Querschnitt des künstlerischen Schaffens Viel Kunst auf wenig Raum

WERMELSKIRCHEN · Der Kunstverein eröffnete am Freitag die zweite Auflage der Erfolgsausstellung „20-20-29“. Besonderer Kniff: Käufer nehmen die gleichformatigen Bilder einfach von der Wand. Einige Gäste gingen zielstrebig auf ihr „Lieblingswerk“ zu.

 Zur Ausstellungseröffnung des Kunstvereins Wermelskirchen spielten die Musikschülerinnen Anne Seifert (15), Gitarre,  und Julia Seifert (14), Querflöte.

Zur Ausstellungseröffnung des Kunstvereins Wermelskirchen spielten die Musikschülerinnen Anne Seifert (15), Gitarre, und Julia Seifert (14), Querflöte.

Foto: Moll, Jürgen (jumo)

Während Anne und Julia Seifert noch Melodien mit Querflöte und Gitarre durch den Ausstellungsraum schicken, blicken sich die Besucher schon vorsichtig um. Ihre Augen schweifen über die Bilder und Motive. Eigentlich haben die Kunstwerke am Freitagabend nur eines gemeinsam: Sie sind 20 Zentimeter breit und genauso hoch und jedes von ihnen kostet 29 Euro. Darüber hinaus zeigen sie die ganze Vielfalt des künstlerischen Schaffens im Wermelskirchener Kunstverein. Zeichnungen und Aquarelle, Drucke und plastische Werke. Leinwand und Malkarton, Holzplatten und Bilderrahmen aus weißem Holz.

Während die Mädchen zum nächsten Stück ansetzen, schweifen die Blicke weiter. Schließlich wissen die Besucher: Sollten sie jenes Kunstwerk entdecken, das sie mit nach Hause nehmen wollten, müssen sie schnell sein. Wer zuerst kommt, malt zuerst. Denn auch bei der zweiten Auflage der Ausstellung „20-20-29“, die Format und Preis gleich im Titel trägt, können Besucher die Bilder gleich von der Wand weg kaufen. Haben sie eines der gleichformatigen Bilder für sich entdeckt, nehmen sie es von der Wand, geben an der Kasse ihre 29 Euro ab und sind stolzer Besitzer eines Unikats.

Kaum ist der Applaus für die jungen Musikschülerinnen verhallt, steuert eine Besucherin entschiedenen Schrittes auf einen Druck zu, der die Stadtkirche zeigt. Mit einem Griff macht sie das Bild zu ihrem, geht noch weiter staunend durch den gemütlichen Fachwerkraum in Markt 9 und bezahlt dann an der Kasse.

„Die erste Auflage dieser Ausstellung war im vergangenen Jahr sehr erfolgreich“, sagt Vorsitzender Bernhard Schulte und erinnert daran, dass es genau genommen schon die vierte Auflage einer Serie ist. 2015 nämlich wollte der Verein Geld für die Flüchtlingshilfe in der Stadt sammeln und brachte die erste Adventsausstellung mit gleichformatigen Bildern auf den Weg – damals waren sie größer. „Auch der Erfolg war groß“, erinnert sich Schulte. Ein Jahr später setzte der Verein auf ein noch größeres Format, bestimmte ein Thema und schaffte den Einheitspreis ab – ohne Erfolg. Mit der Ausstellung „20-20-29“, deren Öffnungszeiten bereits 2017 an die Bergische Weihnacht angepasst wurde, landete der Kunstverein einen Volltreffer. Ein Teil des Erlöses kommt nach wie vor dem guten Zweck zugute – in diesem Jahr der Lebenshilfe.

Kaum hat die entschlossene Käuferin ihr Bild von der Wand genommen – legt der Verein ein Neues nach. „Es gibt Reserven, die Lücken werden geschlossen“, sagt Schulte. Insgesamt 20 Künstler haben sich am Projekt beteiligt und besondere Werke geschaffen. „Man muss einfach seine Technik und sein Werkzeug auf das besondere Format einstellen“, sagt Künstlerin Margret Langen und deutet auf ihre Landschaftsbilder im Miniformat. Mit Minispachtel und Nagelspitze hat sie gearbeitet und ganze Felder und Landstriche auf dem kleinen Stück Malkarton untergebracht. „Eine Herausforderung“, sagt sie, „aber eine schöne.“ Auch Brigitte Keller, die sonst deutlich großformatiger arbeitet, hat sich auf die kleine Leinwand eingelassen. Ihrem Stil ist sie treu geblieben. Sie arbeitet mit Eisenpulver und Oxidationsmittel und erzeugt so Edelrost. „Auf der kleinen Fläche muss man sich eben beschränken“, sagt Keller, „und ich musste mich daran gewöhnen.“ Das Ergebnis allerdings kann sich sehen lassen.