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Wermelskirchen: Kultur-Asyl mit einer Vorpremiere

Auftritt in Wermelskirchen : Kultur-Asyl mit einer Vorpremiere

Robert Griess probt die Roh-Version seines neuen Programms vor Publikum im Haus Eifgen. Eigentlich hätte der Termin in Leverkusen stattfinden sollen – Verbundenheit zwischen Akteuren machte den Abend möglich.

Vorpremieren sind eine öffentliche Probe. Ein Testlauf. Eine Möglichkeit für Künstler, die Reaktionen des Publikums auszuloten und unter realen Bedingungen den flüssigen Ablauf eines abendfüllenden Programms zu üben. Für Solo-Wort-Akrobaten wie Kabarettisten ein wichtiges Instrument – stehen sie doch alleine ohne Netz und doppelten Boden vor ihrem Publikum. Eine solche Vorpremiere zelebrierte Kabarettist Robert Griess vor 20 Zuschauern und -hörern im Haus Eifgen. Über Umwege war der Kölner zu diesem Auftritt in dem Traditionshaus gekommen, das eigentlich mehr für Jazz- und Blues-Live-Musik, jedoch weniger für die Kunst der Worte steht.

Eigentlich hätte Griess die Vorpremiere zu seinem neuen Programm „Apocalypso, Baby“ im Kulturausbesserungswerk (KAW) in Opladen absolvieren sollen – für das KAW und Griess schon eine Tradition. „Die Mehrheit der ehrenamtlich Aktiven im KAW will derzeit angesichts Corona noch keine Veranstaltungen durchführen“, erläutert Wolfgang Müller-Schlesinger, Leiter des KAW-Kabarett- und Kleinkunst-Komitees, der mit Griess nach Wermelskirchen gekommen war: „Ich weiß aber, wie wichtig solche Vorpremieren für die Künstler sind. Und Robert sind schon einige geplante Termine wegen Corona geplatzt.“

Aus der Verbundenheit zu Griess heraus habe er nach Alternativen gesucht. „Ich wohne in Dabringhausen und bin mit Michael Dierks befreundet – so ist das dann entstanden“, beschreibt Müller-Schlesinger im Gespräch mit unserer Redaktion. Dierks, Vorsitzender der Kulturinitiative und der KAW-Aktive betonten ihren Dank an den Programm-Chef der Kattwinkelschen Fabrik, Achim Stollberg. Denn dort ist Robert Griess am 6. Nobember gebucht, was einen Termin kurz vorher in der gleichen Stadt eigentlich ausschließt: „Achim kennt die schwierige Lage der Künstler und hat das möglich gemacht.“

Nahezu zweieinhalb Stunden feuerte Robert Griess im Haus Eifgen sein „Apocalypso, Baby“ ab. Dass er naturgemäß an der einen oder anderen Stelle kurz stockte, sah das aufmerksame Publikum ihm applaudierend nach. Gerade in der zweiten Programmhälfte nach der Pause nahm Robert Griess richtig Fahrt auf, so als hätte er sich in Teil eins erst einmal den „Corona-Staub“ aus den Knochen schütteln müssen: „Es ist das allerste Mal, dass ich dieses Programm vor Publikum spiele – ich habe es auch nicht vor Autos gespielt.“ Die Entwicklung von „roh“ zu „geschliffen“ könne erleben, wer am 6. November in die Kattwinkelsche Fabrik komme.

Unter dem Motto „Kultur-Asyl“ wird die KAW-Reihe „Kunst gegen Bares“ am 22. September sowie im Oktober und November im Haus Eifgen ein Domizil in Corona-Zeiten finden.