Wermelskirchen: Küken auf Straußenfarm geschlüpft - aus dem Ei wird ein großer Strauß

Küken auf Straußenfarm geschlüpft : So wird aus dem Ei ein großer Strauß

Auf der Straußenfarm in Emminghausen sind pünktlich zu Ostern die ersten Küken der Saison geschlüpft.

Es beginnt mit einem leisen Klopfen. Im Ei ist es eng geworden und instinktiv verstehen die kleinen Strauße, dass es Zeit ist für einen Raumwechsel. „Dann gibt einer das Kommando: Leute wir müssen raus“, sagt Kerstin Schnabel von der Straußenfarm in Emminghausen. Pünktlich zu Ostern hat das erste Küken der Saison das große Schlüpfen eröffnet. „Es ist für uns Menschen überhaupt nicht nachvollziehbar, wie die Tiere in den Eiern miteinander kommunizieren“, sagt die Fachfrau. Wissenschaftler nennen das Schlüpfsynchronisierung. Und sie führt dazu, dass innerhalb von drei Tagen alle Küken eines Schlupfes ihre Eier verlassen. „Das ist für uns nach wie vor eine spannende Zeit“, sagt Kerstin Schnabel. Schaffen es die Küken alleine, das Ei zu verlassen? Findet der Dottersack, der die Tiere bisher ernährt hat, seinen Platz im kleinen Körper des Tieres? Jede Stunde kontrollieren die Mitarbeiter den Schlupfschrank.

„Und wenn wir sie dann zum ersten Mal sehen, sind wir nach wie vor baff“, gibt Kerstin Schnabel zu. Dichtes Gefieder, gemusterte Hälse und neugierige Augen: Das Leben der Strauße außerhalb des Eis beginnt. Nur ein paar Stunden nach ihrer Geburt ziehen die Küken dann in ihr erstes Gehege um. Die Fußbodenheizung sorgt dafür, dass sie die ersten Tage außerhalb des Eis überstehen. Noch taumeln sie mehr, als dass sie gehen, versuchen sich an ihren ersten Schritten und fallen dann erschöpft um. Im Stall läuft leise Musik. „Damit sich die Tiere nicht erschrecken“, erklärt die Fachfrau. Denn der Straßenverkehr führt nur ein paar Meter entfernt am Stall vorbei. Und Strauße seien schreckhaft. Die Musik dämpfe die noch ungewohnten Geräusche. Dort schlürfen die kleinen Strauße ihr erstes Wasser, picken nach feinem Mehl. „Wir legen auch noch Gras dazu, um sie beim Spurenlesen zu unterstützen“, sagt Kerstin Schnabel. Und: Sie bekommen kleine Steine serviert. „Strauße haben zwei Mägen“, erklärt die Fachfrau, „und die Steine helfen dabei, die Nahrung im Magen zu verkleinern.“

Nach 39 Tagen im Brutschrank beginnt das große Schlüpfen. Ein Küken nach dem anderen erblickt so das Licht der Welt und darf sich ein paar Stunden im Schlupfschrank erholen. Foto: Hogekamp, Lena (hoge)

Nach zehn Tagen verlässt der Nachwuchs die Babyboxen. Jetzt laufen die Strauße schon sicher auf ihren Beinen, genießen die Sonne und die immer größer werdenden Stallungen. „Jungtiere wachsen ein bis drei Zentimeter pro Tag“, erklärt Kerstin Schnabel. Entsprechend schnell gewinnen sie an Höhe. Nach zwei Monaten gelten sie dann offiziell als Jungtiere, das Futter ist gröber geworden. Erst nach dem Mausern, nach zehn bis zwölf Monaten, klärt sich dank der Farbe des Gefieders die Frage: Wer ist Henne und wer ist Hahn? Beide brauchen dann allerdings noch zwei bis drei Jahre, um sich auch gegenseitig wahrzunehmen.

Geräusche oder Rufe gibt es in dieser Zeit nicht. „Wir wissen nicht, wie erwachsene Strauße kommunizieren“, sagt Kerstin Schnabel. Auf den großen Feldern am Waldrand bei Emminghausen bleibt es die meiste Zeit des Jahres ganz leise. Das ändert sich zur Brunft. Dann beginnen die Hähne zu brummen, sie bauen Nester, wählen Haupt- und Nebenhennen aus, die schließlich die Eier legen. Bis in den Sommer allerdings sammeln die Mitarbeiter der Straußenfarm die Eier ein – sie werden im Brutschrank ausgebrütet. Erst danach brüten die Strauße in Emminghausen selbst ihre Küken aus. Und der Kreislauf beginnt von vorn.

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