Kabarett in Wermelskirchen Lebensweisheiten von und mit Stefan Waghubinger

Wermelskirchen · Der Kabarettist mit österreichischen Wurzeln, der schon seit vielen Jahrzehnten in Deutschland lebt, war mit seinem dritten Programm in der Kattwinkelschen Fabrik zu Gast.

Stefan Waghubinger machte Station in Wermelskirchen.  Foto: Josua Waghubinger

Stefan Waghubinger machte Station in Wermelskirchen. Foto: Josua Waghubinger

Foto: Josua Waghubinger

Stefan Waghubinger kleckerte nicht, er klotzte. Der österreichische Kabarettist, der schon seit vielen Jahrzehnten in Deutschland lebt, gab sich für sein neues Programm „Jetzt hätten die guten Tage kommen können“ nicht wie viele andere seiner Zunft mit einem einfachen Bistro-Tisch und vielleicht noch einem Mikrophon zufrieden. Im Gegenteil, auf der Bühne der Kattwinkelschen Fabrik war am Samstagabend der Dachboden seines Elternhauses nachgebaut, mit Leitern, alten Möbeln, Tisch und Stühlen. Denn er sei gerade „in Trennung“, so dass er seine Möbel und „restlichen Sachen“ irgendwo unterbringen müsse. Das war natürlich ein durchaus ungewöhnliches Bühnenbild, aber eines, das auch nicht zu sehr vom Inhalt des Programms ablenkte.

Darin ging es in einer recht lakonischen Art und Weise um Beziehungen, Erinnerungen und das Leben an sich. Dabei seien Erwartungen oft gar nicht so zuverlässig. „Schon als kleiner Bub habe ich ganz oft genau gewusst, was kommen würde – und dann kam es ganz anders.“ Auch in der Beziehung sei das so. Da habe er immer genau gewusst, was von seiner Frau komme und dann habe sie doch wieder ganz anders reagiert. Vielleicht kamen so Situationen wie diese zustande: „Ihr wurde es zu eng in der Beziehung, ich habe dann gesagt, vielleicht brauchen wir mehr Nähe. Sie hat dann gesagt: Ja, ich brauch mehr Nähe, aber vor allem zu Dingen, die weit weg von Dir sind.“ Tja, nun.
Er müsse dann aber damit aufhören, weil sonst wirke er traurig, was er ja gar nicht sei. „Ich bin gar nicht traurig“, sagte er folgerichtig. Und dann kam einer jener Sätze mit lapidar-philosophischer Erkenntnis völlig nonchalant um die Ecke: „Da hat man mal einen Grund, traurig zu sein und dann ist man es gar nicht.“ Ein Hammer-Satz, der deutlich machte, auf welchem Niveau Waghubinger sich bewegte. Noch so ein Satz, der quasi aus dem Nichts heraus strahlte, war dieser, zwar bezogen auf eine elektrische Zahnbürste, aber durchaus ganz global zum Leben passend und als Gesellschaftskritik lesbar: „Die Maschinen brauchen immer mehr Energie, die Menschen haben dafür immer weniger.“

Die Beziehung war nur der Aufhänger, die Themen vielseitig anwendbar. So habe er wohl nach dem Auszug der Kinder einen Raum für sich im ehemaligen Kinderzimmer einrichten wollen, worauf er sich auch gefreut habe. „Ich wollte mir einen Hobbyraum einrichten. Aber ich habe gar kein Hobby.“ Das war durchaus tragisch in seiner weitergedachten Konsequenz. Aber es war halt auch witzig, wenn es mit dem leicht österreichischen Schmäh vorgetragen wurde, in der sympathischen Art des Waghubingers, der ein wenig nuschelte, sich immer per Du ans Publikum wandte, wenn er von vermeintlich gemeinsamen Bekannten sprach, „dem Peter“ oder „dem Wolfgang“, und ganz nebenher immer wieder Köstlichkeiten wie diese heraushaute: „Ich möchte nicht schlecht über meine Frau reden. Aber wer denn sonst?“

Die Pointen mochten nicht immer sofort sichtbar sein. Aber sie zündeten. Immer, auch wenn sie manchmal mit einem etwas verschämten Höhöhö aus dem Publikum einheringen. Das war dann nämlich immer das Zeichen, dass sie ins Schwarze getroffen hatten. Genau wie diese, weitere Lebensweisheit: „Die Erkenntnis, dass es zu spät ist, kommt ja meist nicht rechtzeitig.“

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