Wermelskirchen: Kulturinitiative will Haus Eifgen kaufen

130 Jahre Wirthschaft am Eifgen: Kulturinitiative würdigt Jubiläum mit Fest

Am kommenden Wochenende feiert die Wermelskirchener Kulturinitiative das 130-jährige Bestehen der historischen „Wirthschaft am Eifgenbach“. Reichlich Live-Musik und ein Familientag sollen den Stellenwert der ehemaligen Gaststätte als Musik-, Kultur- und Vereinshaus dokumentieren und Werbung für die Idee machen, das Gebäude als Verein zu erwerben.

Es sind elf Live-Akteure, die am kommenden Wochenende das dreitägige Programm am Haus Eifgen gestalten. Zählt man Hüpfburg und Talentbühne hinzu, sind es 13 Programmpunkte an der Zahl – das passt zum Anlass: Die Kulturinitiative Wermelskirchen (Kult-in-Wk) feiert das 130-jährige Bestehen der historischen „Wirthschaft am Eifgenbach“. Seit Anfang 2017 füllt der Verein die ehemalige Gaststätte mit kulturellem Leben. Als man vor knapp einem Jahr mit den Planungen zu dem Festival begann, konnten die Verantwortlichen noch nicht ahnen, dass die Jubiläumsveranstaltung gleichzeitig eine Zäsur in der noch jungen Vereinsgeschichte bedeuten würde.

Seit Kult-in-Wk im Haus Eifgen eine Heimat fand, schwebte stets das Damokles-Schwert des vom Eigentümer Herbert Ante gewünschten Verkaufs der Immobilie über den Köpfen der Kulturtreibenden – das ist nicht neu, Ante will die Veräußerung jedoch nun in die Tat umsetzen. Der Kult-in-Wk-Vorsitzende Michael Dierks hadert deshalb nicht mit dem Solinger Besitzer: „Er geht mit uns sehr fair um.“ Und weiter: „Er hat uns als Verein ein gutes Angebot gemacht.“ Für Dierks steht fest, wie „sein“ Verein das Haus Eifgen weiter nutzen kann: „Die wahrscheinlich einzige Chance: Wir kaufen es.“

Wohin die „Reise gehen“ kann, zeigt der Kult-in-Wk-Vorstand auf: Anteilsscheine an einer geplanten Genossenschaft, Spenden oder der symbolische Kauf eines Platzes im Biergarten (ähnlich einer Patenschaft) könnten genauso Geld in die Kassen spülen wie Benefizkonzerte. Ebenso würden Mieten für Video- und Audioaufnahmen auf der technisch stets spielbereit ausgestatteten Haus Eifgen-Bühne oder Mieten für die Räumlichkeiten für private Feiern zum notwendigen Kapital beitragen. Letztere bilden bereits jetzt eine Einnahmequelle für den Eigentümer.

Michael Dierks will das Haus Eifgen
Michael Dierks will das Haus Eifgen als Kulturstandort erhalten. Foto: Theresa Demski
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Dierks betont: „Kult-in-Wk möchte dieses letzte Refugium in unserer Region für musikalische Erlebniskultur erhalten. Als autonomes soziokulturelles Begegnungszentrum in Wermelskirchen – als Haus Eifgen in Form eines Musik-, Kultur- und Vereinshauses.“ Dem Verein sei es wichtig, den Kulturbetrieb unabhängig von kommerziellen Zwängen gestalten zu können, das läge in der Natur der Sache. Deshalb sei beispielsweise eine Kooperation mit einem potentiellen Käufer der Immobilie, der das Haus Eifgen dann wieder als Restaurant und Gaststätte betreiben wolle, kaum denkbar – Kult-in-Wk wäre dann ein Spielball der wenn auch berechtigten, wirtschaftlichen Interessen des neuen Eigners und müsse sich „nach dessen Decke strecken“.

Kult-in-Wk habe das wunderschöne, damals leerstehende Ausflugslokal mit Biergarten und Saalkapazität für bis zu 200 Gäste im Februar 2017 vor dem Verfall gerettet und mit über 150 Musikveranstaltungen aus eigenen Mitteln, ehrenamtlich und ohne öffentliche Förderung neu belebt. „Inzwischen hat es viele Gespräche mit der Stadtverwaltung zum Thema Kultur gegeben, bisher noch ohne greifbare Ergebnisse – sieht man von weiteren Vorschlägen für Gesprächstermine und einigen Absichtserklärungen ab“, berichtet Dierks. Das kann sich möglicherweise am kommenden Wochenende ändern, denn am Samstag, 28. Juli, wird Bürgermeister Rainer Bleek um 16 Uhr gemeinsam mit dem Kult-in-Wk-Vorstand die Bühne betreten und eine Ansprache halten.

Die ursprünglich für das kommende Wochenende vorgesehene Ausstellung mit „Spurensuche“ zur Geschichte des Haus Eifgen von Frank Schopphoff mit Material aus dem Stadtarchiv und des Bergischen Geschichtsvereins ist auf den 12. August verschoben, weil der Stadtführer aus familiären Gründen verhindert ist. Stattdessen zeigt Stadthistoriker Claus Füllhase einige Exponate aus seinem Archiv.