Wermelskirchen: Kult-in-Wk trommelt für Erwerb von Genossenschaftsanteilen

Großes Interesse an Genossenschaftsanteilen : Eine Genossenschaft für Haus Eifgen

Die Kulturinitiative Wermelskirchen hat über 90 Zusagen für die Zeichnung von Anteilen für das Traditionshaus. Der Verein arbeitet an der Gründung einer Genossenschaft, um eine endgültige Kaufentscheidung fällen zu können.

Dass die Zahlen fast deckungsgleich sind, ist ein Zufall, in beiden Fällen die Tendenz steigend: Der aktuell 89 Mitglieder starke Verein Kulturinitiative Wermelskirchen (Kult-in-Wk) hat bislang knapp über 90 Zusagen von Menschen, die mindestens einen Genossenschaftsanteil zeichnen wollen. „Unter denen sind viele, die gar nicht Mitglied im Verein sind“, beschreibt Michael Dierks die Situation. Dieser Stand der Dinge macht den Kult-in-Wk-Vorsitzenden zuversichtlich, dass die Gründung einer Genossenschaft und der Kauf des Hauses Eifgen durch den Zusammenschluss der Zeichner gelingen kann. Sind die langwierigen, formellen Schritte sowie eine Einigung über den Kaufpreis bis zum Jahresende vollzogen, steht der Zukunft des Traditionshauses als Kulturstätte nichts mehr im Weg. Michael Dierks betont aber auch: „Entweder gelingt das Vorhaben oder Kult-in-Wk ist in einem Jahr nicht mehr im Haus Eifgen.“

Im Februar jährt sich der Tag zum zweiten Mal, an dem Kult-in-Wk begann, das Haus Eifgen als Kulturstätte mit Leben zu füllen. Seither organisierte Kult-in-Wk auf ehrenamtlicher Basis 188 Veranstaltungen (2017: 88, 2018: 100) im Haus Eifgen, das im vergangenen Jahr auf ein 130-jähriges Bestehen zurückblicken konnte. Die privaten Vermietungen für Gesellschaften und Feiern sind dabei nicht mitgerechnet. Deren Gebühren bringen die Miete ein, die an Hausbesitzer Herbert Ante gehen. Der hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass er das Haus verkaufen will.

„Das ist ein Mit- und kein Gegeneinander. Als Besitzer träg Herbert Ante die Idee der Genossenschaft mit“, sagt Dierks und nennt einen Zeitplan: „Nach den Sommerferien soll die Entscheidung zur Gründung der Genossenschaft und zum Kauf des Hauses Eifgen fallen.“ Bis dahin will Kult-in-Wk noch möglichst viele Zusage von zukünftigen Genossenschaftsmitglieder sammeln – das Ziel sind Zusagen für 200 Anteilsscheine bis Ende März.

„Wir wollen solange wie möglich Genossenschaftsmitglieder finden, um so viel wie möglich Eigenkapital durch den Verkauf von Anteilsscheinen zu generieren“, blickt Michael Dierks auf die kommenden Wochen aus.

Ein Gremium aus elf Personen, darunter unter anderem der Kult-in-Wk-Vorstand, bereitet die Genossenschaftsgründung zur Zeit vor. Das Team rechnet im Moment mit 500 Euro pro Anteilsschein. „Das ist nicht in Stein gemeißelt. Wir denken auch über eine Variante nach, bereits mit 250 Euro einsteigen zu können“, sagt Dierks, der am 28. Februar seinen 68. Geburtstag feiert. Er rechnet vor: „Bei 200 Zeichnungen hätten wir 100.000 Euro.“ Um „Nägel mit Köpfen zu machen“, ist zeitnah die Einrichtung eines Treuhand-Kontos vorgesehen, wohin alle, die zugesagt haben, überweisen sollen. Dazu will Kult-in-Wk noch mittels öffentlicher Werbung und auch bei den Musikern, die bislang im Eifgen aufgetreten sind, für den Beitritt zur Genossenschaft werben. Außerdem wird ein Wirtschaftsplan nebst Konzept erstellt, anhand dessen der Genossenschaftsverband, der mit einem Vertreter bereits jetzt schon beratend zur Seite steht, die Genossenschaftsgründung genehmigen muss. „Wir wollen sicherstellen, dass eine Zeichnung solide ist und im Falle eines Austritts aus der Genossenschaft nach Ablauf einer Kündigungsfrist von wahrscheinlich zwei Jahren mindestens zurückgezahlt wird“, erläutert Michael Dierks. Das sei „gut geparktes Geld“.

„Grundsätzlich wird in Wermelskirchen viel in Sachen Kultur geboten. Im Musik-Bereich sind wir vorne, bei Genre- und Spartenmusik einzigartig – das ist unsere Stärke“, sagt Michael Dierks und verweist auf 66 Besucher, die durchschnittlich in den vergangenen knapp zwei Jahren zu den Kult-in-Wk-Veranstaltungen kamen: „Das funktioniert nur durch den Einsatz der ehrenamtlichen Helfer – müssten die bezahlt werden, ginge es nicht. Letztlich definiert diese Bereitschaft die Grenze des für uns Machbaren.“ Durch die Vielzahl der Termine in der Region sei die Kapazität aber sowieso schon insgesamt ziemlich ausgereizt.

Die Wiege des Engagements liegt in den Jazz- (initiiert von Les Searle und fortgeführt vom heutigen zweiten Kult-in-Wk-Vorsitzenden Michael Regenbrecht) und Blues-Sessions (Michael Dierks), die mehr als ein Jahrzehnt im Bistro der Kattwinkelschen Fabrik stattfanden. „Wir ernten jetzt quasi die Früchte aus den Sessions. Es sind Kontakte, Freundschaften, eine Gemeinschaft und ein treues Stammpublikum gewachsen“, freut sich Michael Dierks, der überzeugt ist: „Das Haus Eifgen selbst erwacht mit jeder Veranstaltung von uns Stück für Stück. Man braucht Herzblut und muss Durststrecken überbrücken können, dann gibt das Haus stetig mehr von seinen Möglichkeiten preis.“

Alle, die vor dem fast zweijährigen Leerstand vor der Kult-in-Wk-Aktivität das Haus Eifgen betrieben, hätten nur „eine schnelle Mark“ machen wollen: „Ich weiß nicht wann und wie es sich ergeben wird, aber ich bin überzeugt, dass es im Haus Eifgen irgendwann auch wieder Essen und einen lebendigen Biergarten geben wird – das gehört dazu.“ Der Kult-in-Wk-Vorsitzende, der an einem biografischen Buch über seine Erlebnisse schreibt, sieht den Verein und das Haus Eifgen eng verwoben: „Hier läuft eine tolle Zusammenarbeit von engagierten Mitgliedern und Freunden des Vereins. Das Haus reagiert gut auf das, was wir machen.“

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