Neue Show im "Theater im Lager" in Wermelskirchen Im „Café Hilde“ gibt es Musik und Schwarzbrot

Wermelskirchen · Es ist bereit die dritte Auflage: Die Schauspieler von „Grenzfrei kreativ“ laden seit vergangenem Wochenende wieder ins Café Hilde ein. Neue Schauspieler, neue Lieder und neue Kostüme erwarten die Besucher.

 Im „Cafe Hilde“ präsentieren hoch motivierte Laienschauspieler auch „Sister Act - Die Nonnen sind los“.

Im „Cafe Hilde“ präsentieren hoch motivierte Laienschauspieler auch „Sister Act - Die Nonnen sind los“.

Foto: Jürgen Moll

Es ist eine andere Welt. Kaum hebt sich der schwere Vorhang und das Licht auf der kleinen Bühne geht an, wähnen sich die Zuschauer in einer anderen Zeit an einem anderen Ort. Damen im schicken Glitzerfummel schenken dampfenden Kaffee aus. Schwarzbrot mit Salami wird serviert und selbst gebackener Kuchen.

Und wer seinen Blick einen Moment los reißen kann von der ausgeleuchteten Bühne, von Federboa und Abendkleid, von all den vielen hübschen Requisiten in dem kleinen „Theater im Lager“, dessen Blick bleibt hängen an aufwendig gedeckten Tischen. Sammeltassen, dünnes Porzellan und kleine goldene Milchkännchen stehen auf zierlichen Tischchen. Großzügige, bepolsterte Sessel und Stühle haben ihren Platz gefunden. An der Decke glitzert das Licht in Discokugeln und Kornleuchtern.

Die Augen haben sich noch längst nicht sattgesehen, als die Damen mit den Kaffeekannen hinter der Bühne verschwinden, das Programm beginnt – und die Aufmerksam damit wieder ins Rampenlicht gezogen wird. Zum dritten Mal öffnen Monica Barata und Sabine Enzmann das „Café Hilde“. Wieder haben sie hoch motivierte Laienschauspieler um sich versammelt. Die Truppe hat sich seit der letzten Aufführung im vergangenen Jahr noch vergrößert – junge Leute sind dazugekommen. Aber auch Röschen Herford mit ihren 95 Lebensjahren lässt es sich nicht nehmen, in schicke Fummel zu schlüpfen und mitzuspielen.

Bereits bei der Generalprobe am Freitagabend herrscht volles Haus im „Theater im Lager“. Bei der Premiere einen Tag später gibt es ebenfalls keinen freien Platz mehr. Seit den ersten Aufführungen in den vergangenen Jahren führt der Verein „Grenzfrei kreativ“ eine Warteliste für Besucher. Das mag auf der einen Seite daran liegen, dass der kleine Zuschauerraum, der ohne Barriere zur Bühne verläuft, nur Platz für rund 30 Gäste lässt. Auf der anderen Seite ist der Jubel nach jedem Besuch im „Café Hilde“ so groß, dass der Zauber hier überzuspringen scheint. Die Freude jedenfalls ist den Schauspielern ins Gesicht geschrieben – genauso wie den applaudierenden Gästen.

Im „Café Hilde“ treffen die Besucher auf eine Mischung aus kleinen Theaterszenen, musikalischen Playbackeinlagen, Travestiekunst und unzähligen schillernden Kostümen. Vor allem die Mischung aus Musik und Maske sorgt für viel Spaß im Publikum. Dann schlüpft Udo Enzmann plötzlich in die schwarze Lederhose, trägt schwarzen Hut und Sonnenbrille und bringt Melodien von Udo Lindenberg mit auf die Bühne.

Oder Josephine Opitz kommt stark geschminkt, im Abendkleid und mit Perücke auf die Bühne und gibt Edith Piaf. In glitzernden Fummeln sorgen Travestiekünstler für riesen Jubel im Publikum – während im Hintergrund junge Tänzerinnen ihre Flügel auszubreiten scheinen. „Die Travestiekunst ist dieses Mal unser Herzstück“, sagt Monica Barata.

Die uralte Kunst, Bühnenrollen durch Personen des anderen Geschlechts zu besetzen, sorgt im „Café Hilde“ nicht nur für besonderen Glanz, sondern auch für besonderen Jubel. Mit dabei ist aber auch wieder Ingrid Richter, die fünf Minuten lang zu Maite Kelly wird. Tina Turner und Beyoncé, Marylin Monroe und Pink: Viele große Künstler sind musikalisch vertreten. Und auch Monica Barata schlüpft immer mal wieder gut gelaunt in glitzernde Kleider und rockt die Bühne. Die Garderobe jedenfalls scheint einen unendlichen Fundus an Kostümen zu haben.

Offensichtlich finden die Künstler darin für die aktuelle Show auch zwei Matrosenkostüme. Die werden nämlich nötig als Röschen Herford als Meerjungfrau ihren großen Auftritt hat – bevor ein Hai naht und Udo Enzmann als Baywatch-Held auf die Bühne hechtet und zum Soundtrack aus den 1980er Jahren die alte Damen aus den Klauen des Wassers rettet.

Der Applaus will am Ende gar nicht mehr abreißen, der Jubel verwandelt sich in Zugabe-Rufe. Und das lassen sich die Laien-Schauspieler von „Grenzfrei kreativ“ nicht zweimal sagen. Während die Melodie von „Dschingis Khan“ erklingt, kehren alle Künstler auf die Bühne zurück. Der ein oder andere tanzt gut gelaunt durchs Publikum – und dort entsteht der Wunsch, dass dieser Abend gar nicht ende.