Im „Film-Eck“ in Wermelskirchen Kulturverein präsentiert neues Programm – auch mit Varieté und Swing

Wermelskirchen · Die Wermelskirchener Theatermacher vom Kulturverein präsentieren das Programm für 2023. Die Inszenierungen im „Film-Eck“ bieten eine Vielfalt, die aus den Bahnen der klassischen Theatervorstellungen ausbricht.

 Als „Pflägegraft“ muss sich Sybille Bullatschek mit den Tücken eines angeblich hilfreichen Roboters auseinander setzen.

Als „Pflägegraft“ muss sich Sybille Bullatschek mit den Tücken eines angeblich hilfreichen Roboters auseinander setzen.

Foto: Jürgen Moll

Mit Varieté, Comedy und Swing setzt der Kulturverein Wermelskirchen in seinem Programm für das Jahr 2023 wieder Akzente, die die Bahnen der klassischen Theater-Welt verlassen. Unsere Redaktion hat eine Übersicht der geplanten Termine, die wie gewohnt allesamt in Wermelskirchens Kino „Film-Eck“ stattfinden, zusammengestellt.

9. Februar (Kartenvorkauf gestartet): „Bin Nebenan – Monologe“

Eine Bade-Prinzessin, die nicht nur in ihrem Bad, sondern auch in ihrer Fantasie zu ertrinken droht, ein zurecht sozialisierter Superheld, eine kühle Lifestyle-Expertin auf der Suche nach der Wärme des Lebens... Das Stück bildet ein Kaleidoskop von skurrilen und verunsicherten Zeitgenossen. Sie erzählen von ihren geheimsten Wünschen und den Unwägbarkeiten des Alltags. Die unerwarteten gedanklichen und emotionalen Wendungen der Protagonisten, die von Katharina Heißenhuber, Jutta Seifert und Stephan Rumphorst gespielt werden, lassen das Publikum schmunzeln, den Kopf schütteln, nachdenklich werden.

23. März (Kartenbestellungen ab 9. März): „Frank Sinatra und Dean Martin Show“

Die beiden Berliner Swinggrößen Lenard Streicher und Christoph Schobesberger führen an diesem Abend musikalisch und ansprechend bebildert durch das Leben zweier ganz besonderer Freunde und Stars. „Dabei werden sie von einem hochkarätigem Trio begleitet“, kündigt der Kulturvereinsvorsitzende Peter Scheben an. Schobesbergers einzigartige Fähigkeit, sein Publikum rundum zu unterhalten und mit viel Wissenswertem zu versorgen, trifft auf Streichers Charme und Humor.

20. April (Kartenbestellungen ab 6. April): „Masur‘s Varieté“

Varieté steht für sinnliche Lebensfreude und erfrischendes Entertainment. Die Besucher erwartet an diesem Abend eine Mischung aus Artistik, Akrobatik und Comedy. „Varietéspektakel“ ist eine Truppe junger international arbeitender Artisten um Stephan Masur, die die Liebe zu ihrem Genre zusammenhält. Die Spielfreude der Akteure garantiert ein unterhaltsames und energiereiches Programm bei dem der Funke schnell auf die Zuschauer überspringt, ist der Kulturverein Wermelskirchen überzeugt. Gegründet vor 17 Jahren geht seitdem alljährlich ein neues Programm aus dem „Varietéspektakel“-Künstlerpool hervor, das zuerst einen Sommer lang im „Senftöpfchen“ in Köln sowie „Pantheon“ in Bonn spielt und anschließend in ganz Deutschland auf Tournee Varietégefühl versprüht. Dabei haben die teilnehmenden Artisten durchweg international renommierte Referenzen: Sie arbeiteten zum Beispiel im Traumtheater Salome, im Friedrichstadtpalast oder in den GOP-Varietés.

Stephan Masur schart mit „Varietéspektakel“ einen illustren Künstlerpool um sich.

Stephan Masur schart mit „Varietéspektakel“ einen illustren Künstlerpool um sich.

Foto: Masur

25. Mai (Kartenbestellungen ab 11. Mai): “Küss mich als wäre es das letzte Mal“

Zwischen Sophie und David kracht es gewaltig. Sie ist genervt von seinem Filmfimmel und Professoren-Gehabe, er findet ihr „Charity-Gutmenschentum“ und die damit einhergehenden „Jet-Set-Zombies“ unerträglich. Eloquente Sticheleien über „Kohle“, Krampfadern und Kochkünste wechseln sich mit charmanten Gehässigkeiten unter der Gürtellinie ab. Die Ehe geht in rasanter Geschwindigkeit den Bach herunter – endet in einem irrwitzigen Rosenkrieg. Die Wohnung wird zum Schlachtfeld der Gefühle. An einer Trennlinie, die mitten durch das Wohnzimmer gezogen wird, ist Vorsicht geboten: Hier hat man nicht nur verbale Geschütze in Stellung gebracht. Miittendrin in dieser Vorhölle aus Scherz und Schmerz steht Frau Bobrow, die Putzfrau, die verzweifelt zu vermitteln versucht. Mit einer schönen Tasse Tee ist es allerdings nicht getan. Aber vielleicht mit einem überraschenden Todesfall?

14. September (Kartenbestellungen ab 31. August): „Ich darf das – ich bin Pflägegraft“

 Christoph Schobesberger begeisterte bereits als Frank Sinatra im „Film-Eck“ und kehrt nun mit Lenard Streicher als Dean Martin zurück.

Christoph Schobesberger begeisterte bereits als Frank Sinatra im „Film-Eck“ und kehrt nun mit Lenard Streicher als Dean Martin zurück.

Foto: Theresa Demski

„Ich darf das – ich bin Pflägegraft“ heißt das vierte Programm von Sybille Bullatschek. Man könnte meinen, es seien alle Geschichten bereits erzählt, aber dann hat man nicht mit den neuen Erlebnissen von Sybille gerechnet. So wurde als vermeintliche Entlastung der „Pflägeroboter Ming Jong ill“ angeschafft, um den Mitarbeitern die Arbeit etwas abzunehmen. Allerdings verzweifelt Sybille schier an der Bedienungsanleitung und die Anwendung stellt sich auch als komplizierter heraus. Als letzte Lösung bleibt da nur direkt in China anzurufen, aber kann die Kommunikation funktionieren, wenn man kein Chinesisch kann?

19. Oktober (Kartenbestellungen ab 5. Oktober): „Glücksvisionen“

Auf der Bühne steht ein riesiger brauner Schwarz/Weiß-Fernseher. Links davor sind Saxophone, Handpans und eine Loopstation aufgebaut, rechts ein Standmikrophon im Stil der 1950-er Jahre. Schauspieler Hajo Mans und Musikerin Nicole Schillings verblüffen mit ihrem innovativen Bühnenkonzept. Sie nehmen das Publikum mit auf eine Zeitreise. Dabei lassen sie bekannte Literaten und Komponisten zu Wort kommen und setzen diese live in Szene. Doch nicht nur das: Zwischen Fernseher und Bühne entsteht eine perfekte Symbiose aus Illusion und Realität, wenn beispielsweise Lieder der „Comedian Harmonists“ interpretiert oder bekannte Filmausschnitte neu erfunden werden.

16. November (Kartenbestellungen ab 2. November): „Die Puppe“

Ein Mann gewinnt eine Puppe – als Tester. Und das, kurz nachdem seine Freundin ihn nach sechs Jahren Beziehung verlassen hat. Sie wollte zu viel von ihm: Hochzeit und Kinder. Die Puppe scheint die ideale Partnerin zu sein, ganz darauf ausgerichtet, den Mann glücklich und zufrieden zu machen: Kochen, Abwasch, Sex, Small Talk. Alles könnte so schön einfach sein – doch die Androidin wurde von einer Wissenschaftlerin programmiert, die von ihrem Ehemann verlassen wurde. Die Puppe hat deren kritischen Blick auf den Menschen und die Beziehung zwischen Mann und Frau inne. Der nächste „Beziehungsstreit“ ist also vorprogrammiert.

7. Dezember (Kartenbestellungen ab 23. November): „Heine stört“

Wermelskirchen Filmeck Programm 2020  "Welcome Home, Elvis“, Schauspieler Hajo Mans

Wermelskirchen Filmeck Programm 2020 "Welcome Home, Elvis“, Schauspieler Hajo Mans

Foto: Kulturverein Wermelskirchen

Heinrich Heine klappt seinen Laptop auf und nein, er schreibt kein Gedicht, er meldet sich bei einer Singlebörse an. Was sollte er auch sonst machen, der große Düsseldorfer Dichter und Denker in der französischen Hauptstadt Paris? Seit Jahren ist er krank, die Revolution in seiner Heimat ist gescheitert – er braucht Ablenkung. So chattet der Dichter von „Denk ich an Deutschland in der Nacht“, versteckt hinter einem Pseudonym mit „Elise, 27“. Doch wie im analogen Leben hält sich Heine auch im Chat nicht lange mit Smalltalk auf. Ehrlich, direkt und oft scharf an der Grenze zum Sagbaren, erzählt er aus seinem Leben und der Zuschauer taucht anhand von verschiedenen Stationen seines Lebens in eine Zeitreise seines Lebens voller Launen, genialer Gedanken und messerscharfer Analysen ein. Heinrich Heines Leben ist eines, das aneckt, stört, sich einmischt.