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Wermelskirchen: Materialmangel bei Heizungsbauern und Sanitärhandel

Traditionsfirma aus Wermelskirchen : Materialmangel bei Heizungsbauern

Ausgerechnet zu Winterbeginn ächzen die Sanitär- und Heizungstechniker wie selten unter Materialmangel. Das trifft auch die Wermelskirchener Traditionsfirma Albert Haas KG. Noch kann sie aber ohne Notfallplan arbeiten.

Bernd Haas und seine Ehefrau Kai sind das Auf und Ab von Wirtschaftszyklen gewohnt. Immerhin existiert ihre Firma Albert Haas KG schon seit fast 90 Jahren am Markt und damit länger als jedes andere Sanitär- und Heizungsunternehmen in Wermelskirchen am Ort. Doch was sich aktuell in der Branche abspielt – das hat Gesellschafter Bernd Haas so auch noch nicht erlebt. „Es gibt Kollegen, die sich bereits mit Elektroradiatoren eindecken“, erzählt der zweifache Meister, der den Betrieb seit Anfang der 90er Jahre leitet und damit in dritter Generation fortführt. Bei ihm arbeite man zum Glück momentan noch ohne Notfallpläne. Heißt konkret: „Wenn bei unseren Kunden die Heizung kaputt geht, haben wir das bisher immer noch irgendwie hinbekommen.“

Doch wie lange das weiter einigermaßen gut geht, vermag der Chef von fünf Gesellen, zwei Lehrlingen und einer Bürokraft nicht zu sagen. Denn der Materialmangel, den die Branche schon seit über einem halben Jahr spürt, nehme stetig zu – ohne Aussicht auf ein nahes Ende. Im Gegenteil: „Es braucht bloß wieder eine neuer Virusausbruch aufzutauchen, und schon machen die Chinesen einmal mehr ihre Häfen dicht, um die Bevölkerung zu schützen.“ Das sei ein großes Problem für das Sanitär- und Elektrohandwerk, „weil dadurch die Chips fehlen, die heutzutage in jeder modernen Heizung stecken“. Weshalb aktuell alle, bei denen die Heizung nicht mehr ganz rund läuft, hoffen sollten, dass diese den Winter übersteht: „Es könnte passieren, dass die Heizung bei Minustemperaturen den Geist aufgibt und dann kurzfristig kein Ersatz zu kriegen ist.“ Ein ­­Risiko, das auch Ehefrau Kai besorgt im Blick hat. Die Mitgesellschafterin befasst sich im gemeinsamen Betrieb schon seit langem mit allen technischen Aspekten und kann daher ebenfalls nur warnen: „Nicht alles, was wir gerne reparieren möchten, werden wir in Anbetracht der aktuellen Lage auch garantiert reparieren können.“ Man stoße schlicht an seine Grenzen, „wenn wegen global gestörter Lieferketten die Ersatzteile fehlen“. Ein Risiko, das vor allem die neueren Heizungsmodelle betrifft.

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Doch auch bei älteren Modellen sei eine Reparatur nicht immer gewährleistet: „Hier haben wir mitunter das Problem, dass nötige Ersatzteile gar nicht mehr gefertigt werden. Wenn es die Teile dann auch nicht auf Lager gibt, lässt sich da leider auch nichts mehr machen.“ Hinzu komme, dass ein möglicher Material- oder Ersatzteilmangel derzeit mitnichten der einzige Engpass sei: „Die Sanitär- und Heizungsinstallateure erfahren schon seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie einen wahnsinnigen Boom. Das liegt unter anderem daran, dass die Leute das Geld, das sie durch weniger Reisen eingespart haben, zum Beispiel in neue Bäder oder bessere Sanitärtechnik stecken.“

Zudem wollen viele Hausbesitzer „wegen der aktuell hohen Fördermittel ihre alten Öl- oder Gasheizungen austauschen lassen“. Auch das steigert die Nachfrage nach den Leistungen von Heizungsbauern. „Alles Faktoren, die in normalen Zeiten für unsere Branche natürlich ein Grund zur Freude wären“, sagt Kai Haas. „Bei knappen Pufferspeichern und fehlenden Halbleitern bereitet dieser anhaltende Boom jedoch auch schon mal Sorge.“ Zumal im Handwerk schon seit Jahren chronisch die Nachwuchskräfte fehlen, „weshalb auch wir mal wieder ganz aktuell dringend Mitarbeiter suchen“.

Trotzdem bleiben Kai und Bernd Haas einigermaßen optimistisch: „Wir werden auch diese Krise meistern, indem wir reparieren und liefern und einbauen, was wir können.“ Es könnte allerdings schon sein, „dass die Kunden hier und da ein wenig Geduld und Verständnis mitbringen müssen“.