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Wermelskirchen: Milchpreis stagniert  – Dürre hält an

Milchbauern in Wermelskirchen : Milchpreis stagniert – Dürre hält an

Der Wermelskirchener Landwirt Torsten Mühlinghaus macht sich Sorgen um das Futter für seine Tiere – der erste Schnitt war verheerend. Und viele Discounter scheinen die Corona-Krise am Verhandlungstisch zu nutzen

Torsten Mühlinghaus ist keiner, der jammert. Er packt die Dinge an, sucht das Gespräch mit den Verbrauchern, protestiert, wenn es nötig ist. Er macht das neben seinem eigentlichen Beruf, der Arbeit als Milchbauer.

Aber manchmal wird Mühlinghaus ganz leise, weil sich Dinge nicht ändern lassen. Dinge, wie das Wetter. „Ich hatte noch nie so große Bauchschmerzen, wenn ich an das Futter für unsere Tiere gedacht habe, wie in diesem Jahr“, sagt er dann. Die Dürre habe den Landwirten in der Region den ersten Schnitt, den sie gerade von den Feldern geholt haben, völlig verhagelt. „Das sind Einbußen von mindestens 25 Prozent“, sagt er. Futter, das den Tieren im Winter fehlen wird. Wenn es im Juni endlich regne, könne der dritte und vierte Schnitt noch manches aufwiegen. Auch für den Mais hat er noch Hoffnung, weil er noch nicht in der Schossphase sei. „Wenn es nur endlich regnen würde“, sagt er.

Schließlich habe das vergangene Jahr die Landwirte und ihre Tiere schon gebeutelt. „Aber da war wenigstens der erste Schnitt gut, bevor es so trocken wurde“, erinnert er. Den Verkauf von Futter für Pferdehöfe hat er aktuell eingestellt. Er brauche alles für die eigenen Tiere. In diesem Jahr standen die Kühe früh auf der Weide und grasten – wegen der steigenden Temperaturen bringt Familie Mühlinghaus die Tiere inzwischen nachts auf die Wiese und holt sie tagsüber in den Stall. Dann bekommen sie das wertvolle Futter aus dem vergangenen Jahr. „Das sollte eigentlich bis September reichen“, sagt Mühlinghaus, „aber weil das vorige Jahr schon so trocken war, wird es uns wohl Ende Juli ausgehen.“ Entweder taste er dann schon das frische Futter an oder er kaufe teuer zu – um den Monat zu überbrücken.

Und das ist die Krux: Teures, zugekauftes Futter beeinflusst die Bilanz. „Denn obwohl wir mehr investieren müssen, steigt ja der Milchpreis nicht“, sagt Mühlinghaus. Dann erinnerte der Landwirt an Auflagen und neue Gesetze, die Investitionen nötig machten und manchmal auch Einfluss auf den Ertrag hatten. „Das würde für uns in Ordnung gehen, wenn der Milchpreis entsprechend steigen würde“, sagt Mühlinghaus.

Aber ganz im Gegenteil: Die meisten Discounter würden die Preise eher senken als heben. „Wir bleiben auf den Kosten sitzen“, resümiert der Bauer. Und das werde durch die Corona-Krise noch verstärkt. Der Milchpreis dümple seit einiger Zeit bei 33 Cent pro Liter vor sich hin. Die Tendenz sei eher fallend – obwohl der Einzelhandel in der Krise gut verkauft habe. „Aber die meisten Discounter sind selbst jetzt knallhart und halten den Druck auch in dieser Situation hoch“, sagt Mühlinghaus. Die Vertragspartner am Verhandlungstisch hätten gewusst, dass die Gastronomie als Milchabnehmer wegfalle und der Export schwieriger geworden sei. Also hätten sie den Druck gehalten, weil sie kalkulierten, dass die Molkereien viel zu verlieren gehabt hätten.

Nur Aldi habe in dieser Zeit den Milchpreis um sechs Cent erhöht, fünf davon gaben sie an die Molkereien weiter. „Das war ein gutes, aber einsames Signal“, sagt Mühlinghaus. Bei den Landwirten sei von dieser Erhöhung nichts angekommen – gleichzeitig sei nämlich der Preis für Butter gefallen.

Welche Macht bleibt den Landwirten am Verhandlungstisch? „So gut wie keine“, sagt Mühlinghaus. Das habe auch damit zu tun, dass sich die rund 200.000 Milchbauern in Deutschland so wenig einig seien. Am Ende stehe sich jeder selbst und seiner eigenen Existenz am nächsten. Als sie es damals darauf ankommen ließen und ihre Milch auf den Straßen ausgossen, um für rentable Milchpreise zu kämpfen, da wurde kurzerhand Milch aus Polen eingekauft.

„Uns bleibt der Protest“, sagt Mühlinghaus – „und das Gespräch mit den Verbrauchern“. Deswegen ist er mit seiner Familie regelmäßig bei den Großdemonstrationen der Landwirte dabei, fährt mit dem Trecker lange Strecken. „Manchmal werde ich etwas müde, weil so wenige junge Kollegen mit im Einsatz sind“, sagt er. Aber: Er habe den Eindruck, dass die Politik zuhört und Gesetz-Entwürfe zuweilen auch anpasse. Und: „In den vielen Gesprächen auf den Straßen habe ich auch den Eindruck gewonnen, dass viele Menschen in der Bevölkerung hinter uns stehen.“ Dann deuten Menschen am Straßenrand mit dem Daumen nach oben. Verbraucher entscheiden sich für die „gute“ Milch, die aus den heimischen Ställen kommt.

„Wenn es doch nur regnen würde“, sagt Mühlinghaus noch, bevor er wieder zu den Kühen geht.