000 Radfahrer auf der Trasse unterwegs.

Christian Warnke zählt mit dem Hotel Zum Schwanen in Wermelskirchen zu einem der sechs zertifierten Bed & Bike-Gastgeber in der Region. Foto: Moll, Jürgen (jumo)

„Und auch die Zahl der Hotelgäste mit Rad steigt“, sagt Christian Warnke, Geschäftsführer im „Hotel zum Schwanen“ in Wermelskirchen. Sein Haus ist einer der wenigen Betriebe an der Strecke, die sich als „Bett und Bike“-Hotel hat zertifizieren lassen. Das Siegel des „Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs“ (ADFC) setzt sechs Mindest-Kriterien voraus: die Aufnahme von Radfahrern auch für nur eine Nacht, abschließbare Räume zur Aufbewahrung der Räder, Möglichkeiten zum Trocknen von Kleidung und Ausrüstung, ein vollwertiges Frühstück, Kartenmaterial und die Bereitstellung von Werkzeug. Im Gegenzug werden die zertifizierten Betriebe über Apps, Karten und Werbekampagnen vom ADFC beworben. Bisher finden sich zwischen Wipperfürth und Solingen sechs Bett-und-Bike-Gastgeber (siehe Kasten).

Es gebe ganz verschiedene Modelle, wie die Radfahrer die Hotels am Wegesrand nutzen. „Manche machen Station bei uns und reisen am anderen Tag weiter“, sagt Warnke. „Andere starten von uns aus ihre Touren.“ Dazu gehören auch die niederländischen Reisegruppen, die sich für Sommer angesagt haben. Ein Reiseunternehmer aus dem Nachbarland ist auf den Wermelskirchener Hotelier zugekommen und hat ihm eine Kooperation angeboten: Im Juli blockt das Hotel am Schwanen eine bestimmte Anzahl seiner Betten für die Gäste, die mit Rädern anreisen und eine Woche lang von Wermelskirchen aus ihre Radtouren ins Bergische Land antreten.

„Wer mag, kann über uns auch ein Fahrrad oder ein E-Bike mieten“, sagt Warnke und verweist auf die Zusammenarbeit mit Fahrrad Lambeck. Eine ähnliche Kooperation ist auch Jürgen Koppelberg in seinem Hotel – ebenfalls ein Bett und Bike-Betrieb – in Wipperfürth eingegangen: Regelmäßig seien niederländische Gruppen zu Gast, die vom Hotel Koppelberg die Radwege der Region erkunden. Der Hotelier hat neben dem abschließbaren Fahrradkeller auch Verpflegungspakete und eine Ladestadion für E-Bikes eingerichtet, und er bietet Wartungsmöglichkeiten an.

 „Aber es gibt auch andere Häuser ohne Zertifizierung, die sich auf Radfahrer eingestellt haben“, sagt Bosbach. Das könnten kleine Serviceangebote sein – wie ein abendliches Fußbad zum Beispiel. So sind etwa auch im „Hotel zur Post“ in Hückeswagen Radfahrer willkommen und finden einen trockenen Parkplatz für ihre Drahtesel. Im „Hotel zur Eich“ in Wermelskirchen wartet umfangreiches Kartenmaterial auf die Radler. „90 Prozent der Touristen buchen vorher“, sagt Tina Jörgens von der Eich. Für einen spontanen Stopp würden sich die wenigsten entscheiden. Wer mit dem Rad zur Eich kommt, der findet auch dort Möglichkeiten, die Räder einzuschließen. Gemeinsam mit „Das Bergische“ haben erste Hoteliers Pauschalangebote für Radfahrer konzipiert.

„Der Fahrradtourismus im Bergischen Land ist noch jung“, sagt David Bosbach. „Das war eine sprunghafte Entwicklung.“ Und auf die reagieren die Gastgeber nun. Bisher rede man noch nicht von gigantischen Zuwächsen durch den Radtourismus, ergänzt auch Christian Warnke: „Aber ich glaube an ein Riesen-Potential. Wir dürfen nur nicht so ungeduldig sein.“

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