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Wermelskirchen: Mit Teppichrollen auf Wertstoffhof abgewiesen

Immer wieder Ärger mit den Öffnungszeiten : Mit Teppichrollen auf Wertstoffhof abgewiesen

Ein Dhünner wird mittwochs seinen Abfall nicht los. Die Stadt ändert die aber Stundenzahl nicht. Der Kämmerer sagt, die Sperrmüll-Abfuhr ist der bessere Service. Die Stadt zahlt dem BAV jährlich 89.000 Euro für die wöchentliche Öffnungszeit von 14 Stunden.

Frank Steinhaus ist geladen, als er die Redaktionsräume betritt. Das spürt jeder, auch wenn er einen Atem-Nase-Schutz trägt. Er kommt gerade vom Wertstoffhof an der Albert-Einstein-Straße, wo er eigentlich nur zwei Teppichrollen abgeben wollte. Gegen Gebühr, versteht sich. Doch dort hat ihn am Mittwoch der Mitarbeiter abgewiesen. Es ist keine Öffnungszeit für Privatkunden. Wobei laut Steinhaus der BAV-Mitarbeiter des Wertstoffhofes zu der Zeit keinen gewerblichen Kunden bedient hat. „Da war sonst nichts los. Das geht doch gar nicht.“

Als er dann erbost ins Rathaus stürmt, wird er er von zwei Mitarbeitern einer Sicherheitsfirma am Eingang abgewiesen. Das Rathaus ist immer noch dicht. Kein Publikumsverkehr. Es ist noch Corona-Zeit. Zum Bürgermeister wird er sowieso nicht vorgelassen. Nur nach telefonischer Anmeldung. Und das Fachamt? „Auch dort die erste Frage: Ist es dringend? Wie wichtig? Oder können wir das schriftlich machen?“ Also keinen Termin.

In der Redaktion der Bergischen Morgenpost findet er Gehör. „Ich habe nur mittwochs Zeit. An allen drei anderen Öffnungszeiten dienstags, donnerstags und samstags muss ich arbeiten. Ich kann also nur an meinem freien Tag zum Wertstoffhof“, sagt Steinhaus. „Ich bezahle natürlich für die Teppiche, aber diese Öffnungszeiten sind völlig daneben“, schimpft Steinhaus. „Es ist doch lächerlich, wie hier der Amtsschimmel wiehert.“ Da müsse man sich nicht wundern, wenn Müll in den Wald gekippt oder abends einfach vors Tor des Wertstoffhofs gestellt werde. Dann zieht er ab. Noch nicht so richtig wissend, was er jetzt machen soll...

An den Öffnungszeiten wird sich vorerst nichts ändern. Das erklärt Stadtkämmerer Dirk Irlenbusch. „Den kommunalen Wertstoffhof gibt es seit Anfang des Jahres. Wir werden uns die Entwicklung bei Grünschnitt und Sperrmüll ein Jahr anschauen und dann zum Ende des Jahres mit dem Betreiber, dem Bergischen Abfallwirtschaftsverband (BAV) sprechen.“ Für Bürger wie Frank Steinhaus, die die Öffnungszeiten nicht nutzen können, hält die Stadt eine andere Entsorgung parat: die Sperrmüllabfuhr, erklärt er. „Der Bürger meldet Sperrmüll an. Das kostet 15 Euro. Der Bürger wird über den Abholtermin informiert, der Müll wird von der Haustür abgeholt.“ Im Wertstoffhof kostet dies zwar „nur“ zehn Euro; Irlenbusch dazu: „Wenn man den Service mit einbezieht, ist die Sperrmüllkarte günstiger.“ Die Preisgestaltung ist mit der Politik abgestimmt - sie hat die Gebührensatzung beschlossen.

Der Kämmerer glaubt nicht, dass das relativ kleine Fenster der Öffnungszeit von 14 Stunden - dienstags, donnerstags und samstags - vermehrt dazu führen werde, dass wilde Müllkippen entstehen. „Es gibt immer Menschen, die ihren Dreck abladen. Wir sehen das im Moment an den Container-Standorten.“ Dieser Personenkreis ignoriere, dass die Allgemeinheit für die Kosten aufkommen müsse.

Das Zeitkontingent im gewerblichen Wertstoffhof sei vom BAV gekauft worden. „Für diese wöchentlich 14 Stunden zahlt die Stadt. Das ist in einem privatrechtlichen Vertrag geregelt.“ Über die Abfallgebühren bezahlt der Bürger dies.

Nach Informationen der Redaktion zahlt die Stadt dem BAV die gleiche Summe wie damals an Remondis, die ja keine offizielle Annahmestelle für Wertstoffe von Privatleuten war. Aber die Anlieferung von Privatleutete duldete. Laut Stadt bekommt der BAV jährlich rund 89.000 Euro dafür, dass er auch private Wertstoffe und Grünschnitt annimmt.

Aus Sicht von Irlenbusch müsse langsam aufgehört werden, Wermelskirchen ständig mit Remscheid zu vergleichen. Die Nachbarstadt sei dreimal so groß und benötige daher auch viel mehr Öffnungszeiten. „Uns wird vorgehalten: In Remscheid sei das kostenfrei, in Wermelskirchen müsse das bezahlt werden.“ Darüber kann Irlenbusch nur mit dem Kopf schütteln. „In der Summe zahlen in Remscheid die Bürger die kostenfreie Abgabe.“

Und der BAV? „Die Wermelskirchener haben sich wohl noch nicht richtig auf die Öffnungszeiten eingestellt. In anderen Kommunen läuft das reibungslos“, entgegnet Christoph Rösgen, Leiter der Abfallwirtschaft. Der Bürger müsse die Wertstoffhof als ein zusätzliches Angebot sehen; „Sperrmüll-Abfuhr kann ja jeder in Anspruch nehmen“. Über eine Erweiterung der Öffnungszeit entscheide die Stadt Wermelskirchen - indem sie mehr Stunden einkauft. „Aber darüber wird Ende 2020 gesprochen“, sagt Rösgen.

 Ein Zusammenhang mit der geringeren Stundenzahl seit Übernahme des Wertstoffhofes durch den BAV und den wilden Müllkippen sieht Rösgen nicht. „Wir haben ein umfangreiches Entsorgungssystem. Da kann sich jeder drauf einstellen. Vor allem mit dem guten Abholservice.“

Für das Entfernen von wilden Müllkippen hat die Stadtverwaltung im Haushalt einen eigenen Etatposten - rund 30.000 Euro fallen da jährlich an. Finanziert durch die Abfallgebühren jedes Gebührenzahlers.