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Wermelskirchen: Kleine Sänger bereiten sich aufs große Kinderchortreffen vor

Vorbereitung aufs große Kinderchortreffen in Wermelskirchen : Kleine Sänger mit großen Plänen

Der Juniorchor der Evangelischen Kirchengemeinde probt für das große Kinderchortreffen des Rheinisch-Bergischen Kreises. Auf dem Programm stehen vor allem Quatsch-Lieder – als Kontrastprogramm zur Pandemie.

Tom blättert in dem großen Notenordner auf seinen Knien. Eigentlich kann er den Text längst auswendig, aber mit den Noten auf den Knien fühlt er sich sicherer. Jutta Benedix schlägt unterdessen die ersten Töne auf dem Klavier an – heiter, fast ein bisschen übermütig macht sich die Melodie auf den Weg durch den Raum. Und noch während Tom blättert, beginnt er zu singen: „Trat ich heute vor die Türe, sapperlot, was sah ich da?
Tanzte doch die Gans Agathe mit dem Truthahn Cha-Cha-Cha.“ Während in den Reihen des Juniorchores gelegentlich ein fröhliches Kichern zu hören ist, begleitet die Chorleiterin ihre jungen Sänger gut gelaunt durch das lange Lied. Es darf gegackert und gegrunzt werden, Kichern ist erlaubt und Mähen erst recht.

„Wir mögen Quatsch-Lieder“, sagt Jutta Benedix. Und deswegen kam ihr die Einladung des Rheinisch-Bergischen Kreises zum großen Kinderchortreffen im April so gelegen. Denn das Kulturamt im Kreis hatte ein Motto ausgerufen, dass den Wermelskirchenern passte: „Quatsch machen“. Viele Kinder seien während der Pandemie sehr ernst geworden und hätten sich zurückgezogen, stellte das Kulturamt fest. „Und genau das ist auch mein Eindruck“, sagt Jutta Benedix, „wir wollen loslassen und Spaß haben.“ Deswegen hat der Juniorchor der Evangelischen Kirchengemeinde die lustigsten Lieder aus dem Repertoire hervorgeholt und probt nun gut gelaunt für das Chortreffen im April. Drei Lieder will der Chor der Grundschüler mit nach Overath bringen. Dazu gehört auch der Klassiker der Kinder: das Spaghetti-Lied, bei dem sie fröhlich in einen italienischen Akzent verfallen.

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Für den Juniorchor sind „Quatsch-Lieder“ nichts Neues: Denn das Konzept des kleinen Ensembles ist bunt. Kinder zwischen sechs und zehn Jahren singen Weltliches und Geistliches, Ernstes und Lustiges. Einige der Kinder bringen Erfahrung aus dem Kita-Chor mit, andere steigen frisch ein: „Singen kann jedes Kind“, sagt Jutta Benedix. Im Chor gebe es immer mal wieder auch die „Brummer“, die sich mit der Zeit zu richtigen, mutigen Sängern mausern würden. Begleitet werden sie von Jutta Benedix, Kantor Andreas Pumpa und Jugendlichen aus dem Kämmerchen-Chor, die bei den Chorproben unterstützen.

„Wir lernen alles auswendig“, erzählt Jutta Benedix. Zwar gebe es für die jungen Sänger Noten- und Textmaterial, um Zuhause noch mal nachschauen zu können. „Aber während der Probe arbeiten wir vor allem mit Zuhören und Wiedergeben“, sagt die Chorleiterin. Und dann setzt sie zur nächsten Strophe an, die sie sicherheitshalber noch mal im Takt vorspricht: „Max, der Esel und die Schweine tanzten sehr vergnügt zu dritt. Selbst die dicke Kuh Babette wiegte sich im Walzerschritt“. Die Kinder stimmen ein, erinnern sich sofort und schon gesellen sich die Töne dazu. Die Corona-Pandemie lässt der Juniorchor inzwischen vor der Probentüre zurück: Alle Kinder kommen dank der Schultests frisch getestet zum Chor, deswegen können sie die Masken absetzen. Auch Jutta Benedix testet sich vor der Probe. „Wir freuen uns, wenn wir zum Singen wieder raus gehen können“, sagt sie. Im vergangenen Jahr hätten sie und die Kinder das Singen und freiem Himmel zu schätzen gelernt – Pandemie hin oder her. „Das hat was mit Freiheit zu tun“, sagt sie, „da lässt es sich noch besser tanzen.“

Ohnehin geht es im Juniorchor längst nicht nur um Noten und Texte. „Die Kinder sind zu einem Chor zusammengewachsen“, erzählt Jutta Benedix, „und Kinder, die neu dazukommen, werden mit offenen Armen aufgenommen.“ Sie freue sich über die schöne, musikalische Gemeinschaft. Nicht umsonst endet jede Probe mit Spielen. Auch die Sprachentwicklung der Kinder werde durch das frühe Singen gefördert, erinnert Kantor Andreas Pumpa. Wer singe, der spreche auch besser. „Und wenn die Musik einmal zum Leben der Kinder gehört, lässt sich darauf aufbauen“, sagt Pumpa, der schon mit Kindergartenkindern singt.

Inzwischen hat Tom seine Notenmappe wieder zusammengepackt und macht sich mit seiner Schwester Lina auf den Heimweg. Die beiden summen und singen, kichern und tanzen. „So geht das auch Zuhause beim Essen“, erzählt ihre Mutter, „seit sie im Chor singen, haben sie immer Melodien auf den Lippen.“