Wermelskirchen: Kinder nehmen das Osterfest unter die Lupe

Ostern 2019 : Kinder nehmen das Osterfest unter die Lupe

Die Viertklässler der Katholischen Grundschule kennen sich bestens aus, wenn es ums Osterfest geht.

Vanessa blickt ein bisschen traurig in die Kinderbibel. „Ziemlich dunkel“, stellt die Achtjährige fest. Da hängt einer am Kreuz, die Augen geschlossen. „Also Ostern ist manchmal ganz traurig“, sagt sie, „und manchmal super fröhlich.“ Dann beginnt zu erzählen – von Jesus und seinen Freunden, die viele Jahre rumgezogen waren. Während die Achtjährige berichtet, werfen ihre Mitschüler der Klasse 4b der Katholischen Grundschule ihre eigenen Gedanken ein.

„Bevor das losging mit dem Kreuz hat Jesus ein großes Abendessen für seine Freunde gekocht“, erzählt Jule. Alle hätten an einem Tisch gesessen, Stühle habe es wahrscheinlich nicht gegeben. Und am Ende hätten die Jünger alle Brotkrumen aufgesammelt, viel sei übrig geblieben „Tausend Körbe voll“, sagt Kjell. Dass er dabei ein bisschen in der Geschichte verrutscht und sich daran erinnert, wie Jesus mit fünf Broten und zwei Fischen die Menschenmenge zum Abendesse einlud, das ist egal. Wunder bleibt Wunder. „Und dann wollte Jesus plötzlich seinen Freunden die Füße waschen, aber die wollten nicht, weil das doch eigentlich Diener machen“, erzählt Leonie. Und wie kam er bloß auf diesen Gedanken? Fußwaschung? „Er wusste halt, dass er bald stirbt, und da wollte er seinen Freunden noch mal etwas Gutes tun“, sagt Alissia. Und dann wird ihr Gesicht ein bisschen finster, denn ihr fällt ein, dass an diesem Abend wohl auch Judas mit am Tisch saß. „Und der hat ihn dann an die Soldaten verraten“, sagt Johanna, „für 30 Silberlinge.“ Das sei wohl am Gründonnerstag gewesen, sind sich die Kinder einig.

Dann nahm der dramatische Tag in Jerusalem seinen Lauf. „Ich glaube, die Leute waren neidisch auf ihn“, sagt Alessia, „alle mochten Jesus, er war total beliebt und hat Wunder gemacht. Das mochten die Politiker nicht, weil sie selber beliebt sein wollten.“ Also hätten sie ihm eine Dornenkrone aufgesetzt, die überall gepiekst habe – und dann habe er sein schweres Kreuz auch noch selber tragen müssen. „Ich glaube, Judas hat ein schlechtes Gewissen bekommen“, sagt Vanessa, „bestimmt hat er ihm beim Tragen geholfen.“ Dass laut Bibel diesen Job ein anderer übernommen hat, das ist für Vanessa nicht so entscheidend. Nein, Judas habe bestimmt noch verstanden, was er für einen Mist gebaut habe. Dann das Kreuz: „Seine Freunde haben alle geweint“, sagt Kjell, „sie hatten wohl vergessen, dass er gar nicht richtig tot ist.“ Und dann gab es viel zu erledigen. „Seine Freunde haben ihn wieder losgenagelt“, sagt Leonie, „und sie haben ihn in eine Steinhöhle gelegt und einen großen Stein davor gerollt, damit die Tiere nicht reinkommen.“ Ende der Geschichte? „Nein“, ruft Vanessa, „noch lange nicht.“ Allerdings kam dann erstmal Karsamstag. „Kar bedeutet traurig“, sagt die Achtjährige, „das ist also eindeutig der traurige Teil.“ Aber dann hellt sich ihr Gesicht auf: „Am dritten Tag wollten die Frauen den Körper von Jesus mit einer königlichen Salbe eincremen, aber das Grab war leer. Nur ein Engel war da. Jesus war wieder lebendig.“

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Und was hat es damit nun auf sich? Auferstehung? „Jesus hatte ja gar nichts Schlimmes gemacht. Er hat den Menschen geholfen und viele gute Sachen gemacht“, erklärt Alessia (10), „also hat Gott ihn wieder lebendig gemacht.“ Und genau deswegen gebe es nun auch Ostern. Schluss mit der Traurigkeit. Und dieser Jesus? „Der ist wieder im Himmel“, sagt Vanessa noch und flitzt fröhlich in die Pause.

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