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Wermelskirchen: Landschaftsgärtner René W. Essel rät Hobbygärtnern trotz der steigenden Temperaturen zur Vorsicht.

Gartenpflege : Große Euphorie dank Frühlingsgefühlen

Vorfreude ja, Übermut nein: Landschaftsgärtner René W. Essel rät trotz der steigenden Temperaturen zur Vorsicht. Hobbygärtner könnten ihrem Garten sonst schaden.

Vielen Hobbygärtnern kribbelt es seit dem Wochenende in den Fingern. „Und uns geht es genauso“, sagt René W. Essel von der Baumschule Bosman, „wir können den Frühling gar nicht mehr abwarten.“ Seit dem ersten warmen Wochenende steht das Telefon bei den Fachleuten an der Beutelshufe nicht mehr still. „Die Menschen wollen in den Garten“, sagt Essel.

Für das kommende Wochenende sagt der Deutsche Wetterdienst erneut Sonnenschein und hohe Temperaturen voraus. Bestes Gartenwetter also. „Aber Vorsicht“, sagt Essel, „nicht übermütig werden.“ Denn der Bergische Winter habe gezeigt: Noch sei alles möglich. Frost genauso wie Schnee, Regen wie Sonne. „Deswegen sollte man sich im Moment noch aufs Vorbereiten der Gärten konzentrieren und gut planen“, sagt der Fachmann.

Und das bedeutet: Alte, vertrocknete Stauden abschneiden, altes Laub entfernen, wenn man das wolle und den Rasen kalken, sollte das noch nicht im Herbst geschehen sein. „Um zu düngen, ist es noch zu früh“, erklärt er. Mineralischer Dünger etwa sei wasserlöslich. Bei entsprechendem Wetter, habe die Düngung dann gar keinen Nutzen. Oder aber der Dünger sorge dafür, dass der Spätfrost die Pflanzen schließlich auf dem falschen Fuß erwischt und Triebe zerstört. „Bei manchen Pflanzen sorgt die Sonne jetzt dafür, dass sie schieben und schießen“, sagt Essell. Dem Schmetterlingsflieder geht das zum Beispiel in diesen Tagen so. „Aber keine Panik“, sagt der Fachmann in diesem Fall, „selbst wenn der Spätfrost die Triebe dann vertrocknet oder verbrennt, treiben sie später wieder.“

Zur Zurückhaltung mahnt Essel auch beim Thema Schneiden: „Vor allem ist es wichtig, nicht einfach loszuschneiden“, sagt er und empfiehlt, sich vorher einzulesen oder den Fachmann anzurufen. Manchmal motiviere das schöne Wetter, eine neue Heckenschere oder ein freies Wochenende dazu, Schnittarbeiten anzugehen. Hinzu kommt die Frist zum 1. März, ab der Heckenschnittarbeiten bis zum September verboten sind. „Allerdings gilt die Ausnahme, dass der Zuwachs oder maximal zehn Prozent geschnitten werden dürfen“, sagt Essel, „nach vorheriger Kontrolle natürlich, ob Vögel in der Hecke nisten.“ Deswegen könne der Hobbygärtner im Sommer auch den Zuwachs des Frühlings entfernen. „Aber jetzt nicht den typischen Hausmeisterschnitt ansetzen“, sagt er, „die Pflanzen brauchen dann zwei oder drei Jahre, um sich zu erholen.“

Wer sich schlau macht, lernt allerdings auch: Jede Pflanze ist anders. Frühblühende Sträucher sollten in Ruhe gelassen, sommerblühende Sträucher ruhig geschnitten werden – wie Jasmin oder Deutzie. „Mit Rosen oder Gräsern sollte man noch vier Wochen warten“, sagt der Fachmann. Auch Obstgehölze wollen individuell behandelt werden: Während sich Kernobst wie Birnen über einen Schnitt freuen, sollte Steinobst wie Kirsche oder Pflaume später nur ausgelichtet werden.

Während die Fachleute der Baumschule langsam den Wintermodus verabschieden, warten sie auch gespannt auf die eigenen Pflanzungen und die ihrer Kunden aus dem vergangenen Jahr. „Wir werden jetzt sehen, wie sich die Trockenheit im Sommer ausgewirkt hat“, sagt Essel. Und er ahnt: „Die Pflanzenzüchtung wird sich verändern.“ Pflanzen müssten künftig trockenresistenter sein und im Bergischen gleichzeitig gegen Kälte und Winter gewappnet. „Das ist eine spannende Entwicklung“, sagt der Fachmann und freut sich auf den Frühling.