Wermelskirchen: Kritik an Mindestlohn für Azubis von Kreishandwerkerschaft

Kreishandwerkerschaft kritisiert : „Der Beschluss zum Azubi-Mindestlohn ist ein Fehler“

Die Kreishandwerkerschaft hält den geplanten Azubi-Mindestlohn für einen Fehler. Allerdings nicht, weil dieser zu hoch angesetzt ist – hier in der Region verdienen viele Azubis schon jetzt mehr als gefordert.

Auzubildende sollen mehr Geld verdienen als bisher. Das Bundeskabinett hat am Mittwoch beschlossen, dass eine Mindestvergütung für Auszubildende eingeführt wird. Ab 2020 soll der Lohn für Azubis im ersten Lehrjahr mindestens 515 Euro im Monat betragen. Kritik an diesem Vorstoß kommt von Handwerks- und Wirtschaftsverbänden – so auch von der Kreishandwerkerschaft Bergisches Land. „Der Beschluss zum Azubi-Mindestlohn ist ein Fehler“, heißt es in der Pressemitteilung.

Um Missverständnissen vorzubeugen: Die Kreishandwerkerschaft stellt sich damit keineswegs gegen eine faire Bezahlung von Auszubildenden, sondern gegen die Einmischung der Bundesregierung. „Viele Jahre haben die Partner der jeweiligen Tarifkommissionen ohne die Einmischung der Politik erfolgreiche Abschlüsse erzielt. Daher war dieser Vorstoß aus unserer Perspektive überflüssig“, sagt Hauptgeschäftsführer Marcus Otto. Mit der Gesetzesreform positioniere sich die Politik gegen die Betriebs- und Tarifautonomie.

Der Plan des Bundeskabinetts sieht vor, dass der Azubi-Mindestlohn jährlich bis 2023 steigt. Dann soll die monatliche Vergütung bei mindestens 620 Euro liegen. Der Einstieg im kommenden Jahr liegt bei 515 Euro.

„Die Ausbildungsvergütung in all unseren Gewerben liegt schon jetzt darüber“, sagt Kathrin Rehse, Pressesprecherin der Kreishandwerkerschaft. Aus diesem Grund sei eine Einmischung der Politik nicht nötig gewesen. Ein Bäcker in der Ausbildung erhalte beispielsweise im ersten Lehrjahr bei Anwendung des Tarifvertrages 615 Euro, ein angehender Anlagenmechaniker für Sanitär, Heizungs- und Klimatechnik zu Beginn 690 Euro und ein Auszubildender im Bauhandwerk bekomme 850 Euro im ersten Lehrjahr. „Dem Handwerk in der Region liegt es sehr am Herzen, dass die Ausbildungsvergütung grundsätzlich auskömmlich ist“, betont Marcus Otto. „Die meisten Betriebe unserer Innungen zahlen nach Tarifvertrag, manche sogar darüber“, ergänzt Rehse.

Das gelte auch für die Azubis in den Friseur-Salons. Seit 2015 ist der Lohn im ersten Ausbildungsjahr von 422 auf 510 Euro gestiegen. Damit liegt der Monatslohn noch knapp unter der von der Bundesregierung geplanten Mindestvergütuung von 515 Euro. „Die Tarifpartner sind aber schon in Gesprächen. Ab 1. August werden wir über dem geforderten Mindestlohn liegen“, sagt Rehse.

Das freut auch Heidi Lillischkies, Inhaberin der Schnittstelle an der Eich. „Ich finde einen höheren Lohn für die Auszubildenden prinzipiell gut“, sagt Lillischkies. Sie weist jedoch auch darauf hin, dass sich das in den Preisen für die Kunden bemerkbar machen werde.

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