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Wermelskirchen: Mäharbeiten in der Stadt - das sagt ein Mitarbeiter

Mensch und Stadt : Kein Traumjob — aber so ähnlich

Achim Burghoff arbeitet für die Stadt. Jetzt und im Herbst mäht er die die Randbereiche der Straßen. Als Kind hatte er den Job nicht auf dem Schirm, glücklich ist er damit trotzdem.

Vier Stufen sind es aus dem Fahrerhäuschen bis zum Boden. Die nimmt Achim Burghoff gerade rückwärts, nachdem er die massive Tür seines Unimogs geöffnet hat. Auf dem Boden angekommen dreht er sich um und schaut den Berg herunter. Richtung Töckelhausen. Dann breitet er die Arme aus und sagt: „Ich hab‘ doch den schönsten Job der Welt oder?“ Burghoff arbeitet bei der Stadt Wermelskirchen, ist für die Straßenunterhaltung zuständig.

Gerade mäht er die Randbereiche der Wege. An das Universal-Motor-Gerät von Mercedes-Benz hat er deshalb den roten Mäher im Frontbereich angebracht. Alles glänzt. „Ich wasche den Wagen ja auch regelmäßig“, sagt er. In der Zentrale im Betriebshof weiß jeder: Der Truck gehört zu Achim Burghoff. Er fährt ihn eigentlich das ganze Jahr lang. Vorhin hat der 64-Jährige den Wagen noch fast vollgetankt. 160 Liter passen rein. Gemäht wird zwei Mal im Jahr. Mit dem ersten Schnitt beginnt Burghoff Mitte oder Ende Mai. Der dauert dann rund sechs Wochen. Zu dieser Zeit darf nur rund einen Meter entfernt von den Straßen und Wegen gemäht werden, weil Bodenbrüter sich im dichten Gras angesiedelt haben könnten. Ob er schon mal welche erwischt hat, kann Achim Burghoff gar nicht so genau sagen. „Davon spürt man hier oben nicht unbedingt was.“ An manchen Stellen muss der Stadtmitarbeiter nachmähen, weil das Gras so schnell wächst.

 Auch nach 19 Jahren bleibt Burghoff konzentriert. Hektik sollte es in seinem Job nicht geben, sagt er.
Auch nach 19 Jahren bleibt Burghoff konzentriert. Hektik sollte es in seinem Job nicht geben, sagt er. Foto: Mario Büscher
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Im Spätsommer und im Herbst steht dann die nächste Mahd auf dem Plan. Da können auch mehrere Mähbreiten gemäht werden, wie es im Fachjargon heißt. Das zweite Mähen dauert daher auch etwas länger. Insgesamt müssen 125 Stellen an Gemeindewegen und rund 30 Stellen an Wirtschaftswegen gestutzt werden. Heute ist also die Straße nach Töckelhausen dran. Achim Burghoff hat in der Zwischenzeit genug den Ausblick genossen. Er schwingt sich zurück in den Unimog mit der Aufschrift „Mäharbeiten“ am Heck, fährt das Mähwerk vom Boden hoch und noch einige Meter zurück. Dann lässt er es wieder auf den Boden sinken und fährt vorwärts. „Der Mäher passt sich an den Untergrund an“, sagt Burghoff. Dafür sorgen spezielle Sensoren.

Er beobachtet den Wegesrand trotzdem sehr genau. Sieht er ein größeres Hindernis, muss er manuell eingreifen und den Mäher nach oben ziehen. „Besonders tückisch sind Stacheldrähte oder irgendwelche Ketten“, weiß er. Die sieht er nämlich spät. Übersieht er sie, wickelt der dünne Stahl sich direkt um die scharfen Messer des Mähers und beschädigen ihn. Weiterarbeiten kann Burghoff dann nicht.

 Auch von hinten kann man sehen was hier passiert. Autofahrer müssen sich manchmal gedulden.
Auch von hinten kann man sehen was hier passiert. Autofahrer müssen sich manchmal gedulden. Foto: Mario Büscher

Generell muss er die Konzentration permanent hochhalten. Auf der linken Seite den Straßenverkehr im Auge behalten, rechts den Mäher steuern und auch auf die Rückseite achten. Dafür sind mehrere Kameras im Lkw angebracht. Die werden aber nur in Ausnahmefällen genutzt. Achim Burghoff ist erfahren. Er macht den Job seit 19 Jahren. „Dass ich in der Zeit besser geworden bin würde ich nicht sagen. Aber routinierter und ruhiger“, sagt er. Hektik bringt gar nichts in seinem Job. Auch nicht wenn sich hinter ihm schon eine kleine Autoschlange bildet. Die müssen dann eben kurz warten, bis Burghoff sie durchlässt. Was er normalerweise macht, sagt er. „Die meisten Menschen sind aber auch verständnisvoll“, so Burghoff. Viele kennen den Mann mit dem Unimog mittlerweile. Manchmal bleibt er kurz stehen und hält ein Pläuschchen mit den Leuten. Letztendlich werden die Wege ja auch zu ihrer Sicherheit geschnitten. Burghoff muss die sogenannten Sichtdreiecke freimähen, sodass Fahrzeugführer beide Seiten der Vorfahrstraße erkennen, auf die sie einbiegen wollen. Es werden alle Kreuzungen gemäht, auf denen eine Gemeindestraße auf eine Kreis-, Land- oder Bundesstraße trifft.

Aber auch entlang der Gemeindestraßen und auf den Wirtschaftswegen wird gemäht. „Das in die Straßen wachsende Gras führt dazu, dass die Straßen verengt werden und somit Fußgänger und Radfahrer keinen ausreichenden, sicheren Platz mehr haben“, heißt es von der Stadtverwaltung. Auch Kurven sind teilweise unübersichtlich. Wenn Achim Burghof mit seinem Mäher da war, ist das alles kein Problem mehr. Dann gibt es freie Sicht. Er hat so viel Freude an dem Job, dass er sogar die Rente um ein Jahr verschoben hat. „Ich hätte eigentlich schon aufhören können“, sagt er. Hat er aber nicht. Wenn das Gras im September geschnitten ist, wird auch der Mäher nicht mehr gebraucht. Dann nimmt Burghoff ihn von seinem Unimog ab. Im Winter wird dann der Schneeschieber angebracht. Aber der Fahrer bleibt seinem Wagen treu. „Mein Kindheits-Traum war der Job hier zwar nicht, aber so ähnlich“, sagt er.