Kultur in Wermelskirchen Musikalisches Fest der Jahreszeiten in der Stadtkirche

Wermelskirchen · Die Kantorei der Evangelischen Kirchengemeinde hat in der Wermelskirchener Stadtkirche Joseph Haydns Oratorium „Die Jahreszeiten“ aufgeführt.

Sopranistin Veronika Madler (vorne) besang Hanne und wurde dabei vom Neuen Rheinischen Kammerorchester Köln und dem Chor begleitet.

Sopranistin Veronika Madler (vorne) besang Hanne und wurde dabei vom Neuen Rheinischen Kammerorchester Köln und dem Chor begleitet.

Foto: Jürgen Moll

Ausnahmsweise ging es am späten Sonntagnachmittag in der gut gefüllten Stadtkirche am Markt trotz der Aufführung von Die „Jahreszeiten“ nicht um den Klimawandel. Im Gegenteil, im gleichnamigen Oratorium von Joseph Haydn war die Welt noch in allerbester Ordnung – kein Wunder, stammte das Alterswerk Haydns doch aus dem Jahr 1801, als sich die frühe Industrialisierung gerade einmal abzuzeichnen begann.

Dennoch – das Oratorium hat den Menschen im Mittelpunkt, nicht Gott, sodass darin durchaus der Geist der Aufklärung wehte. Auch das nicht besonders verwunderlich, handelte es sich bei „Die Jahreszeiten“ doch um die Vertonung eines englischen Lehrgedichts dieser Strömung. Und trotzdem war es fraglos ein geistliches Werk, das die Kantorei der Evangelischen Kirchengemeinde Wermelskirchen sich mit dem Neuen Rheinischen Kammerorchester Köln sowie den Solisten Veronika Madler (Sopran), Georg Poplutz (Tenor) und Thilo Dahlmann (Bass) für ihr großes Konzert dieses Jahres ausgesucht hatte.

Die Stadtkirche war mit vier Wandbildern, die die vier Jahreszeiten zeigten, passend geschmückt. Auch ohne diese visuelle Unterstützung war es ein großes Vergnügen, der mit großer Strahlkraft und viel Spielfreude dargebotenen Musik zu lauschen. Sicherlich, hörte man den Titel „Die Jahreszeiten“, gingen die Gedanken automatisch zu Antonio Vivaldi. Aber auch Haydns etwas andere Herangehensweise an die Thematik war eindrucksvoll – und wurde von Solisten, Orchester sowie dem Chor unter der Leitung von Kantor Andreas Pumpa mit Präzision dargeboten. Es war die im positiven Sinne liebenswerte Gemächlichkeit, die durch alle vier Jahreszeiten-Teile die Wiener Klassik in voller Pracht durchschien.

Die drei Solisten ließen ebenso wie der Chor das Leben auf dem Land lebendig werden. Denn darum ging es in Haydns „Die Jahreszeiten“. Da war Simon (Dahlmann), ein Pächter und Vater von Hanne (Madler), für den Lukas (Poplutz) arbeitete. Das Trio lebte und arbeitete gemeinsam im Einklang mit den Jahreszeiten, Lukas und Hanne verliebten sich ineinander, und oben drüber thronte der Chor, der das Himmlische im Blick hatte und Gott um gedeihliches Wetter bat oder für die gute Ernte dankte. Und auch der Winter wirkte zwar unwirtlich, gehörte aber zum Kreislauf der Welt. Den musikalischen Teppich für diese gesangliche Beobachtung des Wetters, der Umwelt, der Landwirtschaft und der Natur legte das Neue Rheinische Kammerorchester in gewohnt hochwertiger Manier aus.

Die Streicher, von der Geige bis zum Kontrabass, ergänzten sich mit den Bläsern und der Pauke zu einem voluminösen Klangkörper, der seine volle Strahlkraft dann entwickelte, wenn Solisten und Chor etwa der Sommersonne die Ehre besangen. Und während der zahlreichen Rezitative, ob nun von Lukas, Simon oder Hanne, begleitete das Spinett die Solisten so zurückhaltend wie nachhaltig. Bei aller musikalischer Schönheit – ein wenig Wehmut kam auch auf, angesichts dieser so intakten Natur, die da besungen und vom Publikum auch mit kräftigem Applaus belohnt wurde.

Vielleicht konnte die alte Musik ja auf diese Weise sogar noch für etwas mehr Umweltbewusstsein in Zeiten des Klimawandels sorgen. Es wäre ein schöner, wenngleich unerwarteter, Nebeneffekt.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort