Wermelskirchen: Landwirte kämpfen um Existenz

Landwirtschaft in Wermelskirchen : Landwirte kämpfen um ihre Existenz

Der trockene Sommer steckt den Landwirten noch in den Knochen. Aber Torsten Mühlinghaus blickt optimistisch auf die neue Saison – wären da nur nicht neue Verordnungen und Auflagen.

Wenn Torsten Mühlinghaus früh am Morgen das Haus verlässt und die paar Schritte zum Melkstand geht, dann bleibt er manchmal für einen Augenblick stehen. Dann hört er die Vögel, die singen, dann blickt er über die Felder in Mittelrautenbach und atmet die frische, unverbrauchte Luft ein und sieht seinen Kühen beim Grasen zu. „Dann ist dieser Beruf der schönste der Welt“, sagt der Landwirt.

Dann denkt er an den Milchpreis, mit dem er aktuell leben könne. Er denkt daran, dass der erste Schnitt bereits erledigt ist, dass Mais und Getreide gut wachsen und der zweite Schnitt folgt. „Die Panikmache vor dem nächsten trockenen Sommer ist Quatsch“, sagt Mühlinghaus. Jedes Jahr sei anders. Zwar würden die Landwirte noch immer mit den Folgen des trockenen Sommers 2018 kämpfen. „Ich kann mich seit Tschernobyl an kein Jahr erinnern, in dem uns die Gras-Silage ausgegangen ist“, sagt Mühlinghaus. Wegen der Trockenheit im vergangenen Jahr, kam das nun wieder vor. Landwirte mussten Futter für ihre Tiere zukaufen, weil die Felder nicht genug hergaben. Das war teuer. „Die Reserven im Boden sind noch lange nicht wieder aufgefüllt“, sagt Mühlinghaus, „dafür müsste es vier Wochen durchregnen.“ Aber das Frühjahr sei längst nicht so trocken gewesen wie im vergangenen Jahr. Und es falle gerade genug Regen. Deswegen blickt er morgens dann auch ganz zufrieden über die Felder. Allerdings werden mit dem Tag dann auch die Probleme wach. „Für immer mehr Landwirte werden die Probleme existenziell“, sagt Mühlinghaus und denkt an jene Betriebe, die die Segel gestrichen haben – weil sie von ihren Höfen nicht mehr leben konnten, weil die nächste Generation sich nicht mit den höher werdenden Hürden abplagen wolle.

Dann kommt Mühlinghaus auf das Thema „Düngeverordnung“ zu sprechen. Im Bergischen sei die Welt eigentlich noch in Ordnung, sagt der Landwirt. Die roten Gebiete, und die liegen vor allem am Niederrhein, haben neue Auflagen bekommen, um das Wasser zu schützen. „Das Problem ist nur: Jetzt wird nicht auf eine seriöse Auswertung gewartet“, sagt der Landwirt. Nur wenige Monate, nachdem die Verordnung in Kraft getreten sei, habe man die Werte erneut gemessen. „Da kann sich natürlich noch gar kein Erfolg einstellen“, sagt Mühlinghaus. Anstatt der Landwirtschaft Zeit zu geben, werde die nächste Verordnung auf den Weg gebracht. Mit diesem „ganz-schnell“-Verfahren würde das Vertrauen der nächsten Generation auf eine harte Probe gestellt. „Da machen viele einfach nicht mehr mit“, sagt Mühlinghaus.

Das gelte fast noch stärker beim Thema „Bauvorschriften für Silo- und Güllelagerung“. Ein neues Gesetz sieht vor, dass Gras für den Winter nicht länger auf freien Flächen gelagert werden dürfe, sondern auf wasserundurchlässigem Beton, mit der Möglichkeit, Regenwasser aufzufangen. So sollen Silagesäfte verhindert, das Wasser geschützt werden. „Das kostet einen Landwirt 300.000 Euro“, sagt Mühlinghaus. Wenn der aber nun zur Bank gehe, einen Kredit beantrage und eingestehen müsse, dass die bauliche Veränderung nicht bedeute, auch mehr produzieren zu können, schicke einen die Bank unverrichteter Dinge wieder nach Hause. „Das ist bedrohlich für die eigene Existenz“, sagt Mühlinghaus, „die ersten mussten aufgeben. Am Ende bleiben nur die Großen bestehen.“ Und genau da komme die Gesellschaft ins Spiel. Es könne doch nicht im Interesse der Verbraucher sein, dass die Familienbetriebe aussterben und nur noch die großen Aktiengesellschaften mit ihren Riesen-Farmen übrig blieben. Das gesellschaftliche System sehe nur eine Richtung vor: immer weiter wachsen. Das gelte für alle Branchen, für alle Lebensbereiche. „Nur, wer immer weiter wächst, überlebt“, sagt Mühlinghaus. Dann denkt er an seine Pflanzen und seine Kühe. „Es ist nicht natürlich und nicht gesund, immer weiter zu wachsen“, sagt er und plädiert für Nachhaltigkeit. Er wolle der nächsten Generation gesunde Felder und gesunde Tiere übergeben können. „Aber dann müssen Verbraucher auch bereit sein, ein paar Cent mehr zu bezahlen“, sagt der Landwirt, „nicht nur bei Umfragen auf dem Papier, sondern auch an der Ladentheke.  „Daran denkt nur keiner.“

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