Konzert in Wermelskirchen Kunstlieder beim Wohnzimmerkonzert im Haus Eifgen

Wermelskirchen · Maren Montauk und Dave Schwarz präsentierten am Donnerstagabend eindringlichen New Pop und Jazz vor handverlesenem Publikum im Haus Eifgen.

 Maren Montauk und Dave Schwarz traten im Haus Eifgen vor einer nur handverlesenen Zahl an Zuhörern auf.

Maren Montauk und Dave Schwarz traten im Haus Eifgen vor einer nur handverlesenen Zahl an Zuhörern auf.

Foto: Theresa Demski

Es ist immer eine zwiespältige Angelegenheit, wenn intime und zerbrechliche Konzerte wie das von Sängerin Maren Montauk und ihrem Begleiter am Flügel Dave Schwarz am Donnerstagabend im Haus Eifgen vor einer nur handverlesenen Zahl an Zuhörern stattfinden. Denn auf der einen Seite tut es einem für die beiden Künstler ein wenig leid, dass sie ihre Musik nicht vor einem größeren Publikum spielen können. Auf der anderen Seite ist es so, dass diese Art von Konzerten geradezu nach diesem kleinen Rahmen schreien, dass es so vollkommen stimmig ist, dass eine überfüllte, verschwitzte und, seien wir ehrlich, oft auch etwas laute und unaufmerksame Atmosphäre eines ausverkauften Hauses kontraproduktiv wäre.

Mit diesem Widerspruch leben müssen die Besucher und das Duo gleichermaßen. Allerdings ist das alles auch gar nicht so schlimm wie man meinen möchte. Denn glücklicherweise kann man den großen Raum mit dem Vorhang so klein machen, dass das Haus Eifgen zum Wohnzimmer wird, in dem die Zuhörer deutlich weniger verloren wirken, als es im großen Saal der Fall gewesen wäre. Und vor allem ist das Duo professionell genug, dass es keine Probleme damit hat, auch im kleinen Rahmen die volle Show abzuliefern.

Und, zwiespältig hin oder her, die Songs, die irgendwo in der sehr interessanten Schnittmenge aus New Pop, Jazz und Singer/Songwriter angesiedelt sind, funktionieren in diesem intimen Rahmen eben doch am besten. „Schön, dass doch noch einige Besucher gekommen sind. Beim nächsten Mal bringt noch jeder einen zweiten mit, dann sind wir auch schon 30“, sagt Maren Montauk, die eigentlich Kessler heißt, und ist dabei sicherlich nicht nur höflich.

Es sind Kunstlieder, die unter dem Motto „Peace Songs“ stehen. Kunstlieder, das bedeutet nun allerdings auch nicht, dass es hier besonders verkopft zugeht. Im Gegenteil, die Stücke sind zugänglich, aber alles andere als beliebig. Sie leben, wenig überraschend, vom lustvollen Wechselspiel von Gesang und Klavier. Man nehme etwa „Serious“, ein Stück über „eine sehr toxische Beziehung“, wie Maren Montauk sagt.

Hier spielt Dave Schwarz einen marschartigen Rhythmus auf den tiefen Tasten, legt zumeist in Moll gehaltene Akkorde darüber, während die Sängerin wie eine in Lust gezeugte Tochter von Björk und Alanis Morrissette in einer Mischung aus Klage und Wut singt. Den männlichen Part in der toxischen Beziehung übernimmt im Mittelteil der Pianist – und es entstehen der Kampf, die Krise und die Katastrophe in Liedform, ehe es vielleicht zum Frieden und der Trennung kommt.

Es ist aber bei Weitem nicht alles ganz ernst an diesem Donnerstagabend. So zieht sich als Running Gag durch das Konzert, dass die Sängerin keine Setlist auf der Bühne hat. „Jetzt rede ich schon wieder so viel, weil ich keine Liste habe und gar nicht weiß, was als Nächstes kommt“, sagt sie einmal schmunzelnd. Wie gut, dass es Dave Schwarz gibt, der vor der Bühne an seinem Flügel sitzt und als Souffleur für die jeweils nächsten Stücke fungiert, was immer wieder zu Kichern im Publikum führt.

Es ist diese Mischung aus Nahbarkeit und Entrücktheit, aus Ernst und Lust am Spiel, die aus diesem Wohnzimmerkonzert ein ganz besonderes Erlebnis werden lässt, bei dem mehr Publikum gar nicht wirklich fehlt.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort