1. NRW
  2. Städte
  3. Wermelskirchen

Wermelskirchen Kostenloser Anschluss ans Glasfasernetz

Ausbau startet in Unterstraße : Kostenloser Anschluss ans Glasfasernetz

Internetanbieter Novanetz will in den kommenden Jahren ein flächendeckendes Glasfasernetz für schnelles Internet in Wermelskirchen bauen. „Eine einmalige Chance für unsere Stadt“, sagt Bürgermeisterin Lück. Start ist in Unterstraße.

Die Anforderungen an schnelles Internet werden immer höher – und aktuell ist Wermelskirchen dafür nicht wirklich gerüstet. Das ist kein Geheimnis in der Stadtverwaltung, die deshalb den Breitbandausbau seit Jahren vorantreibt, „weil es hier viele ländliche Gebiete gibt, die mit weniger als 30 Mbit pro Sekunde deutlich unterversorgt sind“, sagt Florian Leßke, Amtsleiter für Stadtentwicklung. Insgesamt sind es 3644 Anschlüsse in der Stadt, die nur über 30 Mbit pro Sekunde verfügen. Dass die Stadt auf eigene Kosten Glasfaser verlegen lässt, von denen es bisher nur 47 Anschlüsse gibt, wodurch aber bis zu 1000 Mbit pro Sekunde möglich sind, sei leider nicht möglich, „weil wir dafür bis zu 70 Millionen Euro zahlen müssten“, rechnet Bürgermeisterin Marion Lück vor. „Aber wir müssen technisch unbedingt aufholen, um die Stadt als Standort zukunftsfähig zu machen“, stellt sie klar. „Die Anforderungen sind gestiegen und die Versorgung reicht nur teilweise.“

Nicht nur die Wirtschaft würde schnelle Technologien brauchen und auch fordern, sondern auch immer mehr Privathaushalte. „Wir wissen um die Bedeutung von Glasfaser für den Wirtschafts-, Wohn- und Schulstandort Wermelskirchen“, sagt Marion Lück im Blick auf digitalen Unterricht an den Schulen, mehr Homeoffice bei Arbeitnehmern und immer mehr Menschen, die Streaming-Dienste nutzen. Deshalb hat sie in den vergangenen Wochen intensiv Gespräche geführt und nach einem Netzbetreiber gesucht, der den Sprung von Kupfer zu Glasfaser in Wermelskirchen anschiebt. Und einen Partner mit dem Internetanbieter Novanetz gefunden. Aktuell verlegt die Firma Glasfaseranschlüsse in Leichlingen, „dann arbeiten wir uns weiter nach Hilgen rein und von dort Richtung Wermelskirchen“, sagt Geschäftsführer Dennis Kornehl. Mit dem Pilotprojekt sollen als erstes die Ortsteile Unterstraße, Löh und Bechhausen mit Glasfaseranschlüssen bis in die Häuser versorgt werden. Ohne zusätzliche Baukosten für die Hausbesitzer, verspricht er.

 „Glasfaserstrauß“ für Bürgermeisterin Marion Lück.
„Glasfaserstrauß“ für Bürgermeisterin Marion Lück. Foto: Kathrin Kellermann

Einzige Bedingung: „Etwa die Hälfte der Anwohner im Ausbaugebiet müssen einen Vorvertrag über ein Internetprodukt von Novanetz abschließen“, erklärt er. „Dann wird das Glasfasernetz mit Finanzmitteln von Primevest für die Anwohner kostenlos errichtet.“ Bei den Kosten für das Produkt würden sie sich an den Kosten der Telekom orientieren, sagt der Geschäftsführer. Wer jetzt also 45 Euro im Monat für 200 Mbit pro Sekunde zahlt, bleibe in dem Rahmen, „weil wir den Wechsel zum schnelleren Glasfasernetz zu ähnlichen Konditionen möglich machen. Die Telefonnummer bleibt gleich und wir organisieren auch die Kündigung beim bisherigen Anbieter und den Wechsel zu uns“, so Kornehl. Sorge, dass der Garten für das filigrane Kabel, das bis zum Haus gelegt wird, umgegraben wird, müssten Gartenfans auch nicht haben: „Wir schießen das Kabel in 60 Zentimeter Tiefe zum Gebäude, wo der Hausanschluss liegt“, beruhigt Stephan Neumann, Geschäftsführer von German Fiber Solution (GFS), Besitzer von Rosensträuchern.

„Ich bin froh, dass wir dieses Angebot haben, das eine einmalige Chance für uns ist“, sagt Bürgermeisterin Marion Lück erfreut. „Es gibt keine Verpflichtungen für die Stadt und es ist toll für die Bürger, dass sie zukunftsfähige Technik ins Haus geliefert bekommen.“ Und das auch zügig: „Wir werden die betroffenen Anwohner in den nächsten Wochen informieren und, sobald wir das positive Signal aus den Ortschaften haben, dass der Ausbau erwünscht ist, könnten wir im Mai mit den Planungen beginnen“, kündigt Kornehl an. Die Hälfte der Internetnutzer aus Unterstraße, Löh und Bechhausen müssten zustimmen, damit der Glasfaserausbau grünes Licht bekommt. „Deshalb ist die Unterstützung der Anwohner sehr wichtig, um die Quote zu erreichen. Der Glasfaserausbau sollte wichtiges Gesprächsthema sein“, sagt Dennis Kornehl. Darauf hofft auch die Bürgermeisterin, die betont: „Eine Glasfaser-Infrastruktur ist Gold wert. Und wir wollen für unsere Stadt das Optimalste erreichen.“ Als nächstes würde Internetanbieter Novanetz Glasfaser in Tente bauen, „und wenn alles schnell geht, stehen wir dann bereits Ende 2021 vor den Stadttoren“, kündigt Kornehl an. Ziel sei es, in den kommenden Jahren ein flächendeckendes Glasfasernetz für das gesamte Stadtgebiet Wermelskirchen zu bauen.