1. NRW
  2. Städte
  3. Wermelskirchen

Wermelskirchen: Krisenmanager plädiert für Transparenz

Wermelskirchen : Krisenmanager plädiert für Transparenz

Der Wermelskirchener Unternehmensberater Volker Licht hilft Firmen bei der Umsetzung von Notfallplänen.

Normalerweise bereitet der Wermelskirchener Unternehmensberater Volker Licht (49) Betriebe auf unvorhergesehene Ereignisse vor. Als Krisenmanager schult er Personal, um im Ausnahmezustand die Situation schnellstmöglich wieder unter Kontrolle zu bekommen. Doch nun hat die Realität die schlimmsten Befürchtungen übertroffen. „Diese Pandemie-Erfahrung wird unsere Arbeitswelt verändern.“

Nach der Ausbildung zum Industriekaufmann bei Vaillant und einem anschließenden Studium an der Bergischen Universität Wuppertal, war der diplomierte Ökonom über sieben Jahre lang freiberuflich bei einer Kölner Unternehmensberatung tätig. Dort lernte er das Krisenmanagement kennen und beriet größere Konzerne. Vor gut drei Jahren gründete Volker Licht mit „wobkom“ sein eigenes Beratungsbüro in Lennep und unterstützt mit seinem Team in Deutschland ansässige und international tätige Unternehmen. Für den Job als Krisenmanager, sagt der 49-Jährige, brauche es vor allem gesunden Menschenverstand und Voraussicht.

Für gewöhnlich wird der Wermelskirchener von Unternehmen engagiert, um für sie ein Krisenmanagementsystem zu entwickeln: Dazu schaut sich der Fachmann die kritische Infrastruktur an, überlegt, was alles passieren und schiefgehen könnte, das einen regulären Ablauf des Unternehmens unterbrechen würde, stellt ein Team zusammen, das im Notfall die Funktion des Krisenstabs übernimmt.

Die darin festgelegten Rollen sind neben dem Krisenstabsleiter, die Kommunikationsabteilung, die als Sprecher fungiert und Entscheidungen nach innen und außen kommuniziert, und der Info-Manager, dessen Aufgabe es ist, alle vorhandenen Informationen zusammenzutragen, um im Plenum die bestmögliche Entscheidung zu treffen. Denn das wichtigste in der Krise, sagt Volker Licht, „ist die Transparenz. Und die ist umso größer, je mehr Daten ich habe.“

Die üblichen Notfall-Szenarien reichen von der technischen Störung oder einem Brand, über eine Bombendrohung, einen Terroranschlag bis hin zum Totalausfall. Volker Licht muss sich für seine Arbeit auf das Schlimmste gefasst machen und malt dabei sprichwörtlich den Teufel an die Wand. „Es kommt nicht selten vor, dass ich dafür belächelt werde“, gesteht er. „Die Szenarien sind für viele so abstrus, dass sie nie damit rechnen würden.“

Mit der Corona-Pandemie sei nun tatsächlich der absolute Worst Case eingetreten und das nahezu flächendeckend. „Viele kleine Unternehmen waren auf so etwas gar nicht vorbereitet. 90 Prozent der Betriebe im Bergischen hat die Pandemie völlig überrascht.“

Dabei ist eine Pandemie nichts Neues: „Die Bundesregierung war auf Corona vorbereitet“, sagt Licht. Spätestens nach der Schweinegrippe hätten Staaten und Regierungen das mögliche Szenarium einer Pandemie durchgespielt. Auch wenn ein Krisenmanagementsystem keine konkreten Lösungen für jedes Problem hat, das Grundgerüst helfe dabei, sie zu finden. „Die Situation muss täglich neu bewertet werden, denn regelmäßig entstehen neue Erkenntnisse. Man lernt, mit der Krise umzugehen.“

Auch er als Krisenmanager ziehe aus der aktuellen Situation viele neue Erkenntnisse für seine Arbeit, etwa, dass auch er sich – wie viele andere Unternehmen und Dienstleister – digitaler aufstellen muss, um unabhängiger zu sein. Einige kleinere, unvorbereitete Betriebe könnten die Krise nicht überstehen. Deutschland und Frankreich, prophezeit er, „werden mit zwei blauen Augen davonkommen“.

Andere Systeme aber könnten aufgrund der Neuverschuldung kollabieren. „Was mich positiv überrascht hat, ist die Geschwindigkeit, mit der in unserem Land Maßnahmen ergriffen wurden“, sagt Volker Licht.

Anders als in einem zentralistischen Land wie der Volksrepublik China, sei es in einem Föderalstaat schwieriger, schnelle Entscheidungen zu treffen. „Aber in der Krise hat sich gezeigt, dass es doch schnell gehen kann.“ Die Realität übertrifft nun mal die kühnste Fiktion.

In seiner Wahlheimat engagiert sich Licht inzwischen ehrenamtlich bei der Plattform „“wkhandinhand“. „Uns geht es zum einen um die krisengerechte, hygienisch einwandfreie“ Unterstützung hilfsbedürftiger Menschen als auch um die Unterstützung der kleinen und mittleren Selbstständigen und Unternehmen in der Stadt. “