Kattwinkelsche Fabrik in Wermelskirchen Boyband-Stimmung beim Mitsingabend mit „Miljö“

Wermelskirchen · Die Kölsch-Band „Miljö“ schaute auf ihrer Unplugged-Mitsing-Tour auch in der ausverkauften Kattwinkelschen Fabrik in Wermelskirchen vorbei und erlebte einen Triumphzug.

 Das Konzept des Mitsingkonzerts der Kölner Band „Miljö“ in der Katt ging voll auf: Die fünfköpfige Gruppe spielt hauptsächlich Kölsch-Rock und ist damit auch im Karneval aktiv.

Das Konzept des Mitsingkonzerts der Kölner Band „Miljö“ in der Katt ging voll auf: Die fünfköpfige Gruppe spielt hauptsächlich Kölsch-Rock und ist damit auch im Karneval aktiv.

Foto: Jürgen Moll

Ein Touch von Boyband-Superstar-Zuständen war das am Mittwochabend in der ausverkauften Kattwinkelschen Fabrik. Und ja, es war eine Art von Boyband, die da auf der üppig dekorierten Bühne stand – die Musik war allerdings im Kölsch-Rock-Kosmos angesiedelt. „Miljö“ aus Köln hatte den Weg nach Wermelskirchen gefunden.

Die fünf Musiker um Gitarrist und Sänger Sven Löllgen waren zum dritten Mal hintereinander auf Unplugged-Mitsing-Tour, damit aber zum ersten Mal in der Katt. Der Publikumszuspruch – geschätzt 80 Prozent weiblich – gab Band und Veranstalter Recht, die Entscheidung, in Wermelskirchen kölsche Töne anzubieten.

Und auch die Lautstärke, mit der das Publikum sein Wohlwollen zwischen den Songs und beim Mitsingen kundtat, war ebenfalls alles andere als von schlechten Eltern. Solche Kreisch- und Jubelausbrüche war man ansonsten eher wirklich von eingangs erwähnten Boybands gewöhnt – eine treue Fanbasis nannte man das wohl.

Aber auch wenn man die rosarote Fanbrille abnahm – das war schon ganz großes Kölsch-Kino, was das Quintett mit aus der Domstadt ins Bergische gebracht hatte. Die Band, die es seit 2012 gibt, war in unzähligen Karnevalsauftritten zu den Profis gereift, die genau wussten, wie sie ihr Publikum für sich gewinnen konnten. Das Konzept eines Mitsingkonzerts lag bei dem Songmaterial der Kölsch-Rocker eigentlich auf der Hand, kein Wunder, dass das Quintett vor drei Jahren auf diese Idee gekommen war.

Und in gut zwei Stunden wurden über 20 Songs aus dem reichhaltigen Fundus der Band zelebriert, wer es nötig hatte, konnte über die ausliegenden Mitsinghefte die Texte mitlesen – oder besser noch mitsingen. Wobei, beim Blick ins Rund wurde schnell klar, dass die meisten Anwesenden diese verschriftlichte Hilfe gar nicht nötig hatten.

Natürlich waren es vor allem die wilderen Songs, die „Miljö“ zum Besten gaben, die beim Publikum besonders gut ankamen. Schön war dabei, dass auch die eigentlich eher ruhigeren Unplugged-Versionen, ihren rockigen Pendants in Sachen Energie in Nichts nachstanden. Die heftigsten Reaktionen – im positiven Sinne – gab es für die größten Hits des Quartetts: „Su lang die Leechter noch brenne“ etwa, mit seiner südamerikanisch angehauchten Melodie und der eingängigen Textzeile „Su lang beim Lommi die Leechter noch brenne“ war so ein Kandidat. Oder auch die neue Single „Et letzte Mol“ oder „Schöckelpääd“.

Kurz vor dem Einsturz war die Katt dann allerdings beim 2016er Hit „Wolkeplatz“, der zweiten Zugabe an diesem Abend. Der Song wurde schon zwischendurch lautstark gefordert und als er dann endlich gespielt wurde, als der Refrain mit seinem charakteristischen „dam, dam, dam…“ erklang, waren überall nur erhobene Hände und begeisterte Gesichter zu sehen – abgesehen davon wurde das Mitsing-Konzept bei diesen Songs absolut perfekt durchexerziert.

Wichtig war der Kölsch-Band dann auch die Ansage zum Song „Mol die Veeldel bunt“ von Sänger Sven. „Wir gehören jetzt auch zur Initiative ‚Arsch huh‘ gegen Rassismus. Wir lieben die Vielfalt in Köln und möchten auch ein Zeichen gegen Rassismus und rechte Gewalt setzen“, sagte der Sänger unter dem großen Applaus des Publikums. Ein Zeichen, das ankam, das guttat und wichtig war.

Am Ende war eines klar – der erste Miljö-Mitsingabend in der Katt dürfte kaum der letzte gewesen sein.

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