Wermelskirchen: Mit viel Action die Kinder begeistern

Montagsinterview Uli Puschinski : Mit viel Action die Kinder begeistern

Der Leiter der Jugendfeuerwehr spricht darüber, wie man Jugendliche begeistert, damit sie bei der Freiwilligen Feuerwehr bleiben.

Herr Puschinski, wie wichtig ist die Jugendfeuerwehr für Wermelskirchen?

Uli Puschinski Die Jugendfeuerwehr ist für die Feuerwehr sehr wichtig, da aus diesen Reihen die Einsatzkräfte der aktiven Wehr für Morgen gewonnen werden. In der heutigen Zeit ist es schwer, junge Erwachsene oder auch schon ältere Mitbürger für den freiwilligen Dienst in der Feuerwehr zu motivieren. Von daher versuchen wir durch einen interessanten und abwechslungsreichen Übungsdienst die Jugendlichen zu motivieren mit 18 Jahren dann in die aktive Wehr überzutreten.

Was sind dabei Ihre Aufgaben?

Puschinski Meine Aufgabe ist die Leitung der Jugendfeuerwehr in Zusammenarbeit mit den Betreuern und der Wehrleitung. Da die Aufgaben für den Stadtjugendwart sehr vielfältig sind, und wir neben dem Engagement in der freiwilligen Feuerwehr auch noch alle berufstätig sind, haben wir in der Jugendfeuerwehr Wermelskirchen die administrativen Aufgaben auf mehrere Schultern verteilt. Wir planen den Jahresdienstplan, bereiten Übungen und Unterrichte vor, fahren einmal im Jahr in das Kreisjugendzeltlager, das abwechselnd durch die Jugendfeuerwehren der Kreises ausgerichtet werden und führen alle zwei Jahre einen Berufsfeuerwehrtag durch. Außerdem planen wir alle zwei Jahre einen mehrtägigen Ausflug.

Wie ist es derzeit um die Jugendwehr bestellt?

Puschinski Wir haben in der Jugendfeuerwehr im Moment etwa 40 Jugendliche im Alter von zehn bis 18 Jahren. Davon sind acht weiblich und 32 männlich. Wir hatten auch schon an die 50 Jugendlichen in der Jugendfeuerwehr.

Wann trifft sich die Jugendfeuerwehr?

Puschinski Die Jugendfeuerwehr hat alle 14 Tage samstags von 9 bis 12 Uhr Übungsdienst. Treffpunkt ist die Feuerwache Vorm Eickerberg. Während der Ferien findet kein Übungsdienst statt.

Wie sieht der klassische Dienst aus?

Puschinski Der Übungsdienst deckt alle Themenbereiche aus dem Bereich Feuerwehr ab. Wir machen theoretischen Unterricht von der Ersten Hilfe bis zur technischen Hilfeleistung. Dasselbe dann auch praktisch, soweit es für die Jugendlichen vertretbar ist. Da es bei der Feuerwehr auch Gerätschaften gibt, die für einen Jugendlichen zu schwer sind, kann man eben nicht alles mit ihnen machen. Solche Gerätschaften werden dann eben erklärt und vorgeführt. 

Wie sind denn die Reaktionen der Jugendlichen auf das Angebot?

Puschinski Die Jugendlichen sind sehr wissbegierig und wollen gerne alles ausprobieren. Wir versuchen das Ganze auch so spannend wie möglich zu vermitteln. Natürlich sind die Jugendlichen von theoretischen Unterrichten nicht so begeistert, aber auch hier versuchen wir, die Themen spielerisch und mit viel Spaß zu vermitteln. Am liebsten würden die Jugendlichen immer praktisch üben – mit Wasser am Rohr und viel Action.

Wie groß ist das Betreuerteam?

Puschinski Das Betreuerteam besteht derzeit aus neun aktiven Feuerwehrleuten aus den Löschgruppen Dabringhausen, Dhünn und Unterstraße sowie aus dem Löschzug Stadtmitte. Da wir auch weibliche Jugendfeuerwehrleute dabei haben, haben wir auch zwei Betreuerinnen im Team.

  Wie bekommt man den Nachwuchs zur Feuerwehr?

Puschinski Einige der Jugendlichen sind durch die Eltern „vorbelastet“, da diese selbst in der Freiwilligen Feuerwehr sind. Wir machen Werbung an den Tagen der offenen Tür bei den Löschgruppen der Feuerwehr Wermelskirchen. Auch durch Besuche an den Grundschulen und den Kindergärten werden die Kinder auf die Feuerwehr aufmerksam.

Und wie hält man sie bei der Stange?

Puschinski Wie schon gesagt, versuchen wir die Übungsdienste so abwechslungsreich wie möglich zu gestalten. Wir gehen auch auf Wünsche der Jugendlichen ein. Wir machen nicht stur Schema F, sondern können ganz spontan auch das vorgesehene Programm ändern. Wenn etwa theoretischer Unterricht über das Thema Brandlehre auf dem Dienstplan steht, draußen aber die Sonne vom Himmel scheint, fahren wir mit den Jugendlichen mit dem Löschfahrzeug der Jugendfeuerwehr, das 2017 neu beschafft wurde, an den Eifgenbach und machen dort Übungsdienst „Wasserentnahme aus dem offenen Gewässer“. Für die älteren Jugendfeuerwehrmitglieder machen wir alle zwei Jahre einen Berufsfeuerwehrtag. Da wird den Jugendlichen der normale Alltag eines Berufsfeuerwehrmannes vorgestellt.

Wie läuft der ab?

Puschinski An diesem Tag ziehen die jugendlichen Teilnehmer für 24 Stunden in die Feuerwache oder ein Gerätehaus und erleben einen Tag mit Arbeitsdienst, Einsätzen und allem, was zur Berufsfeuerwehr gehört. Jugendliche ab 16 Jahren können auch an den Übungsdiensten der aktiven Löschgruppe aus ihrem Wohnbezirk teilnehmen, um dort Abläufe und Mitglieder kennenzulernen. Wenn sie 18 Jahre alt werden, können die Jugendlichen auch am Grundlehrgang TM 1 teilnehmen. Neben den Übungsdiensten und dem Berufsfeuerwehrtag planen wir alle zwei Jahre auch einen mehrtägigen Ausflug. So waren wir schon öfters im Heidepark und auch im Europapark.

Gibt es auch Aktionen jenseits des Dienstes?

Puschinski Ja, wir fahren jedes Jahr in das Kreisjugendzeltlager, das abwechselnd von den Jugendfeuerwehren des Rheinisch-Bergischen-Kreises an Fronleichnam ausgerichtet wird. Dort finden dann auch die Kreiswettkämpfe statt, an denen die jungen Feuerwehrleute zeigen können, was sie das Jahr über geübt haben. Es gibt immer eine Lagerolympiade mit verschiedenen Stationen, die die Jugendlichen anlaufen, und an denen sie verschiedene Geschicklichkeitsaufgaben bewältigen müssen. Alle zwei Jahre wird ein mehrtägiger Ausflug eingeplant und zum Jahresabschluss fahren wir auch schon mal in eine Kletterhalle, zum Bowling oder schwimmen.

Wie viele Jugendliche wechseln später in den aktiven Dienst?

Puschinski In den vergangenen Jahren haben wir sehr viele Jugendfeuerwehrleute in den aktiven Dienst übernehmen können – schätzungsweise etwa 75 Prozent. Wir versuchen, die Jugendlichen so zu motivieren, dass sie, wenn sie volljährig werden, in den aktiven Dienst der Feuerwehr eintreten.

Denkt man in Wermelskirchen eigentlich auch über eine Kinderfeuerwehr nach?

Uli Puschinski ist Jugendfeuerwehrwart in Wermelskirchen. . Foto: Stephan Singer

Puschinski Ja, wir denken auch daran, Kinder ab sechs Jahren für die Feuerwehr zu begeistern und eine Kinderfeuerwehr zu gründen. Aber durch die hohen Anforderungen, die dort gestellt werden, ist es in Wermelskirchen zur Zeit nicht möglich. Für die Betreuung dieser Kinder ist eine pädagogische Ausbildung nötig, die wir aber nicht vorweisen können. Auch schaffen die Betreuer der Jugendfeuerwehr es nicht, neben der Jugendfeuerwehr und dem aktiven Dienst in den Löschgruppen auch noch eine Kinderfeuerwehr zu betreuen.