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Wermelskirchen: Lieselotte Eisenbach hat den Rummikub-Club gegründet

Zehn Jahre Rummikub-Club in Wermelskirchen : Eine Runde Rummikub mit der Meisterin

Vor zehn Jahren hat Lieselotte Eisenbach den Rummikub-Club gegründet. Wer mit ihr ein Spielchen wagt, kann viel lernen.

Alles ist vorbereitet: Lieselotte Eisenbach hat Kaffee gekocht und Kekse gebacken, auf dem Tisch steht eine schöne Holzschatulle, daneben liegen zwei Bänkchen für die Spielsteine. „Mit Uhr oder ohne?“, fragt die 83-Jährige. Wer gegen die Deutsche Meisterin im Rummikub antritt, der ahnt, dass er auf die Uhr lieber verzichtet. Stattdessen beginnt der Aufbau. Aus den edlen Holzschatullen zaubert Lieselotte Eisenbach kleine Stahlgerüste, in denen jeweils sieben Rummikub-Steine gestapelt sind. Zwei Stapel bekommt der Gegner, zwei lässt sie sich aushändigen. Wer Lieselotte Eisenbach beim Sortieren beobachtet, der entdeckt viel Routine.

Während sie die Steine auf dem Holzbänkchen sortiert, erinnert sie sich: „Wir haben schon früher immer Rummikub gespielt.“ Es sei 40 Jahre her, seit sie ihr erstes Spiel gekauft habe. Die Ausgabe hat sie noch – mit dem Siegel „Spiel des Jahres 1980“. Die Steine in der alten Schachtel sind klein, die Bänke aus Plastik. „Damals haben wir noch die 1 an die 13 gelegt“, erzählt sie lachend. Das würde ihr heute nicht mehr passieren. „Im Wettkampf ist das nicht erlaubt“, sagt sie.

Als Lieselotte Eisenbach irgendwann beim Spielen merkte, dass ein Stein verschwunden war, stattete sie dem örtlichen Spielwarengeschäft einen Besuch ab. Ob man den Stein einzeln nachkaufen könne, fragte sie. Die Verkäuferin riet ihr, sich direkt an den Spielehersteller Jumbo zu wenden. Und damit begann eine aufregende Geschichte: Denn nach dem Anruf bei Jumbo in Lüdenscheid hatte sie nicht nur die Zusage für den neuen Stein, sondern auch die Einladung zur Stadtmeisterschaft in Lüdenscheid in der Tasche. Das war vor 20 Jahren. „Ich habe damals gefragt, ob ich meine Freundinnen mitbringen darf“, erzählt sie lachend. Gemeinsam brachen sie zu ihrem ersten Rummikub-Turnier auf. Jetzt nickt Lieselotte Eisenbach konzentriert über den Tisch. „Können Sie rauskommen?“ fragt sie. 30 Zähler braucht es, um das Spiel zu beginnen. Und ehe sich der Gegner versieht, hat die 83-Jährige ihre erste Reihe gelegt. „Weiter“, sagt sie dann. Und während sie ihrem Gegner beim Ziehen zusieht, entstehen neue Ideen. Sie konzentriere sich nicht so sehr auf ihr Brett – welche Zahlen und Farben dort liegen, habe sie schnell abgespeichert. Stattdessen beobachtet sie das Geschehen auf dem Tisch – und schaltet blitzschnell. Wer ihr dabei zusieht, der kann erkennen, wie sie in Windeseile Pläne schmiedet, um ihre Steine loszuwerden. Kaum zehn Minuten später ist ihr Bänkchen leer. „Meine Familie will schon nicht mehr mit mir spielen“, erzählt sie lachend. Am Ende gewinne ja doch immer Oma. Sie dreht nun das Bänkchen ihres Gegners um. „Die hätten Sie loswerden können“, sagt sie. Und dann schiebt sie hier, ordnet dort und schon sind die letzten drei Spielsteine auf dem Bänkchen verschwunden.

Was heute so leicht aussieht, hat viel damit zu tun, wie sich die Geschichte damals – nach dem Anruf in Lüdenscheid – entwickelte. Denn nach dem Besuch der ersten Stadtmeisterschaften, lud Jumbo sie ein, auch an den Deutschen Meisterschaften teilzunehmen. Sie steckte Enkelin Ann Cathrin mit der Begeisterung an, die künftig ebenfalls an Turnieren teilnahm. Als sich Lieselotte Eisenbach 2009 mal wieder auf den Weg zu einer Deutschen Meisterschaft machte – kehrte sie mit dem Titel zurück. Noch im gleichen Jahr brach sie zur Weltmeisterschaft in Spanien auf. Dort belegte sie den siebten Platz.

„Danach standen fast täglich Menschen vor meiner Tür, die eine Runde mit mir spielen wollten“, erzählt sie und mischt die Steine für eine neue Runde. Manchmal saßen am Nachmittag vier Besucher am Wohnzimmertisch und vier am Esszimmertisch und zockten. Keine Gelegenheit wurde ausgelassen, um eine Runde Rummikub zu spielen. Und dann kam ihr die Idee: Sie würde einen Raum suchen und einen Spieletreff gründen. Allerdings entpuppte sich die Raumsuche als schwierig, bis die Evangelische Kirchengemeinde in Neuenhaus ihr Stephanus-Gemeindezentrum anbot. „Das Interesse war riesig“, sagt sie, „und ist es noch“. Vor Corona kamen einmal im Monat bis zu 50 Spieler zum Rummikub-Club. Jumbo hat bei der Ausstattung mit den Spielen geholfen, inzwischen haben alle Steine einen Platz in einer der schönen Holzschatullen gefunden, die der befreundete Künstler Werner Wick gefertigt hat.

Die Spieler machen sich längst gemeinsam auf den Weg zu Turnieren und Meisterschaften. Die Wermelskirchener messen sich mit Spielern aus Beckum, Wuppertal und Ratingen. Aus den Reihen des Clubs sind bereits neue Deutsche Meister hervorgegangen. 2011 und 2012 richteten die Wermelskirchener die Deutschen Meisterschaften in Neuenhaus aus.

„Es hat mir einfach immer Spaß gemacht und hat mich irgendwie auch fit gehalten“, sagt Lieselotte Eisenbach und klopft sich an die Schläfe. Inzwischen ist sie bereit zur nächsten Runde. Es gebe neue Joker erklärt sie noch – einen, der die Farbe wechselt, einen, der zwei Zahlen ersetzt und einen, an dem sich die Zahlen spiegeln. Dann eröffnet sie das Spiel – und gewinnt lächelnd auch diese Runde.