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Wermelskirchen: Neuer Verein "Grenzfrei kreativ" für Kinder gegründet

Neuer Verein in Wermelskirchen : „Grenzfrei“ für Kreativität und Inklusion

Monica Chillotti und Sabine Enzmann bereiten ihr Atelier auf die Puppen-Aufführung vor. Die Kinder dürfen noch nicht wieder mitwirken, aber endlich zuschauen. Wegen der großen Nachfrage haben sie einen Verein gegründet.

Das Betreten des Ateliers in der Wustbacher Straße 6 versetzt in eine andere Welt. Dutzende Kasperle-Figuren liegen auf einem Tisch, mit leuchtend bunten Stoffen wurde eine Bühne abgesteckt und es ist etwas schummrig im Raum: Alles ist vorbereitet, für die geplante Puppen-Aufführung von Monica Chillotti und Sabine Enzmann am 2. Oktober. Die richtige Atmosphäre haben die beiden schon geschaffen.

Und das von Chillotti selbst geschriebene Stück „Der Kasper und der Räuber Jarumir“ ist etwas ganz Besonderes: Zum ersten Mal treten die beiden im Rahmen ihres neu gegründeten Vereins „Grenzfrei kreativ e.V.“ auf. „Leider findet diese erste Aufführung ohne die Kinder und Jugendliche statt, mit denen wir normalerweise unsere Projekte auf die Beine stellen“, bedauert Chillotti. „Aber bald können wir auch mit ihnen wieder anfangen zu proben.“ Denn Theater-Projekte mit kleinen und großen Mitwirkenden realisieren Chillotti und Enzmann schon seit über zwölf Jahren. Bisher mussten sie die Kosten dafür allerdings selbst tragen. Jetzt soll alles etwas einfacher werden.

„Wir sind jetzt seit ungefähr vier Wochen ein eingetragener Verein“, erzählt Chillotti. „Mit anerkannter Gemeinnützigkeit.“ In ihrer ­Stimme schwingt Erleichterung mit. Die Gründung des „Grenzfrei kreativ e.V.“ hat wegen Corona erst beim zweiten Anlauf geklappt. „Als Verein haben wir ganz andere Unterstützungsmöglichkeiten“, erklärt Enzmann. „Wir können staatliche Fördermittel beantragen und bei Auftritten Eintrittsgelder nehmen. Auch Spendenquittungen können wir jetzt zum Beispiel ausstellen.

Mehr Geld, mehr Möglichkeiten – Chillotti und Enzmann sprudeln bereits über vor Ideen. Ihre Augen leuchten, wenn sie über ihre Arbeit sprechen. „‘Grenzfrei’ bedeutet bei uns inklusive Teilnahme für alle. Das Konzept richtet sich an Menschen mit und ohne Behinderung, Kinder, Jugendliche, Senioren, Menschen mit Fluchterfahrung und bürgerschaftlich engagierte“, erklärt Chillotti, die von Beruf auch Trauma-Therapeutin ist. „Ziel war es immer, ein kreativer Ort für alle zu sein, die sich in darstellender, musizierender und tanzender Kunst wiederfinden. Aber auch ein Ort für Menschen, die sich mehr für Gestaltung, Inszenierung, Bühnendekoration oder Technik begeistern.“ Mit ihrer Arbeit schaffen sie gegenseitige Akzeptanz und leisten einen enorm wichtigen Beitrag. Und den Kindern und Jugendlichen macht es mindestens genauso viel Spaß wie den beiden erwachsenen Leiterinnen. Für ihre Projekte erhielten die beiden immer mehr Anfragen. „Da der Andrang schließlich immer größer wurde, haben wir uns entschlossen in die Vereinsgründung zu gehen“, sagt Chillotti.

Einige Ideen der beiden Vereinsgründerinnen für die Zukunft sind dabei unter anderem das Veranstalten wöchentlicher Kurse, wie beispielsweise einer kreativen Bauchtanzgruppe. „Auch Kindergeburtstage wollen wir ausrichten“, sagt Enzmann. „Die Kinder könnten sich dann ein Motto aussuchen, wenn sie möchten. Wahlweise können sie sich dann auch verkleiden, wir haben hier schließlich sehr viele Kostüme, und sich aussuchen, was wir machen sollen. Ob wir ein kleines Tanzprojekt oder ein Puppentheater einüben, kann individuell entschieden werden. Die Verpflegung kann optional dazu gebucht werden.“ Hauptsache keine Technik: „Wir wollen die Gegenbewegung zu McDonalds-Geburtstagen sein.“

Auch einen Basar im Winter auf dem Gelände des Ateliers können die beiden sich vorstellen. „Die meisten Weihnachtsmärkte werden ja wahrscheinlich abgesagt werden“, sagt Enzmann. „Wir könnten hier mit dem, was wir an Stoffen vorrätig haben, schön dekorieren. Es soll ganz verwunschen aussehen.“ Entsprechende Hygienekonzepte für die Veranstaltungen wollen sich die beiden noch überlegen.

Jetzt kommt es erst einmal darauf an, dass ihr Konzept für die Puppen-Aufführung in einer Woche vor einer achtköpfigen Kindergartengruppe und zwei Erziehern genehmigt wird. Und dann können Chillotti und Enzmann auch bald wieder mit ihren kleinen Artisten proben. „Ab den Herbstferien treffen wir uns hier wieder jeden Samstag“, sagt Enzmann. „Die Kinder vermissen uns schon, und wir sie auch sehr“, sagt Chillotti.