1. NRW
  2. Städte
  3. Wermelskirchen

Wermelskirchen: „Lesen ist doch keine Arbeit“

Mein Arbeitsplatz : „Lesen ist doch keine Arbeit“

Barbara Busch arbeitet seit 35 Jahren als Buchhändlerin. Bis heute erfreut sie sich an diesem besonderen Geruch der Bücher.

Morgens, wenn Barbara Busch den Laden aufschließt, dann riecht sie es noch. Selbst nach so vielen Jahren. Dann weht ihr dieser besondere Geruch entgegen, den nur frisch gedruckte Bücher verströmen. Und der Buchhändlerinnen wie Barbara Busch an all die Abenteuer und Gefühle, an all die Geschichte und Poesie denken lässt, die sich zwischen den unzähligen Seiten verbergen. Diesen Zauber, diesen Geruch hat Barbara Busch schon aufgesogen, als sie kaum lesen konnte. Da stöberte sie bereits in der Buchhandlung nach den neuesten Geschichten und später ließ sie sich kaum ein literarisches Abenteuer entgehen. „Ich glaube eigentlich nicht, dass es Buchhändler gibt, die keine Leseratten sind“, sagt sie. Und genau die sei sie immer gewesen. Auch heute noch würden sich auf ihrem heimischen Nachttisch die Bücher und Geschichten stapeln – die brandneuen, die noch niemand kennt und die Klassiker, die Barbara Busch immer mal wieder zur Hand nimmt. Gerade liest sie Matthias Brandt und blättert zuweilen ungläubig durch die Seiten ob des großen Sprachgefühls des Schauspielers.

Ob sie dienstliches und privates Lesen trenne? „Nein“, sagt sie ohne zu zögern, „Lesen ist doch keine Arbeit.“ Und trotzdem liest sie kaum ein Buch, das nicht auch Einfluss auf ihren Arbeitsalltag hätte. Wenn etwa Kunden auf der Suche nach Geschenkideen zu Marabu kommen, dann denkt die Buchhändlerin an die letzten Titel, die sie selbst gelesen hat. Oder wenn die Buchhandlung zu den beliebten Sofaabenden einlädt, an denen die Mitarbeiter ihre neuesten Lieblingsbücher vorstellen: Auch dann bringt sie hin und wieder einen Titel vom Nachttisch mit.

Bis heute kann Barbara Busch es kaum erwarten, sich einen ruhigen Moment auf dem Sofa zu gönnen, um in den neuen Verlagskatalogen zu blättern und zu entdecken, welche Bücher in einem halben Jahr auf den Markt kommen. „Das ist richtig spannend“, sagt sie. Erst recht, wenn die Verlage den Buchhändlern erste Seiten der Autoren zukommen und sie stöbern lassen in den Geschichten der Zukunft. Nein, sie habe es nie bereut, nach dem Abitur Buchhändlerin geworden zu sein, sagt Barbara Busch. All die Faszination sei bis heute geblieben.

Und auch wenn das Buch in die zweite Reihe und der Kunde in die erste rückt, ist Barbara Busch in ihrem Element. „Das schönste an meinem Beruf ist der Kontakt mit den Menschen“, sagt sie. Nur wenn der Kunde mit einem Lächeln den Laden verlasse oder noch abends am Abendbrottisch von seinem Ausflug in die Buchhandlung erzähle, habe sie ihren Job gut gemacht. Von besonderen Wünschen über die Suche nach Büchern, die längst vergriffen sind bis zu einem Pläuschchen: „Diese Arbeit macht mir einfach Spaß“, sagt Barbara Busch.

Und dazu gehört es auch, am Morgen nach dem Aufschließen die Bücherwannen hinein zu holen, die nachts per Verlagskurier ankommen – Bücher, die Kunden über das Internet bestellt oder Bestellungen, die die Buchhändler für ihre Kunden übernommen haben. Die Titel wollen gesichtet und einsortiert werden, bevor die Kunden ab 10 Uhr zum Abholen kommen. Täglich erreichen viele Bestellungen auf unterschiedlichen Wegen die Buchhändlerin. „Und wir kümmern uns dann darum, dass der Titel am nächsten Tag bei uns im Regal steht“, sagt Barbara Busch. Und amazon? Den Internethändler empfinde sie nicht als Feind. Er diene vielen Kunden als Recherchewerkzeug, bevor sie in die Buchhandlung kommen. „Manche bringen sogar einen Ausdruck mit“, sagt sie. Und in der Buchbranche sei es, anders als in anderen Branchen, auch nicht üblich, dass sich Kunden im Laden beraten lassen, um dann im Internet zu kaufen. „Der Preis ist gleich, wir sind genauso schnell“, sagt Barbara Busch, „und das wissen viele Kunden auch inzwischen.“
Abends, bevor sie den Laden zuschließt, atmet Barbara Busch dann noch mal tief durch – bevor sie sich auf den Weg zu ihrem vollbepackten Nachttisch macht.