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Wermelskirchen: Keine Lagerfeuer entlang der Strecke

Mike Stursberg beim 24-Stunden-Rennen : Keine Lagerfeuer entlang der Strecke

Der Wermelskirchener Rennfahrer Mike Stursberg war beim 24-Stunden-Rennen am Nürburgring dabei – wegen Corona fand die Traditionsveranstaltung in diesem Jahr ohne Publikum statt.

Von einem „Geister-Rennen“ will Mike Stursberg nicht sprechen. Ein bisschen gespenstig klingen seine Erzählungen dann aber dennoch. „Ich bevorzuge Rennen mit Menschen“, sagt der Rennfahrer.

In seinem heimischen Arbeitszimmer in Unterstraße füllt eine stattliche Zahl von mehr als 200 Pokalen die Regale und Fensterbänke. Mike Stursberg arbeitet beruflich als Steuerberater, der 49-Jährige bezeichnet sich als semi-professionellen Rennfahrer. Er fährt aktuelle Tourenwagen, meist Porsche und Mercedes, oder auch Youngtimer-Rennen. Seit 2006 gehört er zu denen, die das legendäre ADAC-24-Stunden-Rennen am Nürburgring bestreiten – nur 2017 und 2018 war er nicht dabei. In diesem Jahr fand dieses Rennen unter besonderen Bedingungen statt: wegen der Corona-Pandemie ohne Publikum.

Mike Stursberg gehört beim 24-Stunden-Rennen in der Eifel zum Kreis der erfahrenen Rennsportler. Foto: Stursberg/privat

„Sonst sieht man als Fahrer die Lagerfeuer und Grills, die selbstgebauten Hochsitze und die Lichterketten an den Wohnmobilen entlang der Rennstrecke – dieses Mal war es stockduster“, berichtet Stursberg im Gespräch mit unserer Redaktion: „Ohne diese Gegenlichter war das schon ein ganz spezielles Erlebnis.“ Auf das sportliche Fahren selbst habe es keine Auswirkung, ob Zuschauer an der Rennstrecke sind oder nicht, ist Mike Stursberg überzeugt, aber: „Atmosphäre entsteht immer durch die Menschen, die da sind.“ Und weiter: „Ohne Fans ist die Stimmung eben anders.“ Damit gemeint ist, dass die tausenden Besucher, die jährlich zum 24-Stunden-Rennen an die berühmte Nordschleife kommen, einen gehörigen Anteil am Kultstatus der Veranstaltung haben.

Aus Sicht des Fahrers analysiert Stursberg das 2020er-Rennen noch unter einem ganz anderen Gesichtspunkt: „Eigentlich findet das 24-Stunden-Rennen immer vor der Jahresmitte im Mai oder Juni statt. Der verschobene Termin in diesem Jahr erst im September – da war die Nacht natürlich viel länger.“ Obendrein wäre das Wetter in der Eifel bekanntermaßen eh’ sehr speziell, und in diesem Jahr hätte es schlechter kaum sein können: „Es war kalt, nebelig und regnerisch.“ Eine zwischenzeitliche Renn-Unterbrechung war die Folge. Teils kamen die Reifen gar nicht auf die erforderliche Temperatur, um den zur Sicherheit nötigen Grip aufzubauen – die Rennsport-Regenreifen sind nicht für Außentemperaturen von vier Grad Celsius ausgelegt. „Nach einem Schauer waren bestimmte Teile der Strecke nass, andere trocken“, sagt Mike Stursberg und nennt damit die besonderen Herausforderungen: „Du bist dann als Fahrer dein eigener Wetter-Radar. Und in solch’ einer besonderen Situation hilft die Erfahrung, wie ich sie habe, natürlich sehr.“

Klar ist für den Wermelskirchener Rennfahrer: „Es ist immer wieder ein Erlebnis, auf dem Nürburgring zu fahren. Es ist die atemberaubenste und gefährlichste Strecke der Welt.“ Dass die Fahrer trotz „Tunnelblick“ und bei einer Geschwindigkeit von 270 Stundenkilometern „schmaler als eine Landstraße wirkenden Rennstrecke“ das Publikum überhaupt noch wahrnehmen, bejaht der Inhaber von unter anderem fünf Meister-Titeln im Youngtimer-Rennsport: „Doch, beim Anbremsen, in Gelb-Phasen oder auch beim Training registrieren die Fahrer das Spektakel im Zuschauerbereich.“

Die fehlenden Einnahmen durch Eintrittsgelder seien sicherlich für den Renn-Veranstalter ein Problem. „Und auch die Rennsport-Teams müssen Geld verdienen“, betont Mike Stursberg: „Für mich persönlich ist das ja nicht der Beruf. Dennoch war ich froh, dass es stattgefunden hat.“ Mike Stursberg ist sicher, dass das 24-Stunden-Rennen 2021 wieder zur gewohnten Jahreszeit stattfindet: „Es gilt, positiv zu bleiben – es wird immer einen Weg geben.“ Schließlich würden viele Sicherheits-Elemente, die später in Straßen-Autos verbaut werden, im Rennsport entwickelt, und das 24-Stunden-Rennen am Nürburgring sei neben Le Mans das bekannteste seiner Art.

Mit dem „Black Falcon“-Team und auf einem Mercedes GT konnte sich Mike Stursberg in diesem Jahr den zweiten Platz in der Klassenwertung und den 21. Rang in der Gesamtwertung sichern. „Damit sind wir ganz zufrieden. Wir hatten im ersten Renndrittel einen Reifenschaden und dadurch sechs Minuten verloren. Das war nicht mehr aufzuholen“, sagt Mike Stursberg.